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Labor statt Klinik? Bestimmung des CRP bei Atemwegsinfekten in der Hausarztpraxis

DOI: 10.3238/zfa.2018.0276-0281

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Ilja Karl, Hanna Kaduszkiewicz

Schlüsselwörter: Antibiotikaverordnungen Atemwegsinfekte C-reaktives Protein Point-of-Care-Test

Hintergrund: Seit Februar 2018 können Haus- und Kinderärzte in Sachsen-Anhalt, die an der Hausarztzentrierten Versorgung teilnehmen, bei Patienten mit Infektionen der oberen Atemwege einen CRP-Schnelltest zusätzlich abrechnen. Ziel ist die Reduktion unnötiger Antibiotikaverordnungen. In dieser Arbeit soll die wissenschaftliche Grundlage dieser Intervention untersucht werden.

Methoden: Suche in der Cochrane Library und in PubMed nach kontrollierten klinischen Studien (RCTs) und systematischen Übersichtsarbeiten mit folgender Fragestellung: Führt bei hausärztlichen Patientinnen und Patienten mit oberem Atemwegsinfekt die CRP-Messung im Vergleich zur Regelversorgung zu einer Reduktion der Antibiotikaverordnungen? Die DEGAM-Leitlinien „Ohrenschmerzen“, „Rhinosinusitis“ und „Halsschmerzen“ wurden bezüglich Empfehlungen zur CRP-Messung und zur Verordnung von Antibiotika analysiert.

Ergebnisse: Es zeigte sich eine moderate Evidenz für die Reduktion von Antibiotikaverordnungen bei oberen und unteren Atemwegsinfekten durch quantitative CRP-Messung. Das Ausmaß des Effektes ist uneinheitlich. Die Studien unterscheiden sich hinsichtlich Erkrankungsspektrum, Training der Ärztinnen und Ärzte sowie CRP-Grenzwerten. Patienten in den jeweiligen CRP-Studienarmen zeigten trotz geringerer Antibiotikaverordnungen keine Unterschiede im Verlauf ihrer Erkrankung. In den drei DEGAM-Leitlinien werden CRP-Messung und Antibiotikaverordnung nur unter besonderen Umständen empfohlen.

Schlussfolgerungen: Die in Sachsen-Anhalt neue Vergütung der CRP-Messung sollte wie folgt konkretisiert werden: Einsatz quantitativer CRP-Tests bei oberen und unteren Atemwegsinfekten, verbunden mit Schulungen der Ärztinnen und Ärzte zur leitliniengerechten Diagnostik und Therapie und speziell zu CRP-Grenzwerten bei Kindern und Erwachsenen. Eine wissenschaftliche Untersuchung dieser Effekte erscheint notwendig.

1 Niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin in Arendsee/Altmark 2 Institut für Allgemeinmedizin, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Peer-reviewed article eingereicht: 02.04.2018, akzeptiert: 11.05.2018 DOI 10.3238/zfa.2018.0276–0281

Hintergrund

Antibiotikaresistenzen sind eine wachsende Herausforderung für das Gesundheitswesen. Es werden zwei Grundlagen für die Resistenzentwicklung angenommen:

  • Das Vorhandensein resistenter Stämme und übertragbarer Resistenzgene sowie
  • der durch...

(Stand: 29.06.2018)

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