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MSD setzt italienischen Gesundheitsbeamten unter Druck

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Alberto Donizelli, in der Mailänder Behörde für öffentliches Gesundheitswesen u.a. für evidenzbasierte Medizin verantwortlich, staunte nicht schlecht, als er im Februar einen Brief von MSD Italien erhielt. In dem von der medizinischen Direktorin, Patrizia Nardini und dem Chefjustiziar von MSD unterzeichneten Schreiben werden Donizelli schwere professionelle Fehlhandlungen und eine Verletzung der Grundsätze medizinischer Ethik vorgeworfen und ein Rechtsverfahren mit Strafzahlung von 1,3 Millionen Euro angedroht. Eine Kopie ging an den Generaldirektor der Behörde und an den Präsidenten der Mailänder Ärztekammer, Roberto Carlo Rossi.

Das Vergehen von Donizelli war aber auch im wahrsten Sinne kriminell: Er hatte an die Hausärzte der Region einen Text verschickt, in dem er die fehlenden wissenschaftlichen Belege für den cholesterinsenkenden Einsatz von Ezetimib (Ezetrol®) aufführte und den Kolleg/Innen von der Verordnung dieses Arzneimittels abriet.

Trotz der Antwort von Rossi an MSD, in der er sich mit extensiver Begründung voll hinter seinen Kollegen stellte, wiederholte MSD seine Drohung im Mai, woraufhin Donizelli den Text „bis zur Klärung“ von der Webseite der Behörde entfernte.

Nach der Veröffentlichung des Falles im BMJ vollzog MSD eine Kehrtwendung. In einem Schreiben an die Zeitschrift im Juli bedauerte das Unternehmen die Einschüchterungstaktik seiner italienischen Niederlassung und bezeichnete die Affäre (fälschlicherweise) als „isoliertes Vorkommnis“. Am selben Tag sandte die regionale Gesundheitsbehörde der Lombardei einen Brief an alle seine Beamten und Apotheker mit der Information, dass „ein klarer Nutzen von Ezetimib im Sinne einer verminderten kardiovaskulären Morbidität und Mortalität nie gezeigt werden konnte“.

MSD Italy is criticised for threatening legal action over prescription advice to GPs. BMJ 2014; 349: g4441

MSD “regrets” tactics used to silence doctor over prescription advice. BMJ 2014; 349: g4599


(Stand: 16.06.2015)

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