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Title - Das ist Englisch, wo erscheint es?

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Sie haben richtig gelesen: Die Rede ist hier nicht von dem alten englischen Sprichwort mit dem vitaminreichen Apfel, sondern von den Auswirkungen der digitalen Revolution, die uns Tag für Tag mit mehr oder wenige hilfreichen Gesundheits-Apps beglückt. Doch dazu später.

Vom 23.–26. Mai d. J. fand in Freiburg der 120. Deutsche Ärztetag statt. Für Südbaden typisch war das Wetter: Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein von der ersten bis zur letzten Minute. Auf der Agenda standen relevante Themen, u.a.

Digitalisierung im Gesundheitswesen

GOÄ neu und

die Novellierung der (Muster-) Weiterbildungsordnung.

Der „Internet- Guru“ Sascha Lobo stellte in seinem Eingangsreferat klar, dass nicht neue Technologien die Welt verändern, sondern die Art wie Menschen diese nutzen und damit umgehen. Überzeugt in einer Zeit des exponentiellen Fortschritts zu leben, zeigt er sich dennoch erstaunt, dass die Datenbegeisterung der Menschen offenbar keine Grenzen kenne. Wie anders wäre es zu erklären, dass Nutzer auf www.hulahq.com Testergebnisse für Geschlechtskrankheiten hochladen und „mit Freunden“ teilen könnten. Da mag die Google- App nahezu harmlos erscheinen, die anhand des Fotos einer Mahlzeit deren Kalorienzahl errechnet. Daten übrigens, für die sich die „Abnehmindustrie“ brennend interessiert.

Ein Jahr nach Ablehnung einer Zulassung durch die FDA nehmen der Hersteller Otsuka und das Technologieunternehmen Proteus Digital Health einen neuen Anlauf das mit Nanotechnologie bestückte Antipsychotikum Abilify auf den Markt zu bringen. Sensoren, die auf Magensäure reagieren, liefern dem Patienten, Pflegepersonal, Ärzten (und wem sonst noch?) Aufschluss darüber, ob die Pille wirklich geschluckt wurde. Eine weitere Ansage mit Gruseleffekt: Ray Kurzweil (der Name ist Programm), der Leiter der technischen Entwicklung bei Google ist der festen Überzeugung, dass in 15 Jahren die Menschen bereit sind, sich Nanoroboter in ihr Gehirn implantieren zu lassen, um fest und zu jeder Zeit mit dem Internet verbunden zu sein. Die Feststellung Lobos, dass ein Großteil der Vorhersagen Kurzweils Wirklichkeit geworden seien, sehe ich eher als schwachen Trost, dass er sich diesmal irren möge. Lobos Fazit war, dass in einer Zeit, in der immer mehr Datenströme tief in die Kompetenz von Ärztinnen und Ärzten eingreifen würden auch digitale Kompetenz als gesellschaftliche Aufgabe der Ärzteschaft zugewiesen werden müsse. Digitalisierung in der Medizin könne nicht „kleingehofft“ oder abgewehrt, sondern müsse aktiv mitgestaltet werden.

Die Professorin für Ethik und Theorie der Medizin an der Universität zu Köln, Christiane Woopen sieht in Daten „die neue Währung unserer Zeit“ und beklagte, dass das Individuum immer durchsichtiger, die technische Umgebung jedoch immer undurchsichtiger würde. Sie forderte „ethische Leitplanken“ wie das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit gemäß der eigenen Ansicht und Präferenzen, das Anrecht auf Informiertheit im Sinne der informationellen Selbstbestimmung, die Ausgestaltung einer Präferenzen- und Wertehierarchie sowie die partizipative Einbeziehung der Patienten in den gesamten Behandlungsprozess.

Die Diskussion zu diesem Themenbereich war auf früheren Ärztetagen oft emotional und von fundamental gegensätzlichen Meinungen geprägt. Jetzt war sie sachlicher und auch deutlich gelassener, möglicherweise vor dem Hintergrund, dass eines der wenigen konkreten Ergebnisse des 2016 beschlossenen E-Health-Gesetzes der bundeseinheitliche Medikationsplan ist ... auf Papier.

Ich wünsche Ihnen sonnige Sommertage und eine entspannte Lektüre ... nicht nur mit der ZFA.

Herzlich Ihr


(Stand: 19.06.2017)

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