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Schmidt-Weitmann S, Brockes C. Kompetenzen der Ärzte in der Online-Kommunikation mit Patienten fördern. Z Allg Med 2018; 94: 81–85

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Sabine Schmidt-Weitmann, Michael Gurr

Leserbrief von Dr. Michael Gurr

Vielen Dank für den Artikel über die derzeit modernste Form der Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Ich selbst präferiere eher die Begrifflichkeit „Internetmedizin“ anstatt „Telemedizin“. Telemedizin mutet anachronistisch an, da es eher an die analoge VHS-Video-Ära als an moderne internetbasierte digitale Kommunikation erinnert.

Ich bin Hausarzt in einer großen ländlichen Einzelpraxis und habe mich schon früh für eine arztentlastende, ergänzende digitale Arzt-Patienten-Kommunikation interessiert. 2011 habe ich zusammen mit einem befreundeten Informatiker begonnen, das bisher in Deutschland einmalige Internetportal meinarztdirekt.de zu entwickeln. Seit zwei Jahren ist meinarztdirekt.de in meiner Praxis und in der Praxis einiger Kolleginnen und Kollegen erfolgreich im Einsatz.

Zu Ihrer Originalarbeit deshalb einige Anmerkungen aus eigener Erfahrung mit moderner digitaler Arzt-Patienten-Kommunikation im deutschen Gesundheitswesen:

  • Anfragen von Patienten per E-Mail, insbesondere solche mit patientenbezogenem medizinischen Inhalt, sollten aus Gründen des Datenschutzes nicht beantwortet werden. Eine E-Mail ist vergleichbar mit einer Postkarte, die auch von Dritten einsehbar ist. Deshalb ist nur eine hochgesicherte Portallösung zulässig, wo sich Arzt und Patient online registrieren und dann in einem geschützten Raum (virtuelles Sprechzimmer) miteinander kommunizieren. Bei unserem Onlinesprechzimmer geben wir den Patienten sogar noch einen zusätzlichen Zugangscode im Sprechzimmer an die Hand. Damit ist gewährleistet, dass sich Arzt und Patient kennen. Bei reiner Fernbehandlung wie im Artikel beschrieben entfällt dies natürlich. Dies geht dann aber auch auf Kosten von Behandlungsqualität (da sich Arzt und Patient nicht kennen) und Datensicherheit.
  • Der Vorteil der ortsunabhängigen und wirklich zeitunabhängigen (zeitasynchronen) Kommunikation lässt sich aus meiner Erfahrung bestätigen. Ich beantworte die Anfragen meiner Patienten immer am gleichen Tag, meist innerhalb weniger Stunden. Dies erweist sich als Vorteil gegenüber Telefonaten und Videosprechstunden. Hinzu kommt, dass die Patienten die Anfrage schriftlich formulieren müssen und dabei ,auf den Punkt‘ kommen. Dazu sind sowohl Anfragen als auch Antworten jederzeit nachlesbar und somit nachhaltiger. Das Fehlen einer nonverbalen Kommunikationsebene ist ein Nachteil. Für komplexe medizinische Fragestellungen und Abklärungen ist das Onlinesprechzimmer aber auch nicht gedacht. Sondern für die vielen kleinen Anfragen bei denen kein physischer Kontakt zwischen Arzt und Patient erforderlich ist.
  • Ob eine spezielle Ausbildung in tele(internet)medizinischen Kommunikationstechniken erforderlich ist, wird sich zeigen, wenn größere Datenmengen und Erfahrungsberichte zur Verfügung stehen. Aus meiner bisherigen Erfahrung mit meinen Patienten im Onlinesprechzimmer findet man intuitiv und patientenindividuell schriftlich online die richtigen Worte und Formulierungen – ähnlich wie im unmittelbaren Patientenkontakt.
  • Die Beantwortung einer Frage für 75 Schweizer Franken scheint wohl eine Mischkalkulation zu sein. Unsere (spezifisch deutsche Lösung) erlaubt dem Arzt online bei Abschluss einer Konsultation eine dem Aufwand angepasste Honorierung nach GOÄ festzulegen. Diese bezahlt der Patient mittels eines Onlinebezahlsystems. Optional kann der Arzt auch auf eine Vergütung verzichten, z.B. wenn eine Anfrage online nicht medizinisch vertretbar zu klären ist.

Ich hoffe auf eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema Internetmedizin bei Ärzten und Patienten. Denn diese sind die User einer ergänzenden Internetmedizin. Hier sollte man nicht das Feld der Industrie oder praxisfernen Experten überlassen.

Interessenkonflikt: Der Autor ist Geschäftsführer der meinarztdirekt GmbH, welche das Online-Sprechzimmer meinarztdirekt.de Ärzten kostenpflichtig zur Verfügung stellt.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Michael Gurr

Facharzt für Allgemeinmedizin

Diabetologie – Notfallmedizin

Philipp-Mayer-Straße 8

67304 Eisenberg

Tel.: 06351 7221

www.praxis-doktor-gurr.de

service@praxis-doktor-gurr.de

Antwort von Dr. Sabine Schmidt-Weitmann

Vielen Dank für die Anmerkungen zu unserem Artikel „Kompetenzen der Ärzte in der Online-Kommunikation mit Patienten fördern“. Die Nomenklatur dieses neuen und innovativen Gebietes der Medizin ist sehr im Fluss und der Begriff Telemedizin hat in den vergangenen Jahren neue Bedeutung gewonnen. Während bislang hauptsächlich der Fokus auf spezialärztliche Dia­gnostik über große Distanzen im Vordergrund stand (Teleradiologie, Telepathologie), umfasst heute die Telemedizin viele verschiedene Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) wie beispielsweise Telefon, Internet, Video um die Kommunikation mit dem Patienten orts- und zeitunabhängig zu führen. Die neuen Möglichkeiten des Telemonitoring bieten zusätzlich einen Gewinn an Mobilität und Patientenautonomie. Aus unserer Sicht ist der Begriff „Telemedizin“ in diesem Zusammenhang umfassender.

Ihre Erfahrungen in der digitalen Arzt-Patienten-Kommunikation bestätigen den Bedarf solcher Angebote, sowohl seitens der Patienten als auch der Ärzte. Zu Ihren Anmerkungen möchte ich gerne wie folgt weiter Stellung nehmen:

  • Anfragen von Patienten per E-Mail mit patientenbezogenem medizinischem Inhalt wurde über unsere webbasierte Onlineplattform onlineberatung@usz.ch beantwortet. Die Anfrage wurden in ein webbasiertes Frageformular (HTTPS-Formular, Hypertext Transfer Protocol Secure) transferiert, das die Daten über eine sichere SSL-Verbindung an die USZ-Onlineberatung verschickt. Der Anfragende erhält schließlich eine E-Mail mit einem aktiven Link zu seiner Antwort, die auf einem Server im UniversitätsSpital Zürich abgelegt und somit vor unrechtmäßigen Zugriffen geschützt ist. Die Gewährleistung des Datenschutzes hat oberste Priorität und es ist eine wichtige Aufgabe der Ärzte, die diese neuen Technologien nutzen, ihre Patienten darauf hinzuweisen.
  • Die Anonymität zwischen Arzt und Patient wird unserer Erfahrung nach gerade in Bereichen, wo man dem Arzt nicht gerne persönlich gegenübersitzen möchte, sehr geschätzt. Dies umfasst beispielsweise Anfragen zu sexuell übertragbaren Erkrankungen und psychiatrische Krankheitsbilder [1, 2].
  • Die Kosten der Dienstleistung der USZ-Onlineberatung (75 CHF pro Anfrage) können im schweizerischen Vergütungssystem von ambulanten ärztlichen Leistungen (TARMED) nicht abgerechnet werden.

Wir bedanken uns für Ihre konstruktiven und informativen Beitrag zu unserem Artikel und möchten Ihnen vollumfänglich zustimmen, dass die Ärzte die Initiative auf diesem innovativen Gebiet der Medizin übernehmen sollten. Wir hoffen, dass wir mit unserem Artikel dazu einen Beitrag liefern konnten.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Sabine Schmidt-Weitmann

FMH Allg. Innere Medizin

Stellv. Leitung Klinische Telemedizin

UniversitätsSpital Zürich

Rämistrasse 100, CH-8091 Zürich

sabine.schmidt-weitmann@usz.ch

Literatur

1. Schmidt-Weitmann S, Bösch S, Weidt S, Brockes C. Psychological online consultation service attracts men: a new approach to close the gap between being ill and being treated. Telemed J E Health 2015; 21: 48–54

2. Schmidt-Weitmann S, Schulz U, Schmid DM, Brockes C. The university hospital Zurich offers a medical online consultation service for men with intimate health problems. Am J Mens Health 2017; 11: 518–524


(Stand: 14.05.2018)

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