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Schleef T, Klindtworth K, Jünger S, Schneider N, Krause O. „... das ist da anders als das typische hausärztliche Handeln, dieses ,abwartende Offenhalten’, das haben wir ja nicht“ – Allgemeinärzte in der Notaufnahme einer Universitätsklinik: ei

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Leserbrief von Prof. Dr. Erika Baum

Dies ist ein sehr interessanter Artikel über die Perspektiven der in der Notaufnahme an der MH Hannover eingesetzten Allgemeinmediziner/innen. Auf der Metaebene kamen mir dazu zwei Gedanken:

Das Konstrukt in Hannover verstärkt potenziell die Meinung der Kliniker und Studierenden, dass Allgemeinmedizin für die leichten Fälle (Bagatellerkrankungen) zuständig sei, die anderen Fächer aber für die komplizierten und aufwendigen Probleme.

Die Tatsache, dass 80 % der als leicht eingestuften Fälle tagsüber in die Notaufnahme ohne Überweisung kommen, sollte vielleicht nicht weiter dadurch unterstützt werden, dass man diese Menschen intensiv abklärt und ausführliche Berichte an Hausärzte schreibt. Langfristig sollte durch gemeinsame Absprachen und Regeln (einschließlich der sehr stark steuernden Vergütung) dafür gesorgt werden, dass die Fehlinanspruchnahme der Notfallambulanzen unserer Kliniken massiv reduziert und die Hausarztpraxis als der adäquate Ansprechpartner für solche Probleme wahrgenommen wird.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Erika Baum

Abt. für Allgemeinmedizin, Präventive und

Rehabilitative Medizin

Philipps-Universität Marburg

Karl-von-Frisch-Straße 4, 35043 Marburg

Tel.: 06421 28–65120

erika.baum@staff.uni-marburg.de

Antwort der Autoren

Vielen Dank für diese Kommentierung. Wir stimmen voll und ganz zu, dass die Fehlinanspruchnahme der Notaufnahmen durch Patienten, die besser in den hausärztlichen Praxen aufgehoben wären, ein ebenso zentrales wie ungelöstes Problem ist, wie auch in der Einleitung unseres Beitrages näher ausgeführt wird. „Gemeinsame Absprachen“, wie von der Leserbriefautorin vorgeschlagen, mögen mancherorts Abhilfe bringen, sind aber nach unserer Erfahrung nur begrenzt erfolgreich, insbesondere im (groß)städtischen Bereich mit einer Vielzahl von Arztpraxen und Kliniken, solange die Patienten einen weitgehend freien direkten Zugang zu den unterschiedlichen Ebenen der Gesundheitsversorgung haben. Dieses ist letztendlich eine politische Entscheidung. Eine stärkere Hausarztzentrierung und Praxisbindung von Patienten wäre in Deutschland, wie auch in den DEGAM-Zukunftspositionen formuliert [1], zweifellos sinnvoll.

Der Sorge der Leserbriefautorin, dass unsere allgemeinmedizinische Mitarbeit in der interdisziplinären Notaufnahme die Meinung der Krankenhausärzte und Studierenden verstärkt, Allgemeinmedizin sei im Gegensatz zu den anderen Fächern „nur für leichte Fälle“ da, können wir entgegentreten. Im Gegenteil wertschätzen die Kollegen anderer Fachrichtungen die breite Kompetenz, Erfahrung und Entscheidungssicherheit der Allgemeinärzte. Die in einer Notaufnahme erforderliche Triage muss nach Dringlichkeit differenzieren, und in dieser Hinsicht haben die der Allgemeinmedizin zugewiesenen Fälle naturgemäß eine geringere Priorität, was aber nicht gleichzusetzen ist mit der Komplexität der Fragestellung.

Die Studierenden erfahren die hausärztliche Medizin, wie an allen Studienstandorten, in den akademischen Lehrpraxen außerhalb der Universität z.B. in dem obligatorischen zweiwöchigen Blockpraktikum. Unsere Mitarbeit in der Notaufnahme ist dafür in keiner Weise Ersatz, sondern bietet z.B. im Rahmen von Hospitationstagen eine zusätzliche Möglichkeit des Kontakts mit praxiserfahrenen Allgemeinmedizinern.

Eine „intensive Abklärung“ der Patienten, wie von der Leserbriefautorin vermutet, findet in unserem Modell gerade nicht statt. Wie im Artikel beschrieben, erfolgt die Leistungserbringung nur im Rahmen der gesetzlich definierten Notfall-Erstversorgung. Für die qualifizierte Informationsübermittlung an die ambulanten Weiterbehandler ist ein aussagekräftiger Arztbrief unerlässlich. Gerne verweisen wir auch auf eine weitere zwischenzeitlich publizierte Arbeit zu dem Thema, in der unser Konzept näher vorgestellt wird [2].

Korrespondenzadresse

Dipl.-Med. Päd. Tanja Schleef, MPH

Institut für Allgemeinmedizin

Carl-Neuberg-Straße 1

30625 Hannover

Tel.: 0511 532–5855

schleef.tanja@mh-hannover.de

Literatur

1. www.degam.de/files/Inhalte/Degam-Inhalte/Ueber_uns/Positionspapiere /DEGAM_Zukunftspositionen.pdf (letzter Zugriff am 03.06.2016)

2. Schleef T, Schneider N, Tecklenburg A, Junius-Walker U, Krause O. Allgemeinmedizin in einer universitären Notaufnahme – Konzept, Umsetzung und Evaluation. Gesundheitswesen 2016; Apr 07


(Stand: 15.07.2016)

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