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„Schlafmittel erhöhen Sterblichkeit“

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Mit dieser Schlagzeile wurde eine kürzlich veröffentlichte Studie im sog. offenen British Medical Journal (BMJ Open) von der Laienpresse aufgegriffen. Es handelt sich dabei um eine Beobachtungsstudie aus Pennsylvania, bei der die Autoren 10.529 (hausärztliche) Patienten mit mindestens einem Rezept über Schlafmittel 23.676 Patienten ohne Hypnotikaverordnung gegenüberstellten. Eingeschlossen waren nicht nur Benzodiazepine, sondern auch sog. Z-Substanzen wie Zolpidem oder Zopiclon.

Je mehr Schlafmittel die Patienten verordnet bekamen, desto höher war die Sterblichkeit (z.T. auch die Krebsinzidenz). Das Risiko (hazard ratio) reichte dabei von 3.6 bis 6.5.

Nun ist der Zusammenhang zwischen Einnahme von Hypnotika und Sterblichkeit nicht neu und wurde in der Vergangenheit schon mehrfach berichtet. Die vorliegende Studie aber hat gleich mehrere Haken, zu denen man in den Presseveröffentlichungen nichts lesen konnte:

  • Zum einen handelt es sich um keine randomisierte, sondern um eine Fall-Kontroll-Studie, die grundsätzlich fehleranfällig ist (das ist aber nicht meine Hauptkritik, denn auch Beobachtungsstudien können – mit Einschränkung – zur wissenschaftlichen Erkenntnis beitragen).
  • Sieht man sich die demografischen Kriterien der beiden Personengruppen im Vergleich an, so fällt auf, dass sich unter den Hypnotikanutzern signifikant mehr Patienten befinden, die geschieden sind oder getrennt leben. Die Autoren geben das auch – allerdings nur in einer Fußnote – zu. Geschiedene bzw. getrennt Lebende weisen aber bekannterweise eine höhere Sterblichkeit auf als Verheiratete.
  • Bei der vergleichenden Morbidität fehlen weitere Aspekte, die für die Sterblichkeit bedeutsam sind. So sucht man vergeblich nach Depressionen, Angsterkrankungen und anderen emotionalen Faktoren. Die Erklärung: Die Gesetze von Pennsylvania gestatten es „zur Wahrung der Vertraulichkeit“ nicht, solche Diagnosezahlen zu veröffentlichen.

Fazit: „Trau, schau, wem“. Vor ungeprüfter Übernahme von Nachrichten in Laienmedien sei gewarnt.

Kripke DF, Langer RD, Kline LE. Hypnotics’ association with mortality or cancer: a matched cohort study. BMJ Open 2012;2: e000850

Frei unter bmjopen.bmj.com/content/2/1/e000850.long

Foto: fotolia/Leonid Andronov


(Stand: 29.05.2015)

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