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Erfolgreicher erster Tag der Allgemeinmedizin Schleswig-Holstein

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Jens-Martin Träder

Am 30. Mai 2015 fand in Kiel der 1. Tag der Allgemeinmedizin Schleswig-Holstein statt. Zu dieser „Premiere“ hatten sich etwas über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Wissenschaftszentrum in Kiel eingefunden. Mit diesem Format der Fortbildungsveranstaltungen von Ärzten für Ärztinnen und Ärzte, Praxisteams, medizinische Fachangestellte, Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung und für Studierende betritt Schleswig-Holstein Neuland. Thema dieser pharmafreien Fortbildungsmöglichkeit mit DEGAM-Label ist die Bedienung möglichst vielfältiger Facetten unseres täglichen beruflichen Alltags.

Die Veranstaltung begann mit einem Überblick über den momentanen Stand in Lehre und Forschung des Faches Allgemeinmedizin in Kiel und in Lübeck.

Kiel

Vor etwas über einem Jahr (im Februar 2014) hat Prof. Hanna Kaduszkiewizc ihre Professur in Kiel angetreten. Ihr Bestreben ist es, die Lehre für das Fach Allgemeinmedizin in Kiel neu aufzustellen und das Fach studienbegleitend von den ersten Fachsemestern bis zum Praktischen Jahr (PJ) intensiver im Curriculum zu verankern. Bisher ist das im Bereich der klinischen Ausbildung schon gut vorangekommen. Das Institut beschäftigt vier „halbe“ wissenschaftliche Mitarbeiter (zwei Planstellen).

Weiterhin gut angenommen und evaluiert ist das Blockpraktikum in Hausarztpraxen. Es sind ca. 100 Lehrpraxen beteiligt, die sich mit viel Engagement der Ausbildung der Studierenden widmen. Das PJ in der Allgemeinmedizin ist weiterhin im Aufbau, die Resonanz ist auch hier gut. Zurzeit werden 15 Dissertationen betreut, davon sind zehn Arbeiten „neue“ Arbeiten, die in Kiel begonnen wurden, fünf „alte“ Arbeiten wurden aus Hamburg, dem vorherigen Arbeitsschwerpunkt von Frau Prof. Kaduszkiewicz, nach Kiel „mitgebracht“.

Ein Forschungsschwerpunkt betrifft den „Peer Review Allgemeinmedizin“, eine Art Hospitation von Kollegen bei Kollegen mit anschließendem Feedback über das Erlebte. Hierüber wird berichtet und das Ergebnis wissenschaftlich aufgearbeitet. Allerdings muss das Geben eines Feedbacks natürlich erst erlernt werden. Die ersten Fortbildungsveranstaltungen sind gelaufen. Ein anderer Forschungsschwerpunkt betrifft Versorgungsmodelle im ländlichen Raum, in diesem Fall geht es schwerpunktmäßig um die Insel Pellworm.

Lübeck

In Lübeck ist die Professur für Forschung in der Allgemeinmedizin (W3) seit dem 01.10.2014 durch Prof. Jost Steinhäuser besetzt. Am Abend vor dem Tag der Allgemeinmedizin hat die Antrittsvorlesung unter reger Beteiligung der Universität und vielen Interessierten stattgefunden. Prof. Steinhäuser hat mittlerweile vier halbe wissenschaftliche Mitarbeiter einstellen können, ein weiterer Aufbau ist geplant. Die Professur für Lehre in der Allgemeinmedizin (W2 [halbe Stelle], Prof. Träder) besteht weiterhin.

Seit 2004 gibt es ein Blockpraktikum – jeder Studierende in Lübeck geht für zwei Wochen während des Studiums in eine hausärztliche Lehrpraxis. Es wurden in Lübeck 90 Lehrpraxen akquiriert, diese Veranstaltung ist weiterhin sehr beliebt und wird hervorragend evaluiert. Die Online-Einschreibung für dieses Blockpraktikum in Lübeck ist für die Studierenden, die Praxen und das Sekretariat eine große Erleichterung. Alle Studierenden können auf einer Internetseite zwischen den Lehrpraxen (mit ihren verschiedenen Schwerpunkten) und den unterschiedlichen möglichen Terminen wählen und „buchen“ diesen Termin online.

Seit 2006 werden in 30 ausgewählten Lehrpraxen Studenten im PJ in der Allgemeinmedizin ausgebildet. Für das Studienjahr 2013 konnten 32 Studierende in Lübeck für das PJ in Lehrpraxen vermittelt werden, im Jahr 2014 waren es 29 Studierende. Die Evaluation der Studenten ist überwältigend – das PJ in Hausarztpraxen ist „heiß begehrt“. Mittlerweile kann allen Interessenten ein Platz vermittelt werden.

Prof. Steinhäuser hat als Forschungsschwerpunkte die Kapitel Verbundweiterbildung, Versorgung ländlicher Räume, ärztlicher Wiedereinstieg nach Berufspausen und Manuelle Medizin im Blick. Er betreut bisher 13 Dissertationen, Prof. Träder hat 9 Promovenden.

Workshops des TdA

Nach der Plenarveranstaltung ging es in die Workshops des TdA – hier war das Angebot breit gestreut. In allen Workshops wurde rege und engagiert diskutiert – gemäß dem aus den ärztlichen Qualitätszirkeln bekannten Motto: „Jeder weiß eine Menge, doch gemeinsam wissen wir mehr.“ Die Auswahl reichte dabei von Palliativmedizin über Geriatrie bis zum Impf-Refresher. Spezielle Angebote für Medizinische Fachangestellte (z.B. Kommunikationstraining) sowie für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung (z.B. Prüfungsvorbereitung Facharztanerkennung) rundeten das Programm ab.

Es gab also ein breites Angebot für die über 100 Teilnehmer, von denen circa 50 % Ärztinnen und Ärzte, 30 % MFAs und 20 % Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung sowie Studierende waren.

Mittags gab es eine interaktive Fallbesprechung, bei der einige typische komplexere hausärztliche Fälle von Prof. Hanna Kasduzkiewicz und von Dr. Hans-Otto Wagner (UKE Hamburg) vorgestellt und diskutiert wurden. Das Auditorium konnte über TED-Abstimmgeräte die unterschiedlichen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen „mitbestimmen“ – die divergierenden Meinungen waren gute Kristallisationskerne für engagierte und teils auch kontroverse Diskussionen, um eine eventuelle postprandiale Müdigkeit rasch zu beseitigen.

Staffelübergabe

Am Ende eines ereignisreichen Tages übergab Prof. Kaduszkiewicz den „Staffelstab“ von Kiel nach Lübeck an Prof. Steinhäuser. Im kommenden Jahr wird der zweite Tag der Allgemeinmedizin am 28.05.2016 in Lübeck stattfinden.

Institut für Allgemeinmedizin, Universität Lübeck


(Stand: 16.07.2015)

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