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Gute Nachrichten ... gibt es sie noch?

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W. Niebling

Schlechte Nachrichten erreichen uns jeden Tag, fast meint man, sie verfolgen uns. Und keinem, zumindest keinem politisch denkenden Menschen ist derzeit zum Lachen zumute, bedenkt man die

weltweit von fanatisierten Terroristen in nahezu stakkatoartiger Frequenz verübten Anschläge mit Toten und Verletzten,

ein vereinigtes Königreich, das sich nach dem „Brexit“-Votum selbst in Stücke schlägt und dessen Jugend sich seiner Zukunft beraubt sieht,

das europaweite Erstarken eines dumpfen Nationalismus und damit einhergehend

zunehmende Zweifel an einer sich weitestgehend an ökonomischen Kriterien orientierenden Europäischen Union und einem drohenden Rückzug der Bürger von den Idealen einer europäischen Idee.

Doch zur eingangs gestellten Frage: Ja, es gibt gute Nachrichten ... zumindest für unser akademisches Fach und unser Versorgungsgebiet Allgemeinmedizin.

Die neue Vereinbarung für das Förderprogramm der Weiterbildung im ambulanten Bereich ist am 1. Juli 2016 in Kraft getreten. Wesentliche Inhalte sind

eine Erhöhung der geförderten Weiterbildungsstellen von bisher 5000 auf 7500,

die Anhebung der finanziellen Förderung der Weiterbildungspraxen von bisher 3500 auf 4800 Euro/Monat.

Dies ermöglicht eine Vergütung von Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung auf Klinikniveau.

Die Umsetzung der Förderung von Kompetenzzentren (mit universitärer Anbindung) mit 5 % der Fördermittel ist zum 1. Januar 2017 zu erwarten. Damit geht die Hoffnung auf eine weitere Aufwertung und Stärkung unserer akademischen Standorte einher.

Wie der Ärztezeitung in ihrer Ausgabe vom 1./2. Juli 2016 auf der Titelseite zu entnehmen ist, gibt es für den lange Zeit strittig zwischen Kultur- und Gesundheitsministerien der Länder, MFT, bvmd und DEGAM (um nur die wichtigsten Akteure zu nennen) diskutierten Masterplan Medizinstudium 2020 endlich „grünes Licht von den Ministern“. Zu allen wichtigen Fragen, ausgenommen der Landarztquote, konnte in den letzten Tagen ein Konsens erzielt werden. Für die Zukunft der Allgemeinmedizin essenzielle Forderungen der DEGAM, – zu denen die Landarztquote übrigens nie gehört hat, werden vermutlich in Kürze beschlossen. Dazu zählen

die Quartalisierung des Praktischen Jahres mit einem verpflichtenden Abschnitt in der ambulanten Versorgung sowie

das Fach Allgemeinmedizin als Teil der mündlich-praktischen Prüfung im abschließendem Staatsexamen M 3.

Auch wenn der auf Staatssekretärsebene nun konsentierte Entwurf noch unter dem Finanzierungsvorbehalt der Landesfinanz- und Bundesminister steht, ist damit ein Riesenschritt gemacht, unser Fach und Gebiet für unseren ärztlichen Nachwuchs noch attraktiver zu gestalten. Die Umsetzung der Beschlüsse ist eine Herausforderung für die Fakultäten sowie unsere allgemeinmedizinischen Abteilungen, Institute und Lehrbereiche (deren Institutionalisierung mit dieser Entwicklung nach meiner Einschätzung erheblich befördert wird). Voraussetzung für die Umsetzung ist allerdings die Bereitstellung der dafür notwendigen finanziellen Mittel.

Wir sollten nun in Zuversicht nach vorne blicken, auch auf den 50. DEGAM- Kongress, der vom 29. September bis zum 1. Oktober 2016 in Frankfurt am Main stattfinden wird. Unter dem Motto „Tradition wahren – Aufbruch gestalten – Hausärzte begeistern“ erwartet Sie ein spannendes Programm. In der Hoffnung auf einen Sommer, der seinen Namen verdient, wünsche ich Ihnen erholsame Urlaubstage und Spaß beim Lesen der ZFA.

Herzlich Ihr

Nachtrag:

Im April und nicht, wie von ihm im nachfolgenden Gedicht ersonnen, im August, ist der schwedische Dichter Lars Gustafsson im Alter von 79 Jahren verstorben. Er war einer der bedeutendsten schwedischen Autoren, geprägt von Humanismus und Liberalität. Nicht an der Welt mit ihrem Schrecken, ihrer Vergänglichkeit und Gnadenlosigkeit zu verzweifeln war das Credo seines literarischen Werkes. „Es soll ein Tag sein“ ist dem Band „Auszug aus Xanadu“, erschienen 2003 im Carl Hanser Verlag in der Übersetzung von Hans Magnus Enzensberger und Verena Reichel entnommen.

Es soll ein Tag Anfang August sein

Die Schwalben fort, doch eine Hummel

Noch irgendwo, die im Himbeerschatten

Ihren Bogen ausprobiert.

Ein leichter, doch nicht hartnäckiger Wind

Soll über die Wiesen des August gehen.

Du sollst da sein,

aber du sollst nicht viel reden,

mir nur ein wenig über die Haare streichen

und mir in die Augen sehen

mit diesem kleinen Lächeln

zuinnerst im Augenwinkel.

Und dann will ich

Nicht ohne Erleichterung

diese Welt verschwinden sehen.


(Stand: 15.07.2016)

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