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Informationen zur rationalen Arzneitherapie in der hausärztlichen Praxis

DOI: 10.1055/s-2006-933552

Informationen zur rationalen Arzneitherapie in der hausärztlichen Praxis

M. M. Kochen1 W. Niebling2 Informationen zur rationalen Arzneitherapie in der hausärztlichen Praxis Informations on Rational Pharmacotherapy in General Practice Versorgung Medizinische, ökonomische und politische Entwicklungen der letzten Zeit (u. a. die im vergangenen Jahr um 16 % gestiegenen Arzneimittelkosten und das gültige Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeits-Gesetz AVWG [1]) machen aus Sicht der Autoren eine Rückbesinnung auf Prinzipien der rationalen Pharmakotherapie im hausärztlichen Arbeitsbereich notwendig. Rationale Pharmakotherapie [2] umfasst u. a. die Reflexion der eigenen Verordnungen mit Nutzung eines überschaubaren Arzneimittelrepertoires (Individualliste), den kritischen Umgang mit Aussagen pharmazeutischer Unternehmen sowie die regelmäßige Lektüre unabhängiger Informationen. Bei der Anwendung dieser Grundsätze in der täglichen Praxis sollte man möglichst keine Präparate verordnen, deren Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist, die ein hohes Abhängigkeitspotenzial aufweisen oder nicht sinnvoll zusammengesetzt sind. Wann immer möglich, sollten erprobte, nebenwirkungsarme Medikamente zum Einsatz kommen. Insbesondere der Paragraph 12 des SGB V besagt eindeutig, Arzneimittel auch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu verordnen (und – wann immer möglich – auf kostengünstige Generika zurückzugreifen). Es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass die Behandlung mit Generika im Vergleich zu Originalpräparaten Qualitätseinbußen zur Folge hätte [3]. In einer Artikelserie, deren erste Folge im Anschluss an diesen Text erscheint, möchten wir bestimmte Aspekte hausärztlicher Arzneiverordnungen behandeln, die in besonderer Weise das Verhältnis von Kosten zu wissenschaftlich nachgewiesenem Nutzen berühren. Die Struktur der Texte ist weitgehend identisch (1. Wirksamkeit; 2. Wirtschaftliche Verordnungsweise; 3. Empfehlungen; 4. Literatur – mit Beschränkung auf wenige, autoritative Quellen; 5. Übersichtstabellen mit Handelspräparaten, zugelassenen Indikationen, DDDs1 und Kosten). Bei stark limitiertem Platz verzichten die Artikel bewusst auf Vollständigkeit (z. B. fehlen Hinweise auf Kontraindikationen oder unerwünschte Wirkungen; Studien werden nicht ausführlich erläutert – hier wird auf die Literatur verwiesen) und konzentrieren sich auf die im hausärztlichen Alltag essenziellen Informationen. Sie verfolgen das Ziel, die Kolleginnen und Kollegen bei einer wichtigen allgemeinmedizinischen Tätigkeit zu unterstützen, die durch steigende Verordnungskosten und fallende hausärztliche Honorare gekennzeichnet ist. Diesen Entwicklungen, die nach unserer Überzeugung eng miteinander zusammenhängen, wollen wir entgegenwirken. Literatur 1 www.die-gesundheitsreform.de/presse/pressethemen/avwg/pdf/gesetz_AVWG.pdf (1.6.06). 2 Kochen MM. Umgang mit Arzneimitteln. In: Kochen MM (Hrsg). Allgemeinmedizin und Familienmedizin (Duale Reihe). 3. Aufl. Thieme, Stuttgart 2006; 75–96 3 Simmenroth-Nayda A, Niebling W, Bjerre LM, et al. Empfehlungen zur Umstellung von Originalpräparaten auf Generika. Z Allg Med 2002; 78: 284 – 286 4 www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/downloadcenter/atcddd/version 2006/atc-ddd_amtlich_2006.pdf (1.6.06). 287 1 Die DDD [4] (defined daily dose) ist die angenommene mittlere tägliche Erhaltungsdosis für die Hauptindikation eines Arzneimittels bei Erwachsenen (und keine Dosierungsempfehlung für den Einzelfall). Die Autoren danken herzlich Frau Magda Geldmacher, Leiterin der AG Verordnungscontrolling beim MDK Baden-Württemberg für die Zurverfügungstellung der Daten. Institutsangaben Abt. Allgemeinmedizin der Georg-August-Universität Göttingen 2 Lehrbereich Allgemeinmedizin der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 1 Korrespondenzadresse Prof. Dr. med. Michael M. Kochen, MPH, FRCGP · Abt. Allgemeinmedizin · Georg-August-Universität · Humboldtallee 38 · 37073 Göttingen · E-mail: mkochen@gwdg.de Prof. Dr. med. Wilhelm Niebling · Lehrbereich Allgemeinmedizin · Albert-Ludwigs-Universität · Elsässer Str. 2 m, Haus 1 A · 79110 Freiburg · E-mail: wniebling@t-online.de Bibliografie Z Allg Med 2006; 82: 287 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York DOI 10.1055/s-2006-933552 ISSN 0014-336251


(Stand: 07.07.2006)

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