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Anzeige „Bundeswehr“und Anzeige „DGIM Onlinekongress“ in der ZFA 5 / 2015

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Leserbrief von Heike Diederichs-Egidi und Dr. Günther Egidi

Bitte keine Werbung in der ZFA für konkurrierende Fachgesellschaften und für die Bundeswehr

Wir haben Probleme mit der Mai-Ausgabe der ZFA: Auf der inneren Umschlagseite findet sich eine ganzseitige Anzeige der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Wer einmal den Wiesbadener Jahreskongress der DGIM besucht hat, weiß, wie stark und anders als die DEGAM sich diese Gesellschaft, die sich in Konkurrenz mit der DEGAM um die Mitgliedschaft der hausärztlich tätigen Internisten befindet, in die Nähe der pharmazeutischen Industrie begeben hat (darüber kann auch nicht hinweg täuschen, dass sich die DGIM schneller als die DEGAM die Adaptation der amerikanischen Choosing-Whisely-Initiative auf die Fahnen geschrieben hat).

U.E. hat eine Anzeige der DGIM in einer Zeitschrift der DEGAM nichts zu suchen – genau so wenig wie eine ganzseitige Anzeige der Bundeswehr unter der Überschrift „Wir.Dienen.Deutschland“.

Wir wollen nicht in Abrede stellen, dass es viele redliche Ärztinnen und Ärzte bei der Bundeswehr geben mag. Wir halten es zudem für möglich, dass eine Teilnahme der Bundeswehr an Blauhelm-Missionen der UNO sehr nutzbringend sein könnte. Aber gerade in der heutigen Zeit, in der wir u.a. in Osteuropa und im Mittleren Osten überreichlich Kriege mit anschauen müssen, ist unsere Grundauffassung die, dass eher die Prävention von Krieg als sein Anheizen durch das Setzen auf die militärische Karte auch aus ärztlicher Sicht geboten ist. Es waren nicht zuletzt Ärztinnen und Ärzte, die unter Anführung durch Bernard Lown und Jewgeni Tschasow die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete IPPNW gegründet haben; eine Organisation, die viel zum Abbau der seinerzeitigen Block-Konfrontation und zur nuklearen Abrüstung beigetragen hat – und mit deren Zielen Werbe-Aktionen für eine nationale Armee in keiner Weise vereinbar wären.

Wir sind froh, dass unsere ZFA ohne Anzeigen der pharmazeutischen Industrie erscheint. Wir wären noch froher, wenn nicht für eine pharmanahe Fachgesellschaft und für eine Armee geworben werden würde.

Korrespondenzadresse

Heike Diederichs-Egidi

Ärztin für Allgemeinmedizin

Lindenhofstr. 44

28237 Bremen

Tel.: 0421 611929

heike.diederichs@nord-com.net

Für die Herausgeber der ZFA antwortet Prof. Dr. Michael M. Kochen

Wir danken Heike Diederichs-Egidi und Günther Egidi für ihre kritische Zuschrift.

Fraglos stehen wir ohne jeden Vorbehalt hinter dem Prinzip einer anzeigenfreien Zeitschrift in Bezug auf pharmazeutische Werbung. Die Begründung ist klar: Wir wollen unter allen Umständen Interessenkonflikte vermeiden, die sich zwischen (haus)ärztlicher Arzneimittelverordnung und Anzeigenerlösen ergeben könnten.

Nun stellt sich die Frage, mit welchen Argumenten Anzeigen abgelehnt werden sollen, die mit der ärztlichen Tätigkeit nicht oder nicht direkt verbunden sind. Auch wenn unsere persönlichen Präferenzen in Richtung einer Ablehnung gehen, sind wir in unserer Funktion als Herausgeber gehalten, neutral zu bleiben und nicht Gefühlen subjektiver Bewertung zu folgen: Jede Ablehnung solcher Annoncen käme einer willkürlichen „Zensur“ gleich, die aus individuellen, nicht aber aus sachlichen Erwägungen heraus gerechtfertigt wäre.

Anzeigen der Bundeswehr oder selbst von pharmazeutischen Unternehmen, die (theoretisch) ohne Bezug auf deren Produkte wären, können in diesem Sinne nicht abgelehnt werden – es sei denn, die DEGAM hätte eine solche Politik z.B. in ihren Statuten verankert.

Gleiches gilt auch für Anzeigen einer „konkurrierenden Fachgesellschaft“, die direkte Werbeeinflüsse auf ihre eigenen Mitglieder nicht verhindert, sondern sogar fördert. Umgekehrt würden wir energischen Protest erheben, wenn eine Anzeige der DEGAM in einem Organ einer konkurrierenden Fachgesellschaft ohne sachlich überzeugende Begründung abgelehnt würde.

Grundprinzip hinter all diesen Überlegungen: Wir sollten mit unserer Haltung nicht „jedermann erziehen“ wollen.

Selbstverständlich wäre die Situation völlig anders, wenn z.B. eine Organisation versuchen würde, rassistische, frauen- oder fremdenfeindliche Anzeigen in der ZFA zu schalten. Solchen Versuchen würden wir unverzüglich einen Riegel vorschieben.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Michael M. Kochen, MPH, FRCGP

mkochen@gwdg.de


(Stand: 16.07.2015)

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