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Pädiatrie in der Hausarztpraxis

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Rolf Thelen

Die Kinderheilkunde ist seit jeher integraler Bestandteil der Hausarzttätigkeit. Daran hat sich auch in Zeiten einer zunehmenden Spezialisierung nichts geändert. Das duale Versorgungssystem aus Pädiatern und Hausärzten für Säuglinge, Kinder und Jugendliche in Deutschland hat sich bewährt und wird auf absehbare Zeit auch Bestand haben. Mehr als 12 Millionen pädiatrische Patienten können nicht flächendeckend von etwa 6.000 Pädiatern alleine versorgt werden. Den hohen Versorgungsbedarf durch Hausärzte zeigt auch der BARMER-GEK-Arztreport 2012. In ihm wird dokumentiert, dass Kinder spätestens ab dem 13. Lebensjahr häufiger den Hausarzt als den Pädiater aufsuchen.

Dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, ist eine triviale Feststellung. Gelenkschmerzen bei Kindern werden in der Hausarztpraxis selbstverständlich differenzialdiagnostisch anders bewertet als bei einem Erwachsenen. Durch Ausbildung, Fortbildung und Erfahrung auf pädiatrischem Gebiet haben die Hausärzte immer einen wesentlichen Beitrag zur sehr guten medizinischen Versorgung der Kinder geleistet. Standen früher die Behandlung von Infekten, die Durchführung von Vorsorgen und Impfungen deutlich im Vordergrund, sind in den letzten Jahren neue Behandlungsschwerpunkte in der Pädiatrie hinzugekommen. Verhaltensauffälligkeiten, soziale Integrationsprobleme, familiäre Konfliktsituationen – sozialpädiatrische Fragestellungen im weitesten Sinne – werden in der Sprechstunde zunehmend thematisiert. Gerade hier kann der Hausarzt als Familienmediziner wertvolle Hilfe leisten. Er kennt die Familie und das soziale Umfeld der Kinder und Jugendlichen, er behandelt nicht selten auch die Eltern, Großeltern und Geschwister der betroffenen Patienten. Der Kontakt zu Kindergärtnerinnen und Lehrern am Ort, das Gespräch mit Sozialarbeitern und Erziehungsberatungsstellen sind unschätzbare Vorteile einer wohnortnahen, flächendeckenden Versorgung durch Hausärzte.

Ein weiteres umfangreiches medizinisches Problem der Zukunft wird ohne Hausärzte nicht zu lösen sein. Die Transitionsmedizin, definiert als Übergangsprozess chronisch kranker Jugendlicher ins Erwachsenenalter, stellt die Primärversorger vor ganz neue Aufgaben. Durch den medizinischen Fortschritt erreichen immer mehr chronisch kranke Kinder (angeborene Herzfehler, Stoffwechselerkrankungen etc.) das Erwachsenenalter. Der Betreuungsprozess dieser Patientenklientel muss medizinisch, strukturell und patientenindividuell organisiert werden. Im Zentrum einer dringend notwendigen Koordination stehen hier der niedergelassene Pädiater und der Hausarzt. Sie müssen dafür sorgen, dass die hausärztliche Ebene eng mit den Fachdisziplinen, z.B. Kinderkardiologen und Erwachsenenkardiologen kooperieren, um sog. „Lost-to-follow-up“-Fälle zu vermeiden. Etwa 30 % der chronisch kranken Jugendlichen schaffen in unserem Gesundheitssystem nicht den nahtlosen Übergang von der pädiatrischen in die Erwachsenenmedizin.

Um die pädiatrische Expertise der Hausärzte auf medizinischem und gesundheitspolitischem Gebiet zu stärken, hat die Vertreterversammlung des Deutschen Hausärzteverbandes im Dezember 2012 die Gründung eines Ausschusses für Pädiatrische Versorgung beschlossen. In ihm sind pädiatrisch interessierte Kolleginnen und Kollegen tätig, die den Vorstand des Hausärzteverbandes und die Vertreterversammlung bei pädiatrischen Fragestellungen beraten und vertreten. Die Öffnung von pädiatrischen Sonderverträgen des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte mit verschiedenen Krankenkassen auch für Hausärzte, die Gleichstellung von Hausärzten mit Pädiatern im EBM bei der Abrechnung sozialpädiatrischer Leistungen (GOÄ-Ziffern 04355 und 04356) sind solche berufspolitischen Schwerpunkte der Ausschussarbeit. Auf dem Gebiet der Fortbildung zu pädiatrischen Themen arbeiten die Ausschussmitglieder als Autoren und Referenten pädiatrischer Module (Asthma im Kindesalter, Impfungen bei Kindern und Jugendlichen, das fiebernde Kind, Vorsorgen von U7a bis J2, Enuresis) eng mit dem Institut für hausärztliche Fortbildung (IhF) zusammen. Das Hausarzt-Sonderheft vom 20.03.2015 „Hausärztliche Praxis ist Familienmedizin“ wurde vom Ausschuss als Fortbildungs- und Nachschlagmanual erstellt. Kontakte zur Fachgesellschaft der Hausärzte, der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) verbreitern die Basis der hausärztlich-pädiatrischen Kompetenz.

Wir Hausärzte müssen uns mit pädiatrischen Themen beschäftigen. Das sind wir unseren zahlreichen kleinen und jungen Patienten schuldig. Berufspolitisch und medizinisch ist der Deutsche Hausärzteverband da gut aufgestellt und bietet seinen Mitgliedern die notwendige Unterstützung für den Praxisalltag.

Kontaktadresse des Ausschusses für Pädiatrische Versorgung im Deutschen Hausärzteverband:

dr.rolf.thelen@t-online.de

Sprecher des Ausschusses „Pädiatrische Versorgung“ im Deutschen Hausärzteverband


(Stand: 16.06.2015)

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