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Infarktpatienten mit COPD – Betablocker nicht vergessen (falls keine Kontraindikationen vorliegen)

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Betablocker zählen seit geraumer Zeit zu den evidenzbasierten, sekundärpräventiven Behandlungen nach einem Myokardinfarkt. Obwohl die meisten Studien vor der „Reperfusions-Ära“ durchgeführt wurden, zeigen deren Ergebnisse eine reduzierte Mortalität sowie ein vermindertes Risiko maligner Herzrhythmusstörungen bzw. einer Herzinsuffizienz.

Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), die einen Infarkt erleiden, gehören offenbar zu einer ausgesprochenen Risikogruppe (atypische Symptomatik, höhere Komorbidität, seltenerer Einsatz von Reperfusionstherapien und sekundärpräventiven Behandlungsoptionen).

Gemäß einer kürzlichen Untersuchung aus dem landesweiten, schwedischen Krankheitsregister SWEDEHEART liegt die adjustierte Sterblichkeitsrate dieser Population um 14 % und das Risiko einer sich neu entwickelnden Herzinsuffizienz um 35 % höher als bei Kranken ohne COPD (http://openheart.bmj.com/content/ 1/1/e000002.full?sid=67267c55–9919–41fd-9173–929bde1fa975)

Obwohl Betablocker auch bei Infarktpatienten mit COPD einen klaren Nutzen aufweisen, bestehen immer noch Befürchtungen, die Arzneimittel könnten unerwünschte respiratorische Wirkungen haben.

Aus dem bereits zitierten schwedischen SWEDEHEART-Register kommt jetzt eine Studie, die zwischen 2005 und 2010 alle nach erlittenem Infarkt aus stationärer Behandlung entlassenen COPD-Patienten mit Betablocker (n = 4.086) oder ohne Betablocker (N = 772) rekrutierte. Alle Patienten mit relativer oder absoluter Kontraindikation bez. Betablockern wurden ausgeschlossen. Endpunkt war die Gesamtsterblichkeit; die mittlere Nachverfolgungszeit betrug annähernd drei Jahre.

Die drei wichtigsten Ergebnisse kurz zusammengefasst:

Verglichen mit Kranken ohne COPD erhielten COPD-Patienten signifikant seltener einen Betablocker (15,9 vs 9,6 %, p 0,001).

Nach Adjustierung für potenzielle Störfaktoren lag die Gesamtmortalität bei der Gruppe ohne Betablo- cker statistisch signifikant um 13 % höher (HR 0,87; 95%-KI 0,78–0,98; P = 0,017).

Patienten mit einer Herzinsuffizienz in der Vorgeschichte profitierten noch stärker von der Medikation.

Natürlich lässt sich einwenden, dass es sich hier um eine Beobachtungsstudie und nicht um einen RCT handelt. Von daher verbleiben gewisse Unsicherheiten, z.B. ob Patienten nach Entlassung vielleicht doch noch Betablocker erhielten. Der große Pluspunkt der Untersuchung aber ist die landesweit vollständige Datenerfassung und die große Patientenzahl.

Dies ist übrigens nicht die erste Studie, die Vorteile einer Betablockergabe an COPD-Patienten zeigt.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine 2013 im BMJ publizierte Untersuchung aus den Daten der General Practice Research Database www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3898388/.

Auch ohne Myokardinfarkt bestehen deutliche Überlebensvorteile und eine reduzierte Exazerbationsrate http:// journals.plos.org/plosone/article?id= 10.1371/journal.pone.0113048.

Quintessenz

Vorausgesetzt, es liegen keine relativen oder absoluten Kontraindikationen vor (z.B. Bradykardie, AV-Block Grad II oder III), sollten alle COPD-Patienten nach einem Herzinfarkt mit Betablockern (z.B. Bisoprolol) behandelt werden.

Kommt ein COPD-Patient nach Infarkt wieder in die hausärztliche Praxis, sollten Sie in jedem Fall überprüfen, ob Betablocker bei den Arzneimittelempfehlungen des Entlassungsberichts auftauchen. Ist das nicht der Fall, erscheint zunächst eine Rücksprache mit dem zuständigen Krankenhaus angebracht. Gibt es keine schlüssige Begründung oder sind die wissenschaftlichen Belege unbekannt, dürfen Sie das Gewicht Ihrer hausärztlichen Kompetenz und langjährigen Kenntnis des Patienten in die Waagschale werfen ...

Andell P, Erlinge D, Smith JG. Betablocker use and mortality in COPD patients after myocardial infarction: a swedish nationwide observational study. J Am Heart Assoc 2015; 4: e001611

Abbildung: fotolia/Zerbor


(Stand: 15.07.2016)

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