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Reflexionen eines Landarztes und Lehrenden

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Die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung beschäftigt zurzeit viele Menschen: Patientinnen und Patienten, die sich um die Nachfolge ihrer alternden Hausärzte sorgen, Verantwortliche der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Politik, Wissenschaftler, Universitätsangehörige und natürlich die Hausärztinnen und Hausärzte selbst. Was letztere genau tun, mit welchen Problemen sie konfrontiert werden und wie sie ihre Arbeit reflektieren, das ist selbst überzeugten Unterstützern der Allgemeinmedizin manchmal nicht ganz klar.

In seinem Buch mit dem Titel „Doktor, ich brauche Ihre Hilfe!“ möchte Rüdiger Weisbach diesbezüglich Abhilfe schaffen. Er möchte den „Wert des Hausarztes in unserer Gesellschaft“ darstellen und einen Beitrag dazu leisten, den „Verlust des Berufsstandes Hausarzt“ zu verhindern. Positiv ausgedrückt möchte er für die hausärztliche Versorgung werben – in der breiten Öffentlichkeit und bei jungen Ärztinnen und Ärzten.

In zehn Kapiteln erläutert Weisbach, langjähriger Hausarzt und Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin an der Universität Bonn, allgemeine Aspekte ärztlicher Arbeit, wie die Wandlung des Arztbildes, die finanzielle Aufstellung einer Hausarztpraxis, die Praxisorganisation und das Vorgehen bei der ärztlichen Untersuchung. Insgesamt 30 in das gesamte Buch eingearbeitete Patientenfälle schaffen eine praktische Basis für die Reflexionen. Zusätzlich finden sich Hervorhebungen: „Vorteil Hausarzt“ weist auf Aspekte hin, die die Bedeutung des Hausarztes betonen, „Tipp für Patienten“ erklärt sich von selbst.

Die Leserinnen und Leser können sich aus dem Buch heraussuchen, was sie interessiert. Am eingängigsten sind die Patientenfälle. Hier wird Neugier befriedigt und man taucht in verschiedenste Patienten- und Lebenswelten ein. Anhand der Fälle wird die Breite der hausärztlichen Versorgung deutlich, weg vom Klischee des nur Schnupfen und Husten behandelnden Hausarztes, das viele (nicht nur Politiker) leider noch im Kopf haben. Die Reflexion der Patientenfälle durch den Autor ermöglicht über die Patientengeschichten hinaus Einblicke in das Denken des Arztes. Die darüber hinaus reichenden theoretischen Erläuterungen der Grundlagen der hausärztlichen Tätigkeit sind hingegen eher etwas für an der Thematik spezifisch Interessierte und sicher auch gebildetere Menschen. Emotional ist das Buch positiv, die Bedeutung der hausärztlichen Versorgung bekräftigend, zuweilen aber auch leicht deprimiert, wenn z.B. die Bedrohung der Arzt-Patient-Beziehung durch verschiedenste gesellschaftliche Entwicklungen thematisiert wird. Der Titel „Doktor, ich brauche Ihre Hilfe“ wirkt daher gelegentlich auch als ein Hilferuf der Allgemeinmedizin.

Zusammenfassend ist das Buch ein persönliches Dokument des Handelns und Denkens eines sehr erfahrenen, hausärztlichen Landarztes und Lehrbeauftragten. Es ist geeignet für Leserinnen und Leser, die sich aus beruflichen oder privaten Gründen für die Allgemeinmedizin interessieren, oder einfach neugierig sind, mit welchen Problemen Hausärztinnen und Hausärzte tagtäglich umgehen und wie sie sie lösen. Wahrscheinlich ist das Buch auch gut als Geschenk geeignet, an Politikerinnen und Politiker, damit sie mehr Beispiele für hausärztliche Versorgung parat haben als die Behandlung von Husten und Schnupfen.

Wolf Rüdiger Weisbach

„Doktor, ich brauche Ihre Hilfe!“

Der Patient und sein Hausarzt

196 Seiten, Hardcover

München: medizin + medien Verlag GmbH 2016

ISBN 978–3981792102

Preis 18,90 Euro

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Hanna Kaduszkiewicz

Institut für Allgemeinmedizin

Medizinische Fakultät

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Michaelisstraße 5, Haus 17, 24105 Kiel

Tel.: 0431 597–2226

kaduszkiewicz@allgemeinmedizin.uni-kiel.de


(Stand: 18.07.2017)

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