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Ingendae F, Steinhäuser J, Blank W, Chenot JF. Weiterbildung Allgemeinmedizin? Eine Entscheidungshilfe 2.0. Z Allg Med 2018; 94: 86–90

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Andreas Klement, Freya Ingendae

Leserbrief von Prof. Dr. Andreas Klement

Klare Fakten zum Einkommen

Der Autorengruppe ist für eine aktuelle und gut lesbare Hilfe zur Entscheidung über die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin zu danken. Die Entscheidungshilfe würde sich gut mit dem Logo der DEGAM als Flyer oder Handout in öffentlichen Informationsveranstaltungen verwenden lassen (analog den „Zukunftspositionen“).

Im Abschnitt „Einkommen“ allerdings entsteht für die Zielgruppe der Entscheidungshilfe eine Begriffsverwirrung, die zu unrealistischen Erwartungen führen kann. So wird der Begriff „Jahreseinkommen“ aus einer Praxistätigkeit von 187 T Euro verglichen mit dem „Einkommen (...) der Durchschnittsbevölkerung“ und dem „Gehalt der angestellten Fachärzte im klinischen Bereich“. Hier sollte analog der Berichterstattung der KBV mittels ZI-Praxis-Panel (ZiPP) besser unterschieden werden zwischen „Praxiseinnahmen“ und „Jahresüberschuss“ (Gewinn vor Steuern und Abgaben) [1].

Zwischen diesen beiden Größen stehen nämlich die Praxiskosten („Aufwendungen“), die von den Praxiseinnahmen abzuziehen sind. Im Mittel liegen diese in der Allgemeinmedizin pro Inhaber bei ca. 45 % der Praxiseinnahmen. Für 2014 ermittelte das ZiPP Durchschnittswerte pro Praxisinhaber von rund 130 T Euro Kosten und 160 T Euro Überschuss [1]. Der Überschuss ist aber nicht zu verwechseln mit dem „verfügbaren Einkommen“, da es sich um das „Arbeitgeber-Brutto“ handelt. Vom Brutto sind die Ausgaben für Versicherungen (Rente, Pflege, Gesundheit, Leben und Berufsunfähigkeit) und Steuern abzuziehen. Aus einem Überschuss von 160 T Euro errechnet sich ohne Ehegatte, Kinder und Kirche nach Einkommensteuer-Grundtabelle (Steuersatz 36–42  %) ein verfügbares Einkommen (netto) von ca. 100 T Euro. Was in etwa dem Niveau des Referenzwertes „Oberarzt im Krankenhaus“ entspricht. Nicht weniger – aber auch nicht (viel) mehr [2].

Die Autoren präsentieren viele klare Argumente für eine Weiterbildung in der Allgemeinmedizin – die Argumentation im Hinblick auf das Einkommen sollte genauso klar werden.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Andreas Klement

Leiter Sektion Allgemeinmedizin

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Magdeburger Str. 18, 06112 Halle (Saale)

Tel.: 0345 557-5339

andreas.klement@medizin.uni-halle.de

Literatur

1. Kassenärztliche Bundesvereinigung. ZiPP-Jahresbericht 2015 Tabellensammlung. www.kbv.de/html/1150_ 26790.php (letzter Zugriff am 02.05.2018)

2. Korzilius H. Ärzte erzielen höhere Einkommen. Dtsch Arztebl 2017; 114: A243–5. www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=186261 (letzter Zugriff am 02.05.2018)

Antwort von Freya Ingendae

Besten Dank an Prof. Klement für seinen hilfreichen Kommentar bezüglich der Begrifflichkeiten rund um das Thema Einkommensverhältnisse von Hausärzten im niedergelassenen Bereich!

Der von uns verwendete Begriff „Jahreseinkommen“ könnte möglicherweise beim Leser zu Verwirrung führen. An dieser Stelle sind, wie treffend im Leserbrief beschrieben wurde, die Gesamteinnahmen einer Praxis gemeint. Aus Zeichengründen haben wir uns entschieden, auf eine feiner granulierte Übersicht im Manuskript zu verzichten und daher u.a. auf eine Quelle vom Statistischen Bundesamt zum Thema „Einnahmen, Aufwendungen und Reinertrag bei Arztpraxen (...)“, sowie auf einen interaktiven Verdienst-Kalkulator verwiesen [1–3]. Letzterer bietet die Option detailliertere Einkommensparameter, wie die Betriebskosten, zu verstellen und so ihre Bedeutung näher zu bringen. Die Darstellung der Einkommensverhältnisse durch Prof. Klement ist daher eine gelungene Ergänzung der bestehenden Ausführungen.

Deutlich wird, wie wichtig es ist, nachrückenden Ärzten diese Begrifflichkeiten nahe zu bringen [4]. Ein besseres Verständnis zu Themen rund um Praxiseinnahmen und -kosten sowie mögliche Einflussfaktoren könnte hier ermutigend wirken. Wir begrüßen daher, dass im Rahmen der Schulungsveranstaltungen einiger Kompetenzzentren Weiterbildung Allgemeinmedizin hierzu bereits Seminare stattfinden, durch die Ärzte in Weiterbildung u.a. auch Wissen und Fertigkeiten im Bereich Praxismanagement und Kalkulation erlernen können [5].

Korrespondenzadresse

Freya Ingendae

Ärztin in Weiterbildung

Institut für Allgemeinmedizin

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Ratzeburger Allee 160, Haus 50

23538 Lübeck

Tel.: 0451 31018006

f.ingendae@uni-luebeck.de

Literatur

1. www.destatis.de/DE/Publikationen/ Thematisch/DienstleistungenFinanzdienstleistungen/KostenStruktur/ KostenstrukturAerzte2020161159004. pdf?__blob=publicationFile (letzter Zugriff am 15.05.2018)

2. www.praktischarzt.de/arzt/gehalt-arzt/ (letzter Zugriff am 15.05.2018)

3. www.perspektive-hausarzt-bw.de/berufseinsteiger/geld-und-finanzen/verdienstkalkulator/ (letzter Zugriff am 15.05.2018)

4. Kohlhaas A, Leibner M, Binder T, Schütz J, Zwierlein R, Steinhäuser J. Praxismanagement spielerisch lernen – welche Inhalte sollen unbedingt vermittelt werden? Z Allg Med 2018; 94: 29–34

5. Flum E, Magez J, Aluttis F, et al. Das Schulungsprogramm der Verbundweiterbildungplus Baden-Württemberg: Entwicklung und Implikationen für die Implementierung von Verbundweiterbildungsprogrammen in Deutschland. ZEFQ 2016; 112: 54–60


(Stand: 29.06.2018)

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