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Anteil wiederbehandelter Patienten in gebietsärztlichen Praxen Mecklenburg-Vorpommerns

DOI: 10.1055/s-2008-1081215

Anteil wiederbehandelter Patienten in gebietsärztlichen Praxen Mecklenburg-Vorpommerns

286 Originalarbeit Anteil wiederbehandelter Patienten in gebietsärztlichen Praxen Mecklenburg-Vorpommerns Rate of Patients with Follow-Up Appointments in Specialist Practices in Mecklenburg-Vorpommern Autor Institut D. Kreye Praxis für Allgemeinmedizin, Physikalische Therapie und Balneologie, Neubrandenburg Schlüsselwörter Wiederbehandlungsanteil Gebietsarztpraxen Key words rate of after-treatments continuous care-specialists Zusammenfassung & Fragestellung: In welchem Ausmaß werden Patienten regelmäßig von Fachärzten gesehen? Methode: Untersucht wird der Wiederbehandlungsanteil in gebietsärztlichen Praxen ausgewählter Fachrichtungen im Bereich der KV Mecklenburg-Vorpommern im 4. Quartal 2006. Dazu werden auf Patienten- und Arztebene die Quartalsstatistiken von fünf aufeinander folgenden Quartalen herangezogen. Ergebnis: 60–80 % der Patienten von Gebietsarztpraxen sind dort bereits mindestens einmal in einem der vier Vorquartale gesehen worden. Zusammenfassung: Wie eine derart hohe Rate von Wiederbehandlungsfällen bei gleichzeitig langen Wartelisten in den Facharztpraxen und einer parallel dazu ansteigenden Überversorgung – gemessen an der Gesamtzahl der Praxen pro Einwohner – zu verstehen ist, muss weiteren klärenden Untersuchungen überlassen bleiben. Für Hypothesen dazu gibt es Hinweise, da die Wartezeiten in Hausarztpraxen nicht zunehmen. Abstract & Background: Patients insured with statutory health insurance schemes face longer waiting times for specialist appointments than previously, even though the number of specialist physicians is rising. To determine the reasons, the study investigates the percentage of follow-up appointments in specialist practices. Methods: Based on the quarterly statistics of patients and physicians in the statutory health insurance system over ?ve consecutive quarters, the percentage of follow-up appointments in the 4th quarter of 2006 is determined. Results: In any of the specialist practices, 60– 80% of patients had been seen there before at least once during one of the four previous quarters. Conclusion: It needs further studies to explain this high rate of re-appointments with specialists – especially because the number of specialists is steadily increasing as well as their waiting lists are doing. Background for hypothesis could be that the time to get an appointment with a General practitioner is no real problem. Peer reviewed article eingereicht: 29.05.2008 akzeptiert: 10.06.2008 Bibliogra?e DOI 10.1055/s-2008-1081215 Z Allg Med 2008; 84: 286–288 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 1433-6251 Korrespondenzadresse Dr. D. Kreye Allgemeinmedizin Physikalische Therapie u. Balneologie Ziegelbergstr. 15 17033 Neubrandenburg dr.dieter.kreye@t-online.de Einleitung & Steigende Wartezeiten auf Termine zu gebietsärztlichen Konsultationen insbesondere für gesetzlich Krankenversicherte geraten zunehmend in die öffentliche Kritik. Angesichts wachsender Arztzahlen und einer nach De?nition ganz überwiegend vorhandenen Überversorgung stellt sich die Frage nach den Ursachen für eine derartige Fehlentwicklung und nach Strategien zu deren Überwindung. Material und Methoden & An Hand der Abrechnungsunterlagen der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vor- pommern wurden alle Einzel- und Gemeinschaftspraxen für Augenheilkunde, Kardiologie, Nervenheilkunde, Orthopädie, Pneumologie und Urologie (n = 248) untersucht, soweit sie in den Quartalen IV/2005 bis IV/2006 tätig waren. Fachübergreifende Gemeinschaftspraxen wurden ausgeschlossen. IV/2006 wurde als Basisquartal de?niert. Alle in diesem in den betreffenden Arztpraxen behandelten Patienten (n = 485 140) wurden dahingehend untersucht, ob sie neu oder wiederbehandelt waren. Als im Basisquartal wiederbehandelt wurden Patienten eingestuft, wenn sie – unabhängig von der Behandlungsdiagnose – in den Quartalen IV/2005 bis III/2006 bereits mindestens einmal dieselbe Praxis aufgesucht hatten. Es wurde der prozentuale Anteil der wiederbehandelten Patienten für jede einzelne Pra- Kreye D. Anteil wiederbehandelter Patienten … Z Allg Med 2008; 84: 286–288 Originalarbeit 287 Tab. 1 Wiederbehandlungshäu?gkeit in verschiedenen Fachgruppen in Stadt und Land Fachgruppe Anzahl der Praxen Durchschnitt 68,78 69,05 65,71 68,22 78,81 80,43 68,24 66,51 75,13 57,52 79,64 79,72 Wiederbehandlungshäu?gkeit in Prozent Standardabweichung 8,15 9,52 18,57 17,46 12,65 5,36 8,42 10,60 10,22 8,88 5,81 6,78 Maximum 86,77 86,41 89,25 91,27 97,43 89,74 86,72 84,73 90,23 71,91 90,74 95,09 Minimum 49,86 47,52 26,86 29,43 31,85 68,82 52,61 45,36 59,64 45,35 68,30 66,30 Augen – Stadt Augen – Land Kardiologie – Stadt Kardiologie – Land Nervenheilkunde – Stadt Nervenheilkunde – Land Orthopädie – Stadt Orthopädie – Land Pneumologie – Stadt Pneumologie – Land Urologie – Stadt Urologie – Land 45 47 14 8 31 29 39 35 11 7 25 21 100,00 90,00 80,00 70,00 60,00 50,00 40,00 30,00 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 Fälle pro Arzt 100,00 90,00 80,00 70,00 60,00 50,00 40,00 30,00 relative WBH in % relative WBH in % 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 Fälle pro Arzt Abb. 2 Nervenheilkunde – Land. WBH = Wiederbehandlungshäu?gkeit. Abb. 1 Nervenheilkunde – Stadt. WBH = Wiederbehandlungshäu?gkeit. xis berechnet und die Ergebnisse getrennt für die kreisfreien Städte Greifswald, Neubrandenburg, Rostock, Schwerin, Stralsund und Wismar – Stadt – und die übrigen Landesteile – Land – dargestellt. Weiterhin wurde die relative Wiederbehandlungshäu?gkeit (WBH) in Abhängigkeit zur Fallzahl pro Arzt untersucht. Dabei wurde die Fallzahl in den Gemeinschaftspraxen durch die zulassungsrechtlich relevante Arztzahl dieser Praxen geteilt. 100,00 95,00 90,00 85,00 80,00 75,00 70,00 65,00 60,00 800 1000 1200 1400 1600 1800 2000 2200 2400 Fälle pro Arzt relative WBH in % relative WBH in % Ergebnisse & Festgestellt wurde über alle untersuchten Fachrichtungen, dass der Anteil der wiederbehandelten Patienten in nahezu allen untersuchten Praxen zum Teil deutlich über 50 % liegt. Die Spreizung innerhalb der Fachgruppen zwischen jeweils höchstem und geringstem Anteil ist teilweise erheblich. Im Einzelnen wird auf die Tabelle ( Tab. 1) verwiesen. Exemplarisch wurden die Ergebnisse der Fachgruppen Nervenheilkunde und Urologie gra?sch dargestellt ( Abb. 1–4). Es sei auf die erhebliche Streubreite der Fallzahl bei den Nervenärzten hingewiesen. Es zeigt sich, dass keine wesentlichen Unterschiede zwischen Stadt und Land bestehen, und die Fallzahl pro Arzt keinen Ein?uss auf die Wiederbehandlungshäu?gkeit hat. Dies gilt auch für die übrigen untersuchten Fachgruppen. Abb. 3 Urologie – Stadt. WBH = Wiederbehandlungshäu?gkeit. 100,00 95,00 90,00 85,00 80,00 75,00 70,00 65,00 60,00 800 1000 1200 1400 1600 1800 2000 2200 2400 Fälle pro Arzt Urologie – Land. WBH = Wiederbehandlungshäu?gkeit. Abb. 4 Diskussion & Die Arztzahlentwicklung der letzten Jahre in Mecklenburg-Vorpommern ist gekennzeichnet durch einen Rückgang im Bereich der hausärztlichen und trotz bereits bestehender Überversor- gung weiteren Zunahme in der fachärztlichen Versorgung. Trotzdem wächst die Wartezeit auf Termine in den untersuchten Fachgebieten an, während sie in der hausärztlichen Versorgung kein wesentliches Problem darstellt. In allen untersuchten Fachgebieten beträgt der Anteil der wiederbehandelten Patienten im untersuchten Basisquartal bei der Kreye D. Anteil wiederbehandelter Patienten … Z Allg Med 2008; 84: 286–288 288 Originalarbeit übergroßen Mehrheit der Praxen – medizinisch kaum erklärbar – deutlich mehr als die Hälfte. Hierin dürfte ein Grund dafür liegen, dass neue Patienten teils erhebliche Wartezeiten auf Termine in Kauf nehmen müssen. Gespräche mit einzelnen Ärzten und in KV-Gremien lassen als Ursachen vermuten: § eine durch EBM und Honorarverteilung motiviertes Wiederbestellungsverhalten der gebietsärztlichen Praxen § durch Kontingentierung der Arzneimittelverordnung motiviertes Überweisungsverhalten der Hausärzte zur Entlastung der eigenen Verordnungsvolumina § Leitlinien sehen gebietsärztliche Kontrollen vor § hausärztlicher Kenntnisstand reicht – ggf. durch unzureichendes gebietsärztliches Coaching – nicht für zweckmäßige und ausreichende Versorgung aus § gestiegene Morbidität einer alternden Bevölkerung § Anforderungen aus DMP-Programmen Denkbar wäre auch die Weiterleitung von eigentlich hausärztlichen Betreuungsaufgaben wegen durch abnehmende Arztzahlen hervorgerufener eigener Überlastung. Da die Versorgungslücken aber im ländlichen Bereich auftreten, spricht der geringe Unterschied im Wiederbestellungsanteil zwischen Stadt und Land gegen diese Theorie. Die zum Teil erheblichen Unterschiede der Wiederbehandlungsrate innerhalb der Fachgruppen bedürfen einer weiteren Abklärung. Zum ersten Quartal 2008 hat die Vertreterversammlung der KV Mecklenburg-Vorpommern eine spezielle Kennzeichnung von Überweisungen beschlossen. Dies betrifft § sehr dringende Überweisungen § dringende Überweisungen § Überweisungen, die der Hausarzt auf Veranlassung durch den Überweisungsempfänger ausgestellt hat (Wiederbestellungen). Hieraus sollten sich weitere Aufschlüsse über die Ursachen der festgestellten Häu?gkeiten ergeben. Danksagung & Den Mitarbeitern der EDV-Abteilung der KV Mecklenburg-Vorpommern möchte ich herzlich für die rasche und komplikationslose Zuarbeit der notwendigen Daten danken. Interessenkon?ikte: Der Autor ist Hausarzt und 1. Stellvertreter der Vorsitzenden des Hausärzteverbandes Mecklenburg-Vorpommern e. V. Zur Person Dr. Dieter Kreye, 1980–1986 Medizinstudium in Greifswald 1986 Approbation, 1988 Promotion 1986–1990 Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin seit 1991 niedergelassen als Hausarzt in Neubrandenburg 2001–2004 Vorstandsmitglied der KV Mecklenburg-Vorpommern seit 2005 akademische Lehrpraxis der Ernst-Moritz-ArndtUniversität Greifswald. Kreye D. Anteil wiederbehandelter Patienten … Z Allg Med 2008; 84: 286–288


(Stand: 07.07.2008)

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