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„Furchterregend“ oder „funktional“ – eine Querschnittsbefragung zu den Fieberkonzepten von Müttern mit deutschem oder türkischem kulturellen Hintergrund in Deutschland

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Langer T, Pfeifer M, Soenmez A, Tarhan B, Jeschke E, Ostermann T.

Fearful or functional – a cross-sectional survey of the concepts of childhood fever among German and Turkish mothers in Germany.

BMC Pediatrics 2011; 11: 41. doi:10.1186/1471–2431–11–41

Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Universität Witten/Herdecke

Frei verfügbar unter:

www.biomedcentral.com/1471–2431/11/41

Hintergrund

Fieber im Kindesalter ist einer der häufigsten Vorstellungsgründe beim Kinder- oder Hausarzt. In der Mehrheit der Fälle liegt eine harmlose Erkrankung vor. Allerdings unterscheidet sich die subjektive Bedeutung des Fiebers häufig stark zwischen Eltern und Ärzten. Eine gute Kenntnis elterlicher Konzepte zum Fieber im Kindesalter kann Ärzten helfen, ihre Beratung effektiv auf die Bedürfnisse der Eltern abzustimmen. In dieser Arbeit wurde der Einfluss des sozio-ökonomischen Status sowie des kulturellen Hintergrundes von Eltern auf zwei Fieberkonzepte untersucht, die mit den Begriffen „furchterregend“ und „funktional“ beschrieben wurden. Zudem wurden analysiert, welche selbst berichteten Handlungen und Vorgehensweisen den beiden Konzepten zugeordnet werden können.

Methode

Im Jahr 2009 wurde eine standardisierte Interviewstudie mit Müttern mit deutschem oder türkischem Hintergrund durchgeführt. Der Fragebogen enthielt 36 Fragen und 205 Items. Die Interviews wurden in 16 Kinderarztpraxen sowie den Notfallambulanzen von zwei Kinderkliniken in einer städtischen Region in Deutschland durchgeführt. Die beiden Fieberkonzepte wurden durch sechs Items abgebildet, die mit einer sechsstufigen Likert-Skala bewertet wurden. Die Untersuchung des Zusammenhangs des sozio-ökonomischen Status sowie des kulturellen Hintergrundes mit einem der beiden Fieberkonzepte erfolgte durch eine multiple logistische Regression.

Ergebnisse

Insgesamt wurde mit 338 Müttern (49% mit türkischem Hintergrund) ein vollständiges Interview geführt – Rücklaufquote 92%. Das Durchschnittsalter der Mütter mit deutschem Hintergrund war höher (34,1 Jahre vs. 32,0 Jahre, p = 0,0001). Mütter mit einem türkischen Hintergrund ließen sich häufiger dem Konzept „furchterregend“ zuordnen [adjusted odds ratio (AOR) 1,99; Confidence Interval (CI) 1,16–3,44]. Mütter mit einem mittleren oder hohen sozio-ökonomischen Status zeigten eine stärkere Tendenz zum Konzept „funktional“. Mütter mit dem Konzept „furchterregend“ berichteten, Paracetamol häufiger als in den empfohlenen Abständen von 6 Stunden zu verabreichen (46.8% vs. 31.3%, p = 0.005) und nahmen Notfalldienste in den vergangenen 9 Monaten häufiger in Anspruch als die andere Gruppe (0.7 vs. 0.4, p = 0.001).

Schlussfolgerungen

Ein türkischer kultureller Hintergrund sowie ein niedriger sozio-ökonomischer Status korrelieren mit dem Fieberkonzept „furchterregend“. Mütter mit diesen Attributen scheinen einer besonderen, Sicherheit schaffenden Beratung zu bedürfen, da sie fiebersenkende Medikamente zu extensiv einsetzen und Notfalldienste häufiger in Anspruch nehmen.

Korrespondenzadresse

Dr. Thorsten Langer

thorsten.langer@uni-wh.de


(Stand: 29.05.2015)

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