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Train-the-Trainer-Seminare für Weiterbildende an Kompetenzzentren Weiterbildung – ein bundesweiter Ist-Stand

DOI: 10.3238/zfa.2021.0204-0209

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Schlüsselwörter: Allgemeinmedizin Facharztweiterbildung Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Train-the-Trainer-Seminare didaktische Qualifikation

1 Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung; 2 Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Allgemeinmedizin; 3 Universitätsmedizin Rostock, Institut für Allgemeinmedizin; 4 Ruhr-Universität Bochum, Abteilung für Allgemeinmedizin; 5 Vernetzungsstelle Weiterbildung Allgemeinmedizin, Lübeck; 6 Universitätsklinikum Erlangen, Allgemeinmedizinisches Institut; 7 Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin; 8 Charité-Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin

Peer reviewed article eingereicht: 06.11.2020, akzeptiert: 05.01.2021

DOI 10.3238/zfa.2021.0204–0209

Hintergrund

In europäischen Nachbarländern existieren Qualifizierungskurse für Weiterbildende (= Weiterbildungsbefugte = WBB), die häufig mit dem Begriff ,,Train-the-Trainer-(TtT-)Programme‘‘ bezeichnet werden. Sie sind dort in der Regel obligate Voraussetzung für den Erwerb und Erhalt der Weiterbildungsbefugnis [1]. Inhaltlich decken sie hauptsächlich organisatorische, rechtliche sowie didaktische Themen ab [2]. Die Erteilung der Weiterbildungsbefugnis für das Fach Allgemeinmedizin in Deutschland orientiert sich zurzeit ausschließlich an strukturellen und formalen Kriterien wie Praxisgröße, Behandlungsspektrum, Dauer der hausärztlichen Tätigkeit etc. Eine flächendeckende Berücksichtigung didaktischer Kompetenzen der Weiterbildungsbefugten findet nicht statt [3]. 2011 wurden auf dem 114. Deutschen Ärztetag Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität der Weiterbildung beschlossen: Neben dem Beschluss, Weiterbildungsverbünde zu integrieren, wurde ein Hinweis auf regelmäßige didaktische (Weiter-)Qualifizierung der weiterbildungsbefugten Ärzt*innen aufgenommen [4].

In Deutschland wurde 2012 das erste TtT-Programm im Rahmen der Verbundweiterbildungplus Baden-Württemberg beschrieben [5, 6]. Für die Entwicklung dieses TtT-Kurses wurden Erfahrungen und Vorarbeiten der Nachbarländer sowie Befragungen von Weiterbildungsbefugten in Baden-Württemberg genutzt [1, 7, 8]. Ledig et al. beschreiben in einer quantitativ-qualitativen Evaluation unter 256 teilnehmenden WBB, dass die TtT-Seminare auch von erfahrenen WBB sehr gut angenommen werden, ein großes Interesse der Teilnehmenden an einem Erfahrungsaustausch und Vernetzung untereinander sowie ein ausgeprägter Wunsch nach kontinuierlichen Treffen besteht, um die Kompetenzen als WBB regelmäßig aufzufrischen bzw. zu vertiefen [9].

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hat 2013 das Konzept der DEGAM-Verbundweiterbildungplus vorgestellt, welches die minimalen Anforderungen definiert, die an eine qualitativ hochwertige Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin zu stellen sind [10]. Die Teilnahme der Weiterbildungsbefugten an TtT-Kursen ist hierbei ein zentrales Kriterium. Seit 2017 sind Kompetenzzentren Weiterbildung (KW) im Rahmen der bundesweiten Vereinbarung zur Förderung der Allgemeinmedizin gemäß § 75a, SGB V verpflichtet, TtT-Seminare anzubieten [11]. Als Hilfsmittel für KW im Aufbau und Verantwortliche von TtT-Seminaren wurde 2017 die Checkliste Train-the-Trainer-Seminare durch die Sektion Weiterbildung der DEGAM veröffentlicht [12]: Darin wird zwischen TtT-Basis-seminaren (12–16 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten) und TtT-Folgeseminaren (drei bis vier Unterrichtseinheiten à 45 Minuten) für je ca. 25 Teilnehmende mit Plenar- und Kleingruppenarbeit unterschieden. Wesentliche Inhalte von TtT-Seminaren sind z.B. die Struktur der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin inkl. gültiger Weiterbildungsordnung oder das Kompetenzbasierte Curriculum Allgemeinmedizin [13]. Darüber hinaus werden rechtliche Fragen wie z.B. Vertragsgestaltung, organisatorische Aspekte wie Einarbeitungskonzepte und didaktische Inhalte wie Feedbackgabe an ÄiW behandelt [9, 12].

Ziele der vorliegenden Studie waren die Analyse der bereits bestehenden und geplanten TtT-Seminare in Deutschland (Ist-Stand) und die Anpassung der Checkliste TtT als Mittel zur Qualitätssicherung (Soll-Stand).

Methoden

Design

Es wurde eine leitfadengestützte Querschnittsbefragung zu Art und Umsetzungsstand der TtT-Seminare in Deutschland durchgeführt. Im zweiten Teil erfolgte eine Überarbeitung der Checkliste TtT im Expert*innenkonsens, orientiert an einer offenen, nominalen Gruppentechnik.

Rahmen

Alle bestehenden KW in Deutschland sollten in der Umfrage berücksichtigt werden. Beim Workshop wurde mindestens ein*e Vertreter*in jedes KW für die Teilnahme rekrutiert (i.d.R. verantwortliche*r Ansprechpartner*in des KW oder Hauptansprechpartner*in für TtT-Seminare). Die Expertengruppe zur Finalisierung der Checkliste rekrutierte sich aus den aktiven Teilnehmenden des Arbeitskreises (AK) TtT-Seminare der DEGAM Sektion Weiterbildung, unter denen aktive WBB vertreten waren. Die Expert*innengruppe konnte darüber hinaus Evaluationsdaten zu TtT-Seminaren einzelner KW berücksichtigen.

Datenerhebung

Umfrage – Ist-Stand

Die Teilnahme an der Studie war freiwillig. Das Einverständnis der Teilnehmenden wurde mündlich eingeholt. Im AK TtT wurde auf Grundlage der Checkliste TtT ein Interviewleitfaden konzipiert und konsentiert und mit zwei freiwilligen Ansprechpartnern*innen für TtT aus zwei KW pilotiert. Der Interviewleitfaden kann auf Nachfrage zur Verfügung gestellt werden. Im März 2019 wurden alle Ansprechpartner*innen für TtT-Seminare der KW angeschrieben. Der Leitfaden wurde zur Information mitgeschickt, die Angaben während der Interviews mitgeschrieben. Alternativ wurde die Möglichkeit, den Leitfaden schriftlich zu beantworten, zugelassen. Die Ergebnisse wurden in einem Workshop der Jahrestagung der DEGAM im September 2019 präsentiert. Alle KW wurden eingeladen im ersten Teil des Workshops Korrekturen an der Darstellung der TtT im eigenen KW vorzunehmen und die Checkliste zu überarbeiten.

Checkliste – Soll-Stand

Im zweiten Teil wurde die Gruppe in vier Kleingruppen aufgeteilt, wobei sich jeweils zwei mit der ersten Hälfte der Checkliste (Rahmenbedingungen, Dozierende, Voraussetzungen) bzw. mit der zweiten Hälfte (Inhalte Basisqualifikation, Inhalte Folgetreffen) der Checkliste auseinandersetzten. Die Gruppenarbeit wurde anhand vorgegebener Leitfragen strukturiert und von jeweils einer/einem Moderator*in protokolliert (Welche Items müssen überarbeitet bzw. gestrichen werden, welche Items können ergänzt werden? Welche Items sollten fakultativ, welche obligatorisch sein?). Im Anschluss wurden die Ergebnisse der Gruppenarbeit im Plenum vorgestellt. Kontroverse Aspekte wurden diskutiert und alle Ergebnisse der Gesamtdiskussion von zwei Moderator*innen protokolliert.

Datenauswertung

Zur Datenanalyse wurden alle Angaben mit der Hilfe von MS-Excel in einer Übersichtstabelle gesammelt. Die Angaben der Teilnehmenden an Umfrage und Workshop wurden deskriptiv (Mittelwert, Median, Standardabweichung, Interquartilsabstand) zusammengefasst. Die vier Moderator*innen und drei Teilnehmenden sortierten direkt im Anschluss an den Workshop alle Anmerkungen zu den Items und diskutierten konsensorientiert. Nach dem Workshop wurde die Checkliste in einer Expert*innenrunde mit n = 10 Teilnehmenden in einem mehrstufigen Prozess finalisiert.

Ergebnisse

Zehn KW (66,7 %) nahmen an einem Telefoninterview und fünf KW (33,3 %) schriftlich teil. Ein KW hat ohne Angaben von Gründen nicht an der Befragung teilgenommen. Am Workshop nahmen 19 Personen aus 13 KW teil. Die vier Moderator*innen kamen aus drei KW. Alle Anwesenden stimmten schriftlich zu, dass die Angaben aus einer soziodemografischen Befragung weiterverwendet werden können. Die Teilnehmenden – acht Frauen, elf Männer – waren im Median 51 (39,5; 57,5) Jahre alt. 15 Teilnehmende waren Ärzt*innen, vier hatten andere Professionen (Betriebswirt*in/Public Health, Erziehungswissenschaftler*in, Gesundheits- und Sozialwissenschaftler*in, Kulturwissenschaftler*in, Psycholog*in).

Ist-Stand

 

Die Angaben wurden in einer Deutschlandkarte zusammengefasst (Abb. 1). An 13 KW fanden zum Befragungszeitpunkt TtT-Seminare statt. Jeweils ein KW plante im Herbst 2019 und 2020 damit zu beginnen. 2018 begannen acht KW mit dem Angebot, drei KW führten schon vor 2017 Seminare durch. Die KW boten bisher 1–17 Seminare an. Die Zahl der Durchführungsorte schwankte von eins bis sieben. Die maximale Teilnahmezahl variierte von 12–40. Zusätzlich zu WBB der Allgemeinmedizin ermöglichten elf von 14 KW anderen ambulanten WBB und fünf auch stationären WBB die Teilnahme. In zwölf KW zahlten die Teilnehmenden für Catering, Reise und Übernachtung, in einem KW fielen keine Kosten an, und ein KW erhob eine Teilnahmegebühr in Höhe von 260 Euro. Die Dozierendenteams waren interdisziplinär zusammengesetzt (Fachärzt*innen für Allgemeinmedizin in 13 von 14 KW; Pädagog*innen/Psycholog*innen in fünf von 14 KW; WBB Allgemeinmedizin in zehn von 14).

Die meisten TtT-Seminare waren an den Checklisten-Kriterien ausgerichtet (Tab. 1): neun von 14 KW boten ein Basisseminar von mindestens zehn Unterrichtseinheiten (UE) an, welches sich über zwei aufeinanderfolgende Tage erstreckte. Inhaltlich setzen die meisten KW ähnliche, der Checkliste entsprechende Schwerpunkte. Darüber hinaus wurden einige Themen aufgeführt, die zusätzlich in die Seminare integriert wurden; wie z.B. anvertraubare professionelle Aktivitäten (entrustable professional activities), Facharztprüfung, Perspektive der ÄiW, Konfliktmanagement in der Praxis oder die Entwicklung von Praxisstrukturen. Die meisten Seminare waren durch eine Methodenvielfalt aus Vorträgen, aktivierenden Kleingruppenphasen und unterschiedliche didaktische Methoden wie z.B. Simulati­onen, Murmelgruppen oder World Café gekennzeichnet.

KW, die Kriterium erfüllen

Rahmenbedingungen (obligatorisch)

„Die TtT-Seminare werden von allgemeinmedizinischen Abteilungen/Instituten – ggf. in Kooperation mit weiteren Partnern im KW Allgemeinmedizin – inhaltlich verantwortet und durchgeführt.“

11/14

„Es werden Schulungen der Dozenten der TtT-Seminare sowie eine begleitende wissenschaftliche Evaluation durchgeführt.“

n/a*

„Die TtT-Seminare beinhalten ein Auftaktseminar und regelmäßige Folgetreffen zur dauerhaften Anbindung der WBB.“

4/14

Dozierende (obligatorisch)

„Leitung durch universitären Vertreter des zuständigen KW und durch erfahrene Weiterbildungsbefugte für Allgemeinmedizin (…)“

11/14

„Mitarbeit von medizindidaktisch geschulten und erfahrenen Ärzten“

n/a*

Dozierende (fakultativ)

„Mitarbeitende der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung“

6/14

„Mitarbeitende der zuständigen Ärztekammer“

8/14

„Schauspieler für das Feedbacktraining“

11/14

Voraussetzungen (obligatorisch)

„Auftaktveranstaltung von mind. 1–12 UE“

9/14

„Folgetreffen mit 4 UE und Angebot am regionalen KW oder in räumlicher Nähe zum jeweiligen Weiterbildungsverbund“

4/14

Voraussetzungen (fakultativ)

„Übernachtung der TN am Veranstaltungsort“

7/14

„Folgetreffen mind. 2 x jährlich angeboten“

n/a*

Folgetreffen 1 x jährlich je WBB

n/a*

Inhalte der Auftakt-Seminare (obligatorisch)

Überblick über die Struktur der lokalen und regionalen Verbundweiterbildungsstruktur und das zuständige KW

14/14

Grundlagen der aktuell gültigen Weiterbildungsordnung; Kompetenzbasiertes Curriculum Allgemeinmedizin und Einführung in das Can-MEDS Rollenmodell

12/14

Grundlagen des Feedback als didaktisches Instrument (wenn zeitgleich möglich praktisches Feedbacktraining)

14/14

Organisatorische Rahmenbedingungen: Förderung der WB, länderspezifische Förderbedingungen der KV und ÄK

12/14

Strukturierung der WB, Dokumentation der WB (Logbuch, Lernplattform der ÄK, KCA), WB-Zeugnis

10/14

Bedeutung, Gestaltung und Verhandlung des Weiterbildungsvertrags

11/14

Rechtliche Rahmenbedingungen für WBB und ÄiW (z.B. Notdienst, Vertretungsregelungen bei Abwesenheit des WBB)

12/14

Bedeutung und Strukturierung regelmäßiger WB-Gespräche

11/14

Anmerkung. *n/a = nicht verfügbar

Tabelle 1 Erfüllung der Kriterien der Train-the-Trainer-Checkliste (Version 1, Stand Januar 2017)

In einem Bundesland fanden bereits seit 2006 Qualitätszirkel für Weiterbildungsbefugte im Fachgebiet Allgemeinmedizin statt, die in einer Verknüpfung von Basis- und Folgetreffen schon Überschneidungen mit den später als TtT-Seminaren definierten Formaten aufweisen. In einem anderen KW wurde das Format von verkürzten TtT-Seminaren über zwei UE im Rahmen des Tages der Allgemeinmedizin [14] durchgeführt („Schnupperkurs“).

Eine neue Checkliste

Im Ergebnis des Workshops wurde eine überarbeitete Checkliste (Version 2) zur Durchführung von TtT-Seminaren entworfen. Diese konnte im AK TtT der Sektion Weiterbildung in einem folgenden Abstimmungsprozess erfolgreich konsentiert werden (Online-Supplement 1). Die neue Checkliste unterscheidet zwischen obligatorischen und fakultativen Items und bezieht sich auf die Bereiche Rahmenbedingungen, Dozierende und die strukturelle Aufteilung in Basisqualifikation mit zwölf UE und Folgetreffen mit drei bis vier UE. Sie legt Inhalte der Basisqualifikation fest und empfiehlt Inhalte und Themen für TtT-Folgetreffen. Die TtT-Folgetreffen sollen die kontinuierliche Anbindung von WBB ermöglichen. Die wesentlichen Unterschiede im Vergleich zu Version 1 sind die Berücksichtigung von E-Learning und modularen Konzepten, die überarbeitete Definition von TtT-Folgetreffen, die strukturellen Vorgaben zu TtT-Folgetreffen und die Sammlung konkrete Themenvorschläge für TtT-Folgetreffen.

Diskussion

Die meisten KW-Standorte bieten TtT-Seminare an und deren inhaltliche Ausgestaltung orientiert sich weitgehend an den Kriterien der DEGAM-Checkliste TtT. Die didaktische Ausgestaltung und der zeitliche Umfang der Seminare sind heterogen. Die DEGAM-Checkliste TtT konnte in einem breiten Konsens erfolgreich aktualisiert werden.

Die Implementierung von TtT-Seminaren in den KW Allgemeinmedizin ist erfolgreich umgesetzt. Dies ist bemerkenswert, da die Anlage IV erst zum 1.1.2017 in Kraft getreten ist und die ersten KW erst zum 1.7.2017 ihren Betrieb aufgenommen haben. Bis 2017 gab es nur in den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen und Schleswig-Holstein entsprechende Angebote. Im Ausland ist eine didaktische Qualifizierung für WBB üblich [1, 2], in Deutschland ungewöhnlich und Publikationen sind schwer zu finden: Die Berufsverbände der Chirurgen, der Deutschen Internisten und der Orthopäden und Unfallchirurgen seit ca. 2015 ein TtT-Programm, dessen regelmäßige Durchführung und Evaluationen nicht verfügbar sind [15]. Wenige Ärztekammern führen vereinzelt Angebote durch [16]. Dass die Entwicklungen in der Allgemeinmedizin für andere Fächer relevant sind, zeigt sich in der Zusammenarbeit und neuen Angeboten bei den Ärztekammern [17].

Die erste Version der DEGAM-Checkliste TtT hat KW beim Aufbau der TtT-Seminare unterstützt [18], eine breite Implementierung und ein gemeinsames Grundverständnis von TtT-Seminaren ermöglicht. Gleichzeitig bot die Befragung die Grundlage, um in einem zweiten Schritt die TtT-Checkliste erfolgreich und auf breiter Konsensbasis zu überarbeiten. Neben der jeweiligen Gründungszeit der KW spielen weitere Faktoren bei der inhaltlichen wie strukturellen Ausge-staltung der jeweiligen TtT-Seminare eine Rolle: Regionale Besonderheiten, die Interdisziplinarität/Interprofessionalität der KW und die methodische wie didaktische Ausrichtung der Beteiligten. Daher beinhaltet die zweite Version der DEGAM-Checkliste ein breites Meinungsspektrum und könnte hilfreich für andere Fachrichtungen in der Medizin sein.

Die Forderung nach Implementierung von TtT-Seminaren gemäß Anlage IV hat zu einem intensivierten Austausch zwischen den KW und damit zwischen den Hochschulstandorten und weiteren Akteuren wie Ärztekammer und kassenärztlicher Vereinigung geführt. Der Austausch formt die Grundlage für gegenseitiges Lernen und trägt zur ständigen Fortentwicklung und Qualitätssicherung von TtT-Seminaren in der Allgemeinmedizin in Deutschland bei. Zur Beurteilung der Frage, welche Form und didaktische Ausgestaltung von TtT-Seminaren wünschenswert ist, sind weitere Evaluationsdaten notwendig.

Zum jetzigen Zeitpunkt bleiben einige Fragen offen:

  • Welche Zusammensetzung von Referierenden ist für gewinnbringende TtT-Seminare vorteilhaft?
  • Wie können WBB längerfristig angebunden und unterstützt werden, um einen Lern- und Entwicklungsprozess zu unterstützen?
  • Im Ausland sind verpflichtende Seminare üblich [19], wie könnte man auch ohne Verpflichtung eine stetige Teilnahme der Mehrzahl der WBB in den KW ermöglichen?

Stärken und Schwächen

Mit dieser Studie wurde erstmals der Status quo der TtT-Angebote nach flächendeckender Implementierung von KW erhoben. Die Daten geben Einblick in Art und Umsetzungsgrad der TtT-Seminare und ermöglichen und befördern den Austausch unter den KW, auch über den hier vorgestellten partizipativen Überarbeitungsprozess der Checkliste hinaus. Einschränkend ist zu berücksichtigen, dass die Angaben semistrukturiert mithilfe eines Leitfadens erfasst wurden. Bei der Betrachtung der hier vorgestellten Ergebnisse handelt es sich um eine Momentaufnahme. Auch hat ein KW, das TtT-Seminare durchführt, nicht an der Studie teilgenommen. Die Bestandsaufnahme fand vor der COVID-Pandemie statt. Erste Erfahrungen in der digitalen Lehre konnten hier angesichts der heterogenen Rahmenbedingungen noch nicht einfließen und sollten künftig stärker Beachtung finden.

Schlussfolgerungen

Die Implementierung von TtT-Seminaren in den KW Allgemeinmedizin ist erfolgreich umgesetzt. Mit der Überarbeitung der Checkliste ist es gelungen, Mindeststandards für TtT-Seminare partizipativ zu konsentieren und gleichzeitig den KW die Gelegenheit zu geben, ihr Angebot entsprechend regionaler Gegebenheiten anzupassen. Die Kriterien der Checkliste haben Empfehlungscharakter und können im Sinne von gemeinsam formulierten Mindeststandards gelten. Standortspezifische Besonderheiten müssen sich auch künftig in den TtT-Seminaren widerspiegeln können. In einem nächsten Schritt sollte die dauerhafte Anbindung von WBB durch kontinuierliche TtT-Folgetreffen ermöglicht werden, um den Bedürfnissen der WBB nach kollegialem Austausch rund um die Tätigkeit als WBB noch besser entsprechen zu können. Die neue Checkliste soll dazu eine Hilfestellung bieten.

Danksagung: Wir danken allen teilnehmenden KW für die Unterstützung bei der Befragung und allen Workshop-Teilnehmenden für die rege Mitarbeit.

Förderung: Es hat keine spezifische Förderung dieser Arbeit gegeben. LR hat im Rahmen ihrer Tätigkeit an der Vernetzungsstelle der KW an der Studie mitgewirkt, welche durch die DEGAM/DESAM finanziert wurde.

Zusatzmaterial im Internet (www.online-zfa)

Checkliste Version 2 (Dez. 2019)

Interessenskonflikte:

Keine angegeben.

Literatur

1. Annan NF, Maagaard R, Joos S, Ledig T, Steinhäuser J. Wie könnte ein train the trainer Programm aussehen? – Eine Internet-Recherche. Z Allg Med 2010; 14: 444–9

2. Flum E, Berger S, Szecsenyi J, Marquard S, Steinhaeuser J. Training standards statements of family medicine postgraduate training – a review of existing documents worldwide. PLoS One 2016; 11: e0159906

3. Egidi G, Bernau R, Börger M, Mühlenfeld HM, Schmiemann G. Der Kriterienkatalog der DEGAM für die Befugnis zur Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin – ein Vorschlag zur Einschätzung der Strukturqualität in Weiterbildungspraxen. GMS ZMed Ausb 2014; 31: 1–17

4. www.bundesaerztekammer.de/down loads/114Beschlussprotokoll2011 0704.pdf (letzter Zugriff am 19.12.2020)

5. Steinhäuser J, Roos M, Haberer K, et al. Bericht aus der Praxis: das Programm Verbundweiterbildungplus des Kompetenzzentrums Allgemeinmedizin Baden-Württemberg – Entwicklung, Umsetzung und Perspektiven. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes 2011; 105: 105–9

6. Schwill S, Magez J, Joos S, Steinhäuser J, Ledig T, Rubik A, et al. New paths in post-graduate medical training in general practice – 8 years of expertise with the pilot project Verbundweiterbildungplus Baden-Wuerttemberg. GMS J Med Educ. 2017; 34: Doc62

7. Joos S, Roos M, Ledig T, Bilger S, Szecsenyi J, Steinhäuser J. Perspektiven und Erfahrungen weiterbildungsbefugter Ärzte für Allgemeinmedizin – eine Umfrage in Baden-Württemberg. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes 2011; 105: 97–104

8. Steinhäuser J, Ledig T, Szecsenyi J, et al. Train the trainer für weiterbildungsbefugte Allgemeinärzte – ein Bericht über die Pilotveranstaltung im Rahmen des Programms Verbundweiterbildungplus. GMS Z Med Ausb 2012; 29: Doc43 (20120515)

9. Ledig T, Flum E, Magez J, et al. Five-year experience with train-the-trainer courses for general practice trainers – a qualitative and quantitative analysis. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes 2016; 117: 65–70

10. www.degam.de/files/Inhalte/Degam-Inhalte/Sektionen_und_Arbeitsgruppen/Sektion_Weiterbildung/ DEGAM_Konzept_Verbundweiterbildung_plus_130718.pdf (letzter Zugriff am 19.12.2020)

11. www.bundesaerztekammer.de/aerzte/aus-weiter-fortbildung/weiterbildung/foerderung-der-weiterbildung- gemaess-75a-sgb-v/ (letzter Zugriff am 19.12.2020)

12. www.degam.de/files/Inhalte/Degam-Inhalte/Sektionen_und_Arbeitsgruppen/Sektion_Weiterbildung/ DEGAM_CHECKLISTE_Train%20the% 20Trainer_final.pdf (letzter Zugriff am 19.12.2020)

13. Steinhaeuser J, Chenot JF, Roos M, Ledig T, Joos S. Competence-based curriculum development for general practice in Germany: a stepwise peer-based approach instead of reinventing the wheel. BMC Res Notes 2013; 6: 314

14. Szecsenyi J, Wiesemann A, Stutzke O., Mahler C. „Tag der Allgemeinmedizin“ – ein Beitrag zur Entwicklung einer gemeinsamen regionalen Plattform zwischen Hausarztpraxen und einer Universitätsabteilung. Z Allg Med 2006; 82: 449–55

15. www.bdc.de/einladung-zum-trainingskursmastertrainer-bdcbdi-fuer-die-strukturierte-facharztweiterbildung/ (letzter Zugriff am 19.12.2020)

16. www.aerztekammer-bw.de/10aerzte/05kammern/50sw/15akademie/ 201212_train-trainer/index.html (letzter Zugriff am 19.12.2020)

17. www.aerztekammer-bw.de/10aerzte/05kammern/40sb/15akademie/ 210130_train-the-trainer/index.html (letzter Zugriff am 19.12.2020)

18. Sonntag U, Koch A, Bayer G, Heintze C, Döpfmer D. Train the trainer course for general practice trainers in ambulatory care: the berlin model. GMS J Med Educ 2020; 37: Doc28

19. www.woncaeurope.org/news/view/wonca-global-standards-for-postgraduate-family-medicine-education (letzter Zugriff am 19.12.2020)

Korrespondenzadresse

Dr. med. Simon Schwill

Universitätsklinikum Heidelberg

Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung

Im Neuenheimer Feld 130.3

69120 Heidelberg

simon.schwill@med.uni-heidelberg.de

Dr. med. Simon Schwill …

… ist Sprecher des Arbeitskreises Train-the-Trainer und stellvertretender Sektionssprecher der Sektion Weiterbildung der DEGAM. Als administrativer Leiter des Kompetenzzentrums Weiterbildung in Baden-Württemberg setzt er sich für eine Verbesserung der Qualität und Attraktivität der allgemeinmedizinischen Weiterbildung ein. Dr. Schwill ist seit Juli 2016 Leiter des Teams Weiterbildung der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg und arbeitet als angestellter Facharzt für Allgemeinmedizin in einer Hausarztpraxis in Mannheim.


(Stand: 03.05.2021)

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