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Kommentar zum neuen SVA-Vertrag

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Christoph Dachs

Die Aufregungen um die Kündigung des SVA-Vertrags und die überraschend schnelle Einigung nach nicht ganz zwei Wochen vertragslosem Zustand sind vorüber, und man hat fast das Gefühl, es ist nichts passiert und alles geht seinen gewohnten Weg. Trotzdem wird weiter hinter den Kulissen verhandelt, man hört da und dort etwas durchklingen, viel dringt nicht nach außen.

Fakt ist, dass Reformbedarf für das gesamte Gesundheitssystem besteht. Vonseiten der SVA wird ganz intensiv das Hausarzt- / Vertrauensarztmodell, das von einer Arbeitsgruppe der ÖGAM entwickelt wurde, diskutiert. Dieses dient als Grundlage für eine Neuorientierung des Gesundheitssystems. Es freut uns natürlich, dass unsere Vorstellungen ernst genommen werden, und wir sehen dies als Auftrag, uns weiter einzubringen und die Positionen des Hausarztes zu stärken.

Wir müssen uns allerdings bewusst machen, dass die Stärkung der Hausarztposition auch mit einem Wandel unseres Aufgabenprofils einhergeht. Wir werden in Zukunft neben unserer rein medizinisch-fachlichen Tätigkeit noch mehr koordinative und psychosoziale Aufgaben übernehmen müssen. Das erfordert eine bessere Ausbildung vor allem in diesem Bereich, mehr Qualitätssicherung, mehr Vernetzung und letztendlich auch ein anderes Honorarsystem mit angemessener Bezahlung für die hausärztliche Tätigkeit.

Von den Politikern und vor allem auf Beamtenebene gibt es ein klares Bekenntnis zum Hausarzt, vor allem aus ökonomischen Gründen. Sollte die Politik wirklich auf ein qualitativ hochwertiges, patientenorientiertes und gleichzeitig kosteneffizientes System mit dem Hausarzt / Vertrauensarzt als ersten Ansprechpartner setzen, muss es Vorleistungen vonseiten der öffentlichen Geldgeber im Gesundheitssystem geben, unter anderem um endlich den Facharzt für Allgemeinmedizin zu realisieren. Falls man in diesem Bereich kurzfristig den Rotstift ansetzt, wird langfristig der gesamte Gesundheitsbereich teurer und ineffizienter werden, und die Qualität der Versorgung wird sinken (siehe internationale Vergleiche). Die kosteneffektive und patientennahe Hausarztmedizin wird sterben, wenn es für junge Kollegen nicht mehr attraktiv ist, in die Hausarztpraxis zu gehen. Und das hätte auch nicht unerhebliche Auswirkungen auf die Tätigkeit der jetzt praktizierenden Hausärzte.


(Stand: 29.05.2015)

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