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Die „alte Italienerin“

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Bekanntlich spielen viele Ärztinnen und Ärzte ein Musikinstrument. Wenn Sie in ein Konzert gehen und im Programmheft lesen, dass die auftretende Soloviolinistin ein altes Instrument italienischer Geigenbauer wie Stradivari oder Guarneri spielt (meist von einer Stiftung zur Verfügung gestellt), leuchten vielleicht Ihre Augen – zumindest dürfte die Erwartung an die Vorstellung steigen.

Sind diese alten Instrumente, die oft mehrere Millionen Euro kosten, tatsächlich besser als neue?

Die Pariser Musikakustikerin Claudia Fritz und ihre Kolleg/innen haben 21 erfahrene Geiger (darunter 19 Berufsmusiker) unter doppelblinden Bedingungen alte und neue Violinen ausprobieren lassen. Tester und Helfer waren nicht über die Herkunft der Instrumente informiert, beide trugen verschleiernde Brillen und der Raum war abgedunkelt. Es durften auch eigene Bögen mitgebracht und erprobt werden.

Sie ahnen schon, welche überraschenden Ergebnisse zutage traten: 62% der Probanden (darunter zwei renommierte Jury-Mitglieder, die selbst eine Stradivari bzw. Guarneri spielten!) wählten neue Instrumente zu ihren Favoriten; 38% favorisierten die alten Geigen.

Ungeachtet dieser schnöden wissenschaftlichen Resultate werden die betagten Geigen wohl auch in Zukunft die Vorstellungskraft von Musikern und Zuhörern in ihren Bann ziehen. So sagte eine der Testpersonen, die sich – unwissentlich – für ein neues Instrument entschieden hatte: „Ich hoffe inständig, dass es eine ,alte Italienerin‘ ist“.

Fritz C, Curtin J, Poitevineau J, Morrel-Samuels P, Tao FC. Player preferences among new and old violins. PNAS 2012; 109: 760–763

Foto: fotolia/kameramann


(Stand: 29.05.2015)

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