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Tag der Allgemeinmedizin: Premiere in Lübeck

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Jens-Martin Träder

Seit 2004 gibt es die industrieunabhängigen Tage der Allgemeinmedizin (TdA) als Plattform des Austausches zwischen Allgemeinmedizinischen Einrichtungen an den Universitäten und Praxen [1]. Noch werden diese nicht mal an 50 % der Standorte mit einer medizinischen Fakultät angeboten [2]. In Schleswig-Holstein veranstalten die beiden Institute für Allgemeinmedizin den Tag der Allgemeinmedizin gemeinsam.

Am 28. Mai 2016 fand daher der 2. TdA in Schleswig-Holstein zum ersten Mal in Lübeck statt. Diese Fortbildungsveranstaltung für Ärztinnen und Ärzte, Praxisteams, medizinische Fachangestellte, Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung und für Studierende ist, einer Redensart aus Schleswig-Holstein folgend, somit bereits eine Tradition. Zu dieser Veranstaltung begrüßte Prof. Jost Steinhäuser die knapp 100 Teilnehmer im Auditorium maximum der Universität zu Lübeck.

Die Veranstaltung begann mit einem Grußwort der Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH), Dr. Monika Schliffke, welche die Förderung der Allgemeinmedizin durch die KVSH hervorhob. Edmund Fröhlich, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), überbrachte die Grüße vom Vorstand der DEGAM und informierte, dass 2015 rund 120 DEGAM Mitglieder in Schleswig-Holstein lebten. Nach dem 2. TdA waren es 165.

Es folgte ein Überblick über den momentanen Stand in Lehre und Forschung des Faches Allgemeinmedizin in Kiel und in Lübeck.

Kiel

Vor etwas über zwei Jahren hat Prof. Hanna Kaduszkiewicz ihre Professur in Kiel angetreten. Auf dem Weg, die Lehre für das Fach Allgemeinmedizin in Kiel neu aufzustellen und das Fach studienbegleitend von den ersten Fachsemestern bis zum Praktischen Jahr (PJ) intensiver im Curriculum zu verankern, ist das Institut im Bereich der klinischen Ausbildung schon gut vorangekommen. Schwierigkeiten gibt es, wenn für den Unterricht der Allgemeinmedizin zusätzliche Stunden im Curriculum verankert werden sollen, da diese Stunden dann anderen Fächern „weggenommen“ werden müssen. Das ist erfahrungsgemäß an allen Universitäten schwierig.

Lübeck

Aus der Forschung berichtete PD Dr. Katja Götz. Die Forschungsschwerpunkte des Instituts sind die zukünftige Gestaltung der hausärztlichen Versorgung von chronisch Erkrankten, Strategien gegen den Hausärztemangel, Arzt-Patienten-Kommunikation sowie als neuer Schwerpunkt der Einsatz von Telemedizin in der Hausarztpraxis. Es werden mittlerweile ca. 20 Promotionen bearbeitet, neue Projekte wurden akquiriert und weitere Mitarbeiter können daher noch in diesem Jahr eingestellt werden. Eine besondere Freude war, dass das Projekt „Rollende Arztpraxis“ zur Versorgung von Flüchtlingen auf dem Land den ersten Preis für Gesundheitsnetzwerker 2016 bekommen hat [3].

Prof. Jens-Martin Träder berichtete über die Lehre der Allgemeinmedizin, die nun komplett studienbegleitend alle Studierenden mit zunehmender Akzeptanz begleitet. Nach einem Rekordjahr mit 32 Studierenden im Praktischen Jahr (PJ) Allgemeinmedizin im Jahr 2013 hat sich jetzt die Zahl der PJ-ler auf 20–25 pro Jahr eingependelt. Für die möglicherweise noch in diesem Jahr zu erwartende Einführung eines ambulanten Pflichtquartals und der dadurch zu erwartenden steigenden Zahl an mündlichen Prüfungen im Staatsexamen im Fach Allgemeinmedizin müssen die Universitäten gerüstet sein und die Zahl der Prüfer aufstocken. Daher wurde erstmalig ein stark nachgefragter Prüferkurs für Kolleginnen und Kollegen aus PJ-Praxen angeboten.

Workshops

Nach dieser Plenarveranstaltung ging es in die Workshops – hier war das Angebot breit gestreut. Es gab diverse Veranstaltungen, die sich an alle Gruppen (Ärztinnen, Ärzte, MFA, Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung) gleichermaßen richteten. In allen Workshops wurde rege und engagiert diskutiert. Die Teilnehmer waren zu 70 % Ärztinnen und Ärzte, 15 % MFAs und 15 % Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung sowie einige Studierende. Die Evaluation lag mit einer Durchschnittsnote für die gesamte Veranstaltung von 1,4 im Bereich „sehr gut“ (Schulnotenskala von 1 = sehr gut bis 6 = ungenügend).

Staffelholz-Übergabe

Ein ereignisreicher Tag wurde nach neun Stunden beendet. Prof. Jost Steinhäuser hat den „Staffelstab“ von Lübeck zurück nach Kiel an Prof. Hanna Kaduszkiewicz gereicht. Dazu gehörte eine kleine Schiffsglocke für das Kieler Team, die bereits in Lübeck sehr gute Dienste zum Beenden der Pausen geleistet hatte. Im kommenden Jahr wird der dritte Tag der Allgemeinmedizin in Schleswig-Holstein in Kiel am 13. Mai stattfinden. Wir werden ihn auf vielen Kanälen ankündigen und anschließend darüber berichten.

Quellen

1. Szecsenyi J, Wiesemann A, Stutzke O, Mahler C. „Tag der Allgemeinmedizin“ – Ein Beitrag zur Entwicklung einer gemeinsamen regionalen Plattform zwischen Hausarztpraxen und einer Universitätsabteilung. Z Allg Med 2006; 86: 449–455

2. www.degam.de/tage-der-allgemeinmedizin.html

3. www.uksh.de/allgemeinmedizin-luebeck/Aktuelles.html


(Stand: 15.07.2016)

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