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Der 8. Professionalisierungskurs der DEGAM – eine Wegbeschreibung

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Marco Roos, Susanne Döpfmer, Tom Brandhuber

Wie kommt man zu einem Professionalisierungskurs? Wer sich eine Wegbeschreibung wünscht, sollte hier weiterlesen …

„Anders als von üblichen Fortbildungsveranstaltungen gewohnt basiert der Professionalisierungskurs auf dem Prinzip, dass die KursteilnehmerInnen die Fortbildungseinheiten selbst planen und gestalten. Dies ermöglicht die Themenfokussierung auf die speziellen Interessen der TeilnehmerInnen und fördert einen aktiven Lernprozess sowie Kreativität und interinstitutionelle Zusammenarbeit. Ziel ist es, neben dem Erwerb theoretischer Grundlagen und praktischer Fertigkeiten Kontakte zu knüpfen und Impulse für die eigene praktische und universitäre Arbeit zu bekommen“ [1].

Seit 1999 werden alle zwei Jahre Ärzte innerhalb der DEGAM eingeladen, eine Bewerbung für den zukünftigen Professionalisierungskurs abzugeben. 2016 ist es wieder soweit – auch Sie können sich bewerben. Danach müssen Sie erst einmal warten, ob Sie angenommen werden. Wenn alles klappt, fahren Sie als neuer Teilnehmer zum nächsten DEGAM-Kongress, um sich dort mit Kollegen zu treffen, die Sie in aller Regel bislang nicht kannten. Sie nehmen an einer sogenannten Staffelübergabe teil und werden mit dieser Gruppe in den kommenden beiden Jahren gemeinsam Neuland entdecken.

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ (Karl Valentin)

Wie Ihr Professionalisierungskurs sich entwickeln wird, können wir nicht voraussagen. Aber wir können Ihnen berichten, wie wir unsere beiden Jahre im Professionalisierungskurs 8 erlebt haben.

In unserem Kurs fanden sich sowohl junge als auch erfahrene Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Teilen Deutschlands (in eigener Praxis, Weiterbildung zum Facharzt Allgemeinmedizin, wissenschaftliche Mitarbeiter eines Instituts für Allgemeinmedizin). Uns alle verband Lehrerfahrung mit Studierenden, Assoziation mit einem Institut für Allgemeinmedizin oder auch eine Ausbildung als Moderator eines Qualitätszirkels. Und: Wir alle hatten Lust, miteinander das wissenschaftliche Arbeiten zu üben.

Unser bisheriger gemeinsamer Weg

Der Beginn dieses gemeinsamen Weges war der DEGAM-Kongress 2014 in Hamburg. Dort übernahmen wir den Staffelstab von sehr netten Kollegen des siebten Professionalisierungskurses. Sie gaben uns eine Einführung in die Gruppentheorie nach dem Phasenmodell von Tuckman (Forming, Storming, Norming, Performing; teamentwicklung-lab.de/tuckman-phasenmodell).

Innerhalb des ersten Vormittages hatten wir uns dann auf die Orte geeinigt, an denen wir uns in den nächsten beiden Jahren treffen und arbeiten wollten. Ungefähre Daten im Kalender konnten wir auch bereits festlegen. Das war dann aber auch schon alles! Ein Gruppenfoto zur Erinnerung, und wir kehrten in alle Himmelsrichtungen Deutschlands zurück.

Für die ersten gemeinsamen Schritte trafen wir uns in Witten. Schon vor diesem ersten Arbeitswochenende hatten wir von dem einen oder anderen gehört, der ausgeschieden war. Wir alle reisten mit gemischten Gefühlen an. Bereits zu Beginn entwickelte sich der spezielle Stil unseres Kurses: Unterbringung in einem einfachen Wohnheim anstelle eines Sterne-Hotels (wir nennen es das „Wittenfeeling“) und gemeinsame Essen an ausgesprochen netten Orten mit interessantem Abendprogramm. Bereits in Witten fanden wir eine gemeinsame Agenda. Für uns war es wichtig, praxisbezogene Fragestellungen, die uns unter den Nägeln brannten, mit wissenschaftlicher Methodik anzugehen („Praxis trifft Wissenschaft“). Hier profitierten wir sehr vom Input der universitären Kollegen, die ihrerseits das praxisbezogene Wissen und die dabei entstehenden und für uns alle interessanten Fragen schätzten.

Wir haben im Laufe der gemeinsamen Arbeit so viele Ideen entwickelt, dass wir manchmal fast unseren Weg verloren hätten. Letztlich arbeiteten wir in zwei Kleingruppen an unterschiedlichen Themen und gaben uns wechselseitig kollegiale Unterstützung. Eine dieser Kleingruppen war eine Gruppe ausschließlich männlicher Kollegen, die uns interessante Einblicke in Arbeitsweisen und Gruppendynamik aufzeigte. Der Wechsel zwischen Kleingruppenarbeit und kollegialer Diskussion im Plenum ergab einen weiteren wichtigen Aspekt für unsere Arbeit. Eine Teilnehmerin brachte es auf den Punkt: „Im Laufe des gemeinsamen Arbeitens wurden wir immer konstruktiver und das, was am Anfang so verwirrend viel zu sein schien, wurde allmählich immer strukturierter und besser zu bewältigen.“

Wir sind zusammengewachsen und zu guten Bekannten und Freunden geworden. Wir sind vernetzt, lernten uns mehr und mehr schätzen und haben neben der Arbeit an unseren Projekten auch in unserer knappen, gemeinsamen Freizeit viel Spaß. Höhepunkte dieser Freizeitaktivitäten waren z.B. der gemeinsame Besuch der JADE-Veranstaltung in Bozen, das Herstellen von Nürnberger Würstchen und schwäbischem Kartoffelsalat in Nürnberg, das Abendessen in Berlin mit Blick auf Mauerreste und Wasseridyll oder die sportliche Nachtwanderung zur Kasseler Wilhelmshöhe (10 km und 50 Stockwerke ...). Und auch hier wählten wir wieder unser Domizil im „Christlichen Verein Junger Menschen“ – Wittenfeeling eben!

Die letzten Meilen

Die für das Zertifikat geforderte einwöchige Hospitation bei einem Hausarzt im Ausland ist zum jetzigen Zeitpunkt bereits von einigen Teilnehmern der Gruppe durchlaufen worden, die Spannendes und Unerwartetes berichteten – die Planung und das Knüpfen entsprechender Kontakte waren dabei nicht immer einfach. Manche Vermittlung kam schließlich durch die Unterstützung des Vasco-da-Gama-Projekts zustande. Wir würden uns wünschen, dass es über jeden unserer Auslandsaufenthalte einen Bericht z.B. in der ZFA geben könnte. Gedacht ist an eine lose Reihe von Artikeln unter dem Motto „was macht eigentlich der Kollege in ...”.

Unser offizieller gemeinsamer Weg neigt sich seinem Ende zu. Zurzeit arbeiten wir daran, unsere Projekte auf dem fünfzigsten DEGAM-Kongress in Frankfurt zu präsentieren. Dort werden wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge den Staffelstab an den 9. Professionalisierungskurs weitergeben. Wir hoffen auf eine neue Gruppe mit engagierten jungen und alten, wissenschaftlich und praktisch arbeitenden Kollegen aus allen Ecken der Republik, die sich wie wir auf diese interessante und persönlich bereichernde Arbeit einlassen wollen.

Korrespondenzadresse

Dr. Birgitt Weinhold

Haupstraße 14

93464 Tiefenbach

Tel.: 09673 91133

Birgitt.Weinhold@googlemail.com

Literatur

1. www.degam.de/professionalisierungs-kurs.html (letzter Zugriff am 18.05.2016)

Abbildungen:

Abbildung Der 8. Professionalisierungskurs in einem Hörsaal der Charité


(Stand: 15.06.2016)

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