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„Wir sind unseren Zielen ein Stück näher gekommen“

39. Symposium der Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin (GHA)

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„Masterplan Medizinstudium 2020: Vereinbarkeit von Masse und Klasse“. Um dieses zentrale Thema der Ausbildung von Nachwuchsmedizinern zu diskutieren, trafen sich die Mitglieder der Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin (GHA) zum 39. Symposium in Baierbrunn bei München. In hochkarätig besetzten Vorträgen wurde der Frage nachgegangen, wie der im Koalitionsvertrag festgeschriebene Masterplan aus allgemeinmedizinischer Perspektive an den Hochschulen am besten umzusetzen ist. „Wir sind unseren Zielen ein Stück näher gekommen“, bilanzierte Dr. Andreas Graf von Luckner, Präsident der GHA, am Ende des Symposiums zufrieden.

Um eine möglichst breite Perspektive auf die Frage nach einer „Vereinbarkeit von Masse und Klasse“ zu erhalten, kamen nicht nur Mitglieder aus den allgemeinmedizinischen Abteilungen und Instituten der medizinischen Fakultäten zu Wort, sondern zum Beispiel auch Vertreter der Politik, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Studiendekanate und nicht zuletzt die Studierenden, die als unmittelbar Betroffene ihre Eindrücke schildern konnten. Außerdem legte Roland Sing vom Sozialverband VdK Baden-Württemberg dar, welche Erwartungen eine Gesellschaft des längeren Lebens an zukünftige Ärztinnen und Ärzte hat.

Prof. Ferdinand M. Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, erläuterte in seinem Vortrag zunächst die bislang bekannten Grundlagen des im Koalitionsvertrag verankerten Masterplans Medizinstudium 2020: Demnach soll die Praxisnähe gefördert und insbesondere die Allgemeinmedizin im Studium einen größeren Stellenwert erhalten. Darüber hinaus soll auch die Förderung der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin um 50 Prozent erhöht werden. Zentrale Forderungen für die zukünftige Umsetzung seien laut Prof. Gerlach die Einführung eines PJ-Quartals Allgemeinmedizin im Studium sowie die Einrichtung einer Förderstiftung Allgemeinmedizin zur Gewährleistung einer angemessenen Vergütung der Weiterbildungsstellen sowie zur Sicherstellung von Attraktivität und Qualität der Weiterbildung durch universitär angebundene Kompetenzzentren. Die Dringlichkeit von Maßnahmen unterstützte auch der ehemalige GHA-Präsident Prof. Dr. Wilhelm Niebling, der eine zunehmende Bedeutung von Generalisten erkennt.

Vor allem die von der GHA und DEGAM gemeinsam geforderte Einführung eines PJ-Quartals sorgte für kontroverse Diskussionen, da die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd), vertreten unter anderem durch ihren Präsidenten Christian Kraef, dies ablehnt. Dennoch sind sich beide Seiten darüber einig, dass die Allgemeinmedizin im Studium besser etabliert werden muss, wobei die bvmd hierfür eine longitudinale Einbindung des Faches über das gesamte Studium vorschlägt.

Auch die Vertreter aus der Politik bekräftigten in ihren Vorträgen den Stellenwert der Allgemeinmedizin. So bezeichnete Sabine Dittmar (SPD), Mitglied des Deutschen Bundestags, den geplanten Masterplan als Fortschritt: In diesem Zusammenhang sei ein PJ-Quartal für die Studierenden zumutbar. Außerdem sollten Weiterbildungsverbünde mit Universitäten im Hintergrund weiter etabliert werden. Ruth Nowak, Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, hob zudem die Berücksichtigung der gesteigerten Mobilität als zentrales Thema hervor.

Über diese allgemeinen Ansätze hinaus wurden auch konkrete Einzelmaßnahmen diskutiert. So stellte Dr. Johannes Fechner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Baden-Württemberg, die „Antworten der KV“ auf die Nachwuchsförderung vor, Dr. Bernhard Marschall, Studiendekan der Medizinischen Fakultät Münster, erläuterte die Stärkung der primärärztlichen Versorgung aus Sicht eines Studiendekans und Prof. Dr. Martin Fischer MME, Lehrstuhl für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin am Klinikum der Universität München, erklärte seine Visionen zur Zukunft des Medizinstudiums, in denen der Überarbeitung des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM) eine tragende Rolle zufällt. PD Dr. Dipl.-Psych. Volkhard Fischer, Bereich Evaluation und Kapazität des Studiendekanats der MH Hannover, stellte die Leistungsorientierte Mittelvergabe (LOM) der MH Hannover als ein mögliches Konzept vor.

Auch dem Status quo sowie einigen bereits erfolgreichen Konzepten wurde während des Symposiums Platz eingeräumt. Während Prof. Dr. med. Attila Altiner, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Universität Rostock, die provokante These aufstellte, dass die Allgemeinmedizin nicht so viele „Extrawürste“ nötig habe, strich Dr. med. Klaus Böhme, MME vom Lehrbereich Allgemeinmedizin an der Universitätsklinik Freiburg, die Wichtigkeit qualitätssichernder Maßnahmen bei der Durchführung eines allgemeinmedizinischen PJ-Tertials heraus. Prof. Dr. Reinhold Klein, Institut für Allgemeinmedizin der TU München, hob zudem die Bedeutung einer Famulaturbörse (www.degam-famulaturboerse.de) als Orientierungsinstrument für Medizinstudierende hervor. Zum Abschluss der Veranstaltung legten Stephan Fuchs und Thomas Dörrer (Sektion Allgemeinmedizin der Universität Halle-Wittenberg) den Imagegewinn durch die sogenannte „Klasse Allgemeinmedizin“ dar und Sandra Lange von der Medizinischen Fakultät Dresden erklärte, dass die DEGAM-Nachwuchsakademie ein Leuchtturmprojekt für die allgemeinmedizinische Ausbildung sei.

Am Ende des zweitägigen Symposiums blieb die Erkenntnis, dass es viele Möglichkeiten und Ansätze gibt, um vor dem Hintergrund des „Masterplans Medizinstudium 2020“ Masse und Klasse miteinander zu vereinbaren. Wichtigste Voraussetzung dafür bleibt, dass alle Interessenvertreter an einem Strang ziehen. „Eine Diskussion auf Augenhöhe, wie wir sie auf diesem Symposium erlebt haben, ist die dafür notwendige Grundlage“, ist sich Dr. Andreas Graf von Luckner sicher. „Nur so können das Studium und die Weiterbildung für junge Nachwuchsmediziner attraktiv gehalten und damit auch die gesamtgesellschaftliche Aufgabe einer flächendeckenden, hochwertigen Versorgung der Patientinnen und Patienten gewährleistet werden.“ Neben den Vorträgen bestand ausreichend Raum für interessante Diskussionen sowie informellen und impulsreichen Erfahrungsaustausch.

Die Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin (GHA) e.V. ist die fakultätsübergreifende Gesellschaft für die Lehrärztinnen und Lehrärzte in der Allgemeinmedizin in ganz Deutschland. Sie ist eng assoziiert mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Vorsitzender ist Dr. Andreas Graf von Luckner (Tengen/Freiburg). Weitere Informationen zur GHA unter: www.gha-info.de.

Kontakt

Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin (GHA) e.V.

c/o Lehrbereich Allgemeinmedizin,
Universitätsklinik Freiburg

Elsässer Str. 2m in 79110 Freiburg

Tel.: 0761 / 27072490
Fax: 0761 / 27072480

Andreas-Luckner@t-online.de


(Stand: 13.05.2015)

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