Loading...

ZFA-Logo

Maternale Morbidität nach Sectio

FrageAntwort

PDF

Nora Bachofner

Wieweit unterscheiden sich die Komplikationsraten zwischen vaginaler Geburt (ohne Risikoschwangerschaften) und elektiver Sectio in den entwickelten Ländern hinsichtlich: Maternale Blutungen, thromboembolische Ereignisse und Infektionen?

Die Rate an elektiven Kaiserschnitten ist in den letzten Jahren dramatisch angestiegen. In drei großen Kohortenstudien zeigte sich ein deutlich erhöhtes Risiko für die maternale Gesamtmorbidität (2–3fach) und das Infektionsrisiko (2–4fach) nach elektiver Sectio. Das Risiko für Thromboembolien war in einer Studie ebenfalls in der Kaiserschnittgruppe um das Doppelte erhöht. Bezüglich eines Blutungsrisikos sind die Daten widersprüchlich.

Hintergrund

Die Rate an elektiven Kaiserschnitten ist in den letzten Jahren in den entwickelten Ländern dramatisch angestiegen. Gerade in den Fällen ohne offensichtliche medizinische und geburtshilfliche Indikation ist eine Abwägung der Risiken unabdingbar.

Studienevidenz

Die maternale Morbidität nach Kaiserschnitten verglichen zu vaginalen Geburten wurde in einer Reihe von Studien untersucht.

In einer Kohortenstudie von Declercq et al. (2007) wurden 244.088 Geburten ohne dokumentierte pränatale Risikofaktoren in Massachusetts retrospektiv analysiert. Von diesen hatten 3334 Frauen (= 1,4%) einen primär elektiven Kaiserschnitt. Die Rate der Rehospitalisierung innerhalb von 30 Tagen nach der Geburt war in dieser Gruppe um das Doppelte erhöht (RR 2,3; 95% CI 1,74–2,9), wobei die führenden Gründe dafür Wundkomplikationen und Infektionen darstellten [1].

In einer weiteren retrospektiven Kohortenstudie von Liu et al. (2007) wurden über 3 Mio. Geburten in Kanada retrospektiv aus dem nationalen Gesundheitsdatenregister analysiert [2]. Von diesen waren 2.339.186 Niedrigrisikogeburten (ohne: vorangegangenen Kaiserschnitt, multiple Schwangerschaften, Geburten 37 SSW, kindliche Anomalien oder Vorhandensein medizinischer Risikofaktoren wie Präeklampsie, Diabetes, Lupus u.a). Da das nationale Register keinen Code für elektive Kaiserschnitte vorsieht, wurden als Surrogatparameter die geplanten Kaiserschnitte wegen Beckenendlage herangezogen. 46.766 Frauen hatten dadurch einen geplanten Kaiserschnitt, verglichen zu 2.292.420 mit geplanter vaginaler Geburt. Die Gesamtmorbidität betrug 2,7% nach geplantem Kaiserschnitt, verglichen zu 0,9% nach geplanter vaginaler Geburt. Blutungen, die eine Hysterektomie erforderlich machten, und venöse Thromboembolien waren in der Kaiserschnittgruppe doppelt so häufig, puerperale Infektionen sogar dreimal so häufig. Das Risiko für einen Transfusionsbedarf war erstaunlicherweise in der Kaiserschnitt-Gruppe geringer – eventuell deshalb, weil man sich bei diesen Patientinnen bei starker Blutung eher für eine Hysterektomie entschied.

Die Ergebnisse im Detail werden in Tabelle 1 aufgeführt.

In einer weiteren prospektiven Kohortenstudie von Villar et al. (2007) wurden 94.307 Geburten in acht lateinamerikanischen Staaten analysiert und unter anderem die Gruppe der elektiven Kaiserschnitte (n=13.208) mit der der vaginalen Geburten (n=62.486) verglichen [3]. Auch hier zeigte sich ein deutlich erhöhtes Risiko für Gesamtmorbidität, Blutung und Infektionen (gemessen am Antibiotikabedarf). Die Risikoerhöhungen für Antibiotikabedarf und notwendige Hysterektomien waren etwas höher (etwa vierfach) als in der oben zitierten Studie. Es muss allerdings berücksichtigt werden, dass bei dieser Studie die Patienten nicht nach vorbestehenden Risikofaktoren stratifiziert wurden.

Die Ergebnisse im Detail werden in Tabelle 2 aufgeführt.

In allen drei Studien zeigte sich somit ein deutlich erhöhtes Risiko für die Gesamtmorbidität (2–3fach) und das Infektionsrisiko (2–4fach) nach elektiver Sectio. Das Risiko für Thromboembolien (in einer Studie analysiert) war in der Kaiserschnittgruppe um das Doppelte erhöht. Bezüglich eines Blutungsrisikos stehen sowohl Daten für notwendige Transfusionen als auch Daten für notwendige Hysterektomien zur Verfügung – wobei letzteres nur einen indirekten Rückschluss auf ein nicht-stillbares Blutungsrisiko zulässt. Diesbezüglich zeigte sich im Niedrigrisikokollektiv ein verdoppeltes Risiko für notwendige Hysterektomien, das Transfusionsrisiko war allerdings geringer. Da das Vorgehen bei starker Blutung regional und national divergiert, lässt sich aus diesen Daten kein eindeutiges Ergebnis ableiten.

Rechercheservice Evidenzbasierte Medizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg

Stand der Recherche: Juni 2011

Quellen

1. Declercq E, Barger M, Cabral HJ et al. Maternal outcomes associated with planned primary cesarean births compared with planned vaginal births. Obstet Gynecol 2007; 109: 669

2. Liu S, Liston RM, Joseph KS et al. Maternal mortality and severe morbidity associated with low-risk planned cesarean delivery versus planned vaginal delivery at term. CMAJ 2007; 176: 455

3. Villar J. Carroli G, Acosta A. Maternal and neonatal individual risks and benefits associated with caesarean delivery: multicentre prospective study BMJ 2007 Nov 17; 335: 1025

Abbildungen:

Tabelle 1 Morbiditätsraten und ODDS Ratios bei gesunden Frauen [2].

Tabelle 2 Morbiditätsraten und ODDS Ratios [3].


(Stand: 29.05.2015)

Als Abonnent können Sie die vollständigen Artikel gezielt über das Inhaltsverzeichnis der jeweiligen Ausgabe aufrufen. Jeder Artikel lässt sich dann komplett auf der Webseite anzeigen oder als PDF herunterladen.