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Der Riechsinn im alltäglichen Leben

DOI: 10.1055/s-0028-1082074

Der Riechsinn im alltäglichen Leben

348 CME CME-Fortbildung Der Riechsinn im alltäglichen Leben The Sense of Smell in Daily Life S. Steinbach1, W. Hundt2, T. Zahnert1 Schlüsselwörter Riechen Physiologie Riechtestung Riechstörungen Therapie Key words olfaction physiology smell test Anosmia therapy Zusammenfassung & Ein intaktes Riechsystem wirkt sich in allen Bereichen des Lebens aus, sei es bei der Entstehung von neuem Leben, bei der Partnerwahl, bei der täglichen Hygiene, bei der Nahrungsaufnahme oder bei der Wahrnehmung von Gefahrensituationen durch Gas und Rauch. Gerüche werden am besten im jugendlichen bis mittleren Lebensalter wahrgenommen. Gerade im höheren Alter lässt die Regeneration der Riechrezeptorzellen nach und es kommt nicht selten zu einem zunehmenden Geruchsverlust. Ein kompletter Geruchsverlust im Sinne einer funktionellen Anosmie trifft 5 % der allgemeinen Bevölkerung; bei den über 65-Jährigen steigt der Anteil sogar auf 10 %. Riechstörungen sind daher kein seltenes Problem. Die vorliegende Fortbildung gibt einen Überblick über die Physiologie des Riechens, die Riechtestung, spezielle Riechstörungen sowie ihre Therapie und allgemeine Empfehlungen für Betroffene. Lernziele & Mit zunehmender Alterung der Bevölkerung wird das Problem der Riechminderung steigen und immer mehr Patienten ärztlichen Rat zu dieser Frage wünschen. Durch die Bearbeitung dieser Fortbildung soll die Fähigkeit verbessert werden: § eine Anamnese sowie ein Screening-Test bei Patientinnen und Patienten mit einer Riechstörung sicher durchzuführen. § die Entstehungsursache einer Riechstörung zu klassi?zieren. § an schwerwiegende Erkrankungen (wie z. B. die Alzheimer-Demenz, den Morbus Parkinson) zu denken und diese weiter abzuklären. § Betroffene gut zu beraten. Peer reviewed article eingereicht: 20.03.2008 akzeptiert: 03.07.2008 Bibliogra?e DOI 10.1055/s-0028-1082074 Z Allg Med 2008; 84: 348–362 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 1433-6251 Korrespondenzadresse Dr. med. S. Steinbach Hals-Nasen-Ohrenklinik und Poliklinik der Medizinischen Fakultät „Carl Gustav Carus“ der Technischen Universität Dresden Fetscherstr. 74 01307 Dresden S.Steinbach@lrz.tum.de Auswirkungen und Häu?gkeit von Riechstörungen & Ein intaktes Riechsystem wirkt sich in allen Bereichen des Lebens aus. Schon bei der Entstehung von neuem menschlichen Leben spielen Duftstoffe eine essenzielle Rolle. Spehr et al. [1] fanden heraus, dass menschliche Spermien Riechrezeptoren tragen, die sie möglicherweise auf gezieltere Art und Weise zur Eizelle bringen [1, 2]. Auch im weiteren menschlichen Leben spielt der Geruchssinn eine große Rolle z. B. bei der Partnerauswahl [3], bei der Wahrnehmung von Gefahrensituationen (Gas und Rauch) [4] oder bei der täglichen Hygiene (Wahrnehmung des eigenen Körpergeruchs). Temmel et al. [5] untersuchten 278 Patienten mit einer Riechminderung bzw. mit einem Geruchsverlust. Nahezu alle Patienten klagten über Einschränkungen in ihrer Lebensqualität, bedingt durch die gestörte Riechleistung. Am häu?gsten wurde über Probleme beim Kochen geklagt (73 %), über Stimmungsveränderungen (68 %), über verminderten Appetit (56 %), über das Essen von verkochten Speisen (50 %) und damit über die Freude am Essen, über die verminderte Wahrnehmung des eigenen Körpergeruchs (41 %) und über das 1 Hals-Nasen-Ohrenklinik und Poliklinik der Medizinischen Fakultät „Carl Gustav Carus“ der Technischen Universität Dresden 2 Institut für klinische Radiologie, Ludwig-Maximilians-Universität München Steinbach S et al. Der Riechsinn im alltäglichen … CME 2008; 84: 348–362 CME-Fortbildung CME Riechstörungen führen zu einer Einschränkung der Lebensqualität wie z. B. Freude am Essen, verminderter Appetit, Fehlernährung, Stimmungsveränderungen, verminderte Wahrnehmung des eigenen Körpergeruchs oder von Gefahrensituationen (Gas und Rauch). Frauen riechen besser als Männer; ab dem 60. Lebensjahr nimmt das Riechvermögen deutlich ab. Ein annähernd kompletter Geruchsverlust trifft 5 % der allgemeinen Bevölkerung und 10 % der über 65-Jährigen. 349 Essen von verbrannten Speisen (30 %). Es kann infolge einer Riechstörung zu Fehlernährung kommen [6, 7]. Manche Patienten mit einem Geruchsverlust essen bedingt durch Probleme beim Kochen und eine verminderte Freude am Essen weniger und verlieren an Gewicht [8]. Andere Patienten essen hingegen mehr [9]. Letzteres hängt damit zusammen, dass der Geschmack für die Qualitäten süß, sauer, salzig und bitter zuständig ist – über den Geruchsinn werden Aromata wahrgenommen. Fällt der Geruchssinn aus, können Patienten dazu neigen, mehr süße Nahrungsmittel zu essen und zu trinken [9], mehr Knoblauch und Salz in die Speisen zu mischen oder mehr zu würzen [8], um überhaupt etwas beim Essen wahrzunehmen. Es ist bekannt, dass Frauen in jedem Lebensalter besser riechen können als Männer [10]. Die Identi?kation von Gerüchen ist am besten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr und nimmt ab dem 60. Lebensjahr deutlich ab [10]. Eine funktionelle Anosmie, also ein annähernd kompletter Geruchsverlust, tritt bei ca. 5 % der Bevölkerung auf [11]. Werden die untersuchten Probanden nach dem Lebensalter aufgeschlüsselt, dann zeigt sich eine Anosmie bei mehr als 10 % der über 65-Jährigen. Laut WHO ist die Prävalenz von Diabetes mellitus in der Altersgruppe von 55 bis 64 Jahren bei 8,4 % und auch die mittel- bis höhergradige Innenohrschwerhörigkeit ist laut Literatur in vergleichbarer Häu?gkeit wie eine Anosmie im Alter. Trotzdem wird über einen Geruchsverlust im Alter weniger gesprochen als über Diabetes mellitus oder eine Innenohrschwerhörigkeit. Aufgrund der zunehmenden Alterung der Bevölkerung und der damit zunehmend beklagten Riechstörung ist es wichtig, dem Riechsinn mehr Beachtung zu schenken. Physiologie des Riechens & Zunächst müssen die Duftstoffmoleküle zum Riechepithel gelangen, welches sich im Bereich der Lamina cribrosa beidseits be?ndet und sich auf den oberen Nasenseptumanteil und bis zur mittleren Nasenmuschel ausdehnt [12, 13]. Für den Transport der Duftmoleküle ist ein Luftstrom nötig. Beim Einatmen durch die Nase werden turbulente Strömungen erzeugt, die die Duftmoleküle in die Riechspalte leiten. Beim Ausatmen können sie aus der Nahrung im Rahmen des sogenannten „retronasalen Riechens“ zum Riechepithel gelangen. Es wird geschätzt, dass 80 % der Information über die zugeführte Nahrung durch das Riechen vermittelt werden [14]. Weiterhin ist für die Wahrnehmung von Nahrung der visuelle, taktile (Halten von Nahrung im Mund), akustische (Kaugeräusche), trigeminale und gustatorische Sinn wichtig. Die Duftmoleküle müssen dann den nasalen Schleim passieren. Hydrophile Duftstoffmoleküle passieren den Mukus leicht, hydrophobe Duftmoleküle werden wahrscheinlich an ein TrägerProtein, das sogenannte „odorant-binding“-Protein, gekoppelt und gelangen so zu den olfaktorischen Rezeptorneuronen im Riechepithel. Wird ein olfaktorisches Rezeptorneuron, welches eine Lebensdauer von einigen Wochen hat und aus Basalzellen regeneriert werden kann, durch ankoppelnde Duftmoleküle aktiviert, wird die Erregung über sein Axon weitergeleitet. Mehrere Axone vereinen sich zu den Filae olfactoriae, gelangen durch die Lamina cribrosa und enden in den Mitralzellen des Glomerulus im Bulbus olfactorius. Ein Duft stimuliert verschiedene olfaktorische Rezeptorneurone, diese stimulieren ein bestimmtes Ensemble von Glomeruli, sodass bereits auf der Basis des Bulbus olfactorius eine gewisse Erkennung von Düften vorhanden ist. Es ist ebenso bekannt, dass bei einer Zunahme einer Duftstoffkonzentration zusätzliche Glomeruli stimuliert werden, die von den bereits aktivierten Glomeruli bei niedriger Konzentration weit entfernt liegen [15]. Von den Mitralzellen im Bulbus olfactorius ziehen die Axone als Tractus olfactorius zum olfaktorischen Cortex. Erste Verarbeitungsstation ist der Nucleus olf. ant., der piriforme Cortex, die Amygdala und der entorhinale Cortex. Nachgeschaltet sind u. a. die orbitofrontale Rinde, Hippocampus, Hypothalamus, ant. Cingulum, insulärer Cortex sowie Nucleus accumbens. Die Riechbahn zeichnet sich durch 3 Charakteristika aus: 1. Die Projektion ist nahezu ipsilateral. 2. Das Signal erfährt keine thalamische Modulation auf dem Weg zum Riechkortex. 3. Es besteht eine intime Überlappung mit dem limbischen System (direkte Verbindung zwischen Bulbus und Amygdala sowie entorhinalem Cortex), sodass der Geruchssinn eine wichtige Rolle bei Erinnerungen und Emotionen spielt. Duftmoleküle aktivieren olfaktorische Rezeptorneurone im Riechepithel, welche die Erregung an Mitralzellen im Bulbus olfactorius weiterleiten. Von dort wird der olfaktorische Cortex aktiviert. Anamnese zur Abklärung einer Riechstörung & Eine ausführliche Anamnese erleichtert häu?g die Klassi?kation einer Riechstörung. Es ist wichtig, nach einem auslösenden Ereignis zu fragen, wie z. B. einem Infekt des oberen Respirationstraktes oder einem Kopftrauma. Auch nach der zeitlichen Entwicklung sollte gefragt werden, z. B.: Ist die Riechstörung seit Geburt vorhanden? Entwickelt sich die Abnahme des RiechSteinbach S et al. Der Riechsinn im alltäglichen … CME 2008; 84: 348–362 Eine ausführliche Anamnese erleichtert häu?g die Klassi?kation einer Riechstörung. 350 CME CME-Fortbildung vermögens schleichend in den letzten Jahren? Ist die Riechstörung intermittierend vorhanden? Folgte die Riechstörung unmittelbar auf einen Infekt der oberen Atemwege oder lag eine symptomfreie Zeit dazwischen? Ebenso sind begleitende Symptome wichtig, wie z. B. eine behinderte Nasenatmung, nasale Sekretion, Epistaxis, sowie die Frage nach internistischen und neurologischen Begleiterkrankungen. Die Erhebung früherer Operationen (z. B. eine NNH-OP bei Polyposis nasi oder eine Septumkorrektur) sind ebenso wichtig wie die Medikamenteneinnahme oder die Gefahr einer einwirkenden Noxe. Auf die Anamnese folgt immer eine Riechtestung. Testung des Riechvermögens & Der Standard zur quantitativen Untersuchung des Riechvermögens im deutschsprachigen Raum ist das „Snif?n’ Sticks“-Verfahren. Neben einem ScreeningTest gibt es eine ausführliche Testung von Identi?kation, Diskrimination und Schwellenwert. Der Standard zur quantitativen Untersuchung des Riechvermögens im deutschsprachigen Raum ist das „Snif?n’ Sticks“-Verfahren, welches im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft für Olfaktologie und Gustologie der Deutschen HNO-Gesellschaft von Kobal und Mitarbeitern entwickelt wurde [16]. Dabei werden sog. „Riechstifte“ nach Abnehmen der Stiftkappe für 3 s etwa 2 cm unter die Nase gehalten. Zwischen der Präsentation der einzelnen Gerüche muss ein Abstand von mindestens 20 s liegen. Der Test besteht aus 2 Stufen: Einem-Screening-Identi?kationstest und einem ausführlichen Verfahren mit Identi?kations-, und Diskriminationstest sowie einer Schwellentestung von Düften ( Abb. 1). Beim Screening-Identi?kationstest werden 12 Stifte mit verschiedenen überschwelligen Düften angeboten. Die Testperson muss aus einer Liste von 4 Antwortmöglichkeiten einen Duft auswählen. Der Test dauert ca. 5 min, kontaminiert den Untersuchungsraum kaum und ermöglicht eine erste Unterscheidung zwischen normalem, reduziertem und fehlendem Riechvermögen. Laut Hummel et al. [17] liegt bei einem Score von 1 bis 6 der Verdacht auf eine Anosmie und bei 7–10 auf eine Hyposmie vor, Werte von 11 und 12 gelten als normale Leistung. Bezogen auf die verschiedenen Altersgruppen und eine Standardabweichung vom Mittelwert ergeben sich aber Unterschiede. So liegt der Cut-off-Wert für eine gestörte olfaktorische Leistung (Anosmie oder Hyposmie) für unter 11- bis 20-Jährige bei ? 8, für 21- bis 30-Jährige bei ? 9, für 31- bis 50-Jährige wieder bei ? 8, für 51- bis 70-Jährige bei ? 7 und für über 70-Jährige bei ? 6. Dabei muss gesagt werden, dass die Größe der Normstichprobe u. a. in den extremen Altersgruppen (< 11 und >70) sehr klein ist. Die Riechstifte sind für 12 Monate oder mindestens 400 Untersuchungen verwendbar. Der Screening-Test mit 12 Stiften kostet derzeit 59,50 € (ohne Halterung und Bedienungsanleitung, Firma Burghart, Wedel). Um das individuelle Riechvermögen exakt zu bestimmen, ist jedoch das ausführliche Testverfahren nötig mit Diskriminations-, Identi?kations-, und Schwellentestung, welches ca. 30– 40 min dauert und zur Durchführung medizinisches Personal erfordert. Beim Diskriminationstest werden 16 verschiedene Stiftetriplets mit überschwelligen Düften angeboten. Jedes Triplet besteht aus 2 Stiften, die gleich riechen, und einem Stift, der verschieden riecht. Letzteres muss herausgefunden werden. Der Identi?kationstest besteht aus 16 überschwelligen Gerüchen, die – genau wie beim Screening-Test – aus einer Liste von jeweils 4 Antworten erkannt werden müssen. Bei der Bestimmung der Riechschwelle werden ebenfalls 16 Stiftetriplets ein- Abb. 1 Das Snif?n’ Sticks – Testverfahren. Steinbach S et al. Der Riechsinn im alltäglichen … CME 2008; 84: 348–362 CME-Fortbildung CME 351 gesetzt. Jedes Triplet enthält 2 geruchslose Stifte und einen Stift mit n-Butanol in 16 verschiedenen Konzentrationen. Die Triplets werden mehrfach in auf- und absteigender Verdünnungsreihe angeboten, um so aus 7 Wendepunkten die Erkennungsschwelle zu ermitteln. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt in seiner Wiederverwendbarkeit, in seiner Sensitivität und in seiner guten Validierung. Zuletzt wurden 2007 Normwerte für verschiedene Altersgruppen ab 5 Jahren publiziert [18]. Patienten mit einem kompletten Geruchsverlust können bei der Schwellenbestimmung das n-Butanol nicht erkennen und haben einen Testwert von 0; Patienten mit einer Geruchsminderung erreichen Werte von 1–5,25 [19]. Beim Diskriminationstest liegen die Werte beim kompletten Geruchsverlust zwischen 0–8, bei einer Geruchsminderung bei 9–10 [19]. Patienten, die in allen 3 Tests einen Wert von 0 haben, sind verdächtig, einen Geruchsverlust zu simulieren. Die Kombination aus den Ergebnissen der 3 Tests gibt einen genauen Aufschluss über die vorhandene Riechleistung der getesteten Person und kann möglicherweise differentialdiagnostische Hinweise liefern. Während die Schwellenmessung eher die Funktion des peripheren olfaktorischen Systems widerspiegelt [20, 21], sind bei der Testung der Identi?kation und Diskrimination kognitive Leistungen (z. B. Gedächtnis, sprachliche Fähigkeiten) erforderlich. Dies muss u. a. bei der Testung von Patienten mit sprachlichen Problemen berücksichtigt werden. Bei einer Alzheimer-Demenz [22] oder bei einer leichten kognitiven Störung (LKS) [23] z. B. nimmt vor allem die Identi?kation von Duftstoffen ab. Im Alter lässt die Regeneration des Riechepithels nach, insofern ist der Wert bei der Schwellentestung am stärksten betroffen [18]. Bei sinunasalen Erkrankungen zeigt sich ein verminderter Schwellenwert bei annähernd normalen Werten für die Identi?kation und Diskrimination [24]. Der Diskriminationstest hat den Vorteil, keine exakte sprachliche Benennung des Duftreizes zu benötigen und ist somit auch für nicht deutschsprachige Patienten geeignet. Nachteilig ist die lange Dauer des ausführlichen Tests, der teilweise notwendige Einsatz von medizinischem Personal zur Durchführung, die aktive Mitarbeit der Testperson sowie der Preis (alle 3 Tests mit Halterungen und Bedienungsanleitungen derzeit 622,50 €; Firma Burghart, Wedel). Die meisten anderen gängigen Riechtests stützen sich rein auf die Identi?kation von Duftstoffen. Der UPSIT (University of Pennsylvania Smell Identi?cation Test) ist ein überschwelliger Identi?kationstest mit 40 Düften. Seit 2000 ist eine geringfügig veränderte deutsche Version erhältlich. Der Duftstoff ist in Mikrokapseln enthalten und wird in standardisierter Menge durch Übermalen mit einem Bleistift freigesetzt (Scratch-and-Sniff-Test). Zur Beantwortung muss der Patient im Multiple-Choice-Verfahren aus 4 Antwortmöglichkeiten eine Richtige auswählen. Bei einem kompletten Geruchsverlust sollten 6–18 Duftstoffe im Test korrekt identi?ziert werden, ein Gesunder sollte 34–40, eine Gesunde 35–40 Duftstoffe korrekt identi?zieren [25]. Der Test kann selbstständig durchgeführt werden, dauert 30 min, ist gut validiert und 2 Jahre lagerbar. Nachteil des UPSIT ist, dass er nur die Identi?kation erfasst, nicht wiederverwertbar und eher teuer ist (derzeit 26,95 $ pro Patient, Sensonics, USA). Der B-SIT (Brief Smell Identi?cation Tests) oder CC-SIT (Cross-Cultural Smell Identi?cation Test) hat 12 Duftstoffe und stellt eine Auswahl des UPSIT dar. Er dauert als Screening-Test nur 9 min, kann zwischen normalem Riechvermögen und Riechverlust unterscheiden, nicht jedoch den Grad des Riechverlustes bestimmen. Er ist eher teuer (12,95 $ pro Patient, Sensonics, USA). Beim Züricher Riechtest/Screening-Test müssen 8 Duftstoffe identi?ziert werden. Jeweils ein Duftstoff be?ndet sich in einer Riechdiskette, die durch Auseinanderziehen ihrer beiden Hälften geöffnet wird, sodass der Duftstoff freigesetzt wird. Der Test wird im Multiple-Choice-Verfahren beantwortet, indem der Patient aus jeweils 3 in Schrift und Bild dargestellten Antwortmöglichkeiten wählt. Ein Gesunder kann in der Regel 7–8 Riechstoffe identi?zieren und lässt sich von Patienten mit komplettem Riechverlust unterscheiden, nicht jedoch von Patienten mit Riechminderung. Nach Gebrauch werden die Diskettenhälften wieder zusammengeschoben, und die Riechdiskette kann wiederverwendet werden. Die Riechdisketten müssen nach 6 Monaten ausgewechselt werden und kosten pro Satz (8 Disketten) derzeit 278 Schweizer Franken (Firma Novimed, Dietikon, Schweiz). Problematisch ist die nicht hinreichende Validierung des Testes. Der Aachener Rhinotest war lange Zeit ein retronasaler Identi?kationstest. Seit Kurzem ist die Produktion von der Firma Vostra jedoch eingestellt und der Test kann nicht mehr käu?ich erworben werden. Neben den genannten Funktionen der Geruchswahrnehmung (Schwelle), Identi?kation und Diskrimination gibt es noch andere Leistungen (z. B. Geruchsgedächtnis, hedonische Bewertung, Priming), für die jedoch noch keine standardisierten und normierten Testverfahren zur Verfügung stehen. Zur objektiven Messung des Riechvermögens ist ein relativ höherer apparativer Aufwand nötig. Bei der Ableitung von olfaktorisch evozierten Potenzialen bläst ein Olfaktometer kontinuierlich angewärmte, angefeuchtete Luft in die Nase. Alle 30–40 s wird die nicht riechende Luft für etwa 200 ms mit riechender Luft vertauscht, sodass sich in der Nase innerhalb von 20 ms die Luft verändert und ein sog. ereigniskorreliertes Potenzial aus dem EEG ge?ltert werSteinbach S et al. Der Riechsinn im alltäglichen … CME 2008; 84: 348–362 Zur objektiven Messung des Riechvermögens (wissenschaftliche und gutachterliche Fragestellungen) kann eine Ableitung von olfaktorisch evozierten Potenzialen mittels Olfaktometer vorgenommen werden. 352 CME CME-Fortbildung den kann. Die Untersuchungsdauer beträgt ca. 1 Stunde und ist in einer Reihe von Zentren für wissenschaftliche und gutachterliche Fragestellungen verfügbar. Funktionell bildgebende Verfahren mit fMRT oder PET sind derzeit hauptsächlich zur topogra?schen Analyse der Aktivierung des menschlichen olfaktorischen Kortex eingesetzt; beide Verfahren sind noch nicht routinemäßig im klinischen Einsatz. Weitere Diagnostik & Eine weiterführende Diagnostik erfolgt in Kooperation mit dem HNO-Arzt, dem Neurologen, dem Psychiater oder dem Internisten. Bei jeder anamnestischen Riechstörung sollte zunächst ein Screening-Test durchgeführt werden. Bei auffälligem Ergebnis sind eine ausführlichere Testung und eine HNO-ärztliche Spiegeluntersuchung notwendig. Insbesondere die Nasenendoskopie mit Untersuchung der Riechspalte und die Nasopharyngoskopie sind wichtig, um unter vielen anderen Möglichkeiten z. B. eine Polyposis nasi auszuschließen. Eine Bildgebung mittels koronarer Computertomogra?e der Nasennebenhöhlen kann hilfreich sein, um die Schädelbasis, den Zugang zur Riechspalte sowie Erkrankungen der Nasennebenhöhlen zu beurteilen. Auch ein Allergietest oder eine Rhinomanometrie kann weitere Informationen geben. Bei der anterioren Rhinomanometrie wird die Luftdurchgängigkeit der Nase geprüft. Neben der Bildgebung der Nasennebenhöhlen und der Rhinobasis ist immer auch an intrakranielle Ursachen für eine Riechstörung zu denken. Eine Magnetresonanztomogra?e (MRT) des Kopfes ist vielfach empfehlenswert insbesondere nach einem Trauma, zum Ausschluss einer neurologischen Genese oder wenn überhaupt keine erklärliche Ursache für die Riechstörung vorliegt. Bei Verdacht auf Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson ist eine Riechtestung hilfreich, dies ist allerdings noch nicht in einem hausärztlichen Setting validiert worden. Die neurologische, neuropsychologische und psychiatrische Untersuchung sollte hier im Vordergrund stehen. Spezielle Riechstörungen & Neben der häu?gen Abnahme des Riechvermögens im Alter gibt es eine Anzahl an speziellen Ursachen, die in allen Altersklassen auftreten können und mittels einer genauen Anamnese oftmals zuzuordnen sind. Die Klassi?kation der Riechstörungen kann zum einen nach Qualität und Quantität ( Abb. 2a) oder nach der Entstehungsursache erfolgen ( Abb. 2b). Die sinunasalen Erkrankungen sind mit Abstand am häu?gsten und für schätzungsweise 3 Viertel der Riechstörungen verantwortlich ( Abb. 3) [26]. Unter den speziellen Riechstörungen sind die sinunasalen Erkrankungen am häu?gsten und für schätzungsweise 3 Viertel der Riechstörungen verantwortlich. Sinunasale Riechstörung Bei der sinunasalen Riechstörung kann der Duftstoff das Riechepithel nicht erreichen bzw. ist die Funktion des Riechepithels aufgrund einer Entzündung gestört. Neben einer operativen Sanierung kann therapeutisch der Einsatz von oralen Steroiden oder topischen Steroiden – verabreicht in der Mekkastellung – hilfreich sein. Bei der sinunasalen Riechstörung kann der Duftstoff das Riechepithel nicht erreichen bzw. ist die Funktion des Riechepithels aufgrund einer Entzündung gestört. Bei Frakturen des Nasenbeins oder des Mittelgesichts kann sich eine operative Sanierung zur Besserung des Riechvermögens anbieten. Bei einer Polyposis nasi kommt es häu?g zu einer intermittierenden Riechstörung, je nachdem wie die nasalen Polypen gerade die Riechspalte bzw. das Riechepithel für Duftmoleküle freigeben. Die Prävalenz für eine Polyposis nasi liegt allgemein bei etwa 2 %; im Alter über 60 Jahre bei etwa 5 % [27, 28]. Eine endonasale Nasennebenhöhlenoperation mit Entfernung der nasalen Polypen wirkt sich positiv auf das Riechvermögen aus besonders bei Patienten mit starker Polyposis nasi oder einer Aspirinintoleranz [29, 30]. Prinzipiell ist jedoch durch eine Operation ein normales Riechvermögen mit weniger als 40 % Wahrscheinlichkeit zu erwarten [31] und das Riechvermögen geht oftmals innerhalb eines Jahres auf das präoperative Niveau zurück [32]. Auch die Gabe von Antibiotika oder oralen Steroiden postoperativ verbessert das Riechvermögen nicht wesentlich [33]. Als kurzzeitige, konservative Therapie bei sinunasalen Riechstörungen bietet sich die Gabe von oralen Steroiden an [34]. Die deutsche Gesellschaft für Riechen und Schmecken emp?ehlt ein absteigendes Schema über 12–14 Tage beginnend mit 60 mg Prednisolonäquivalent. Die Effektivität von topischen Steroiden bei Riechstörungen in der Form von Sprays ist weiterhin umstritten [33, 35]. Wenn die Gabe trotzdem geplant ist, sollte das Nasenspray in der Mekkastellung verabreicht werden, um zu bewerkstelligen, dass das Medikament an das Riechepithel gelangen kann [36, 37] ( Abb. 4). Steinbach S et al. Der Riechsinn im alltäglichen … CME 2008; 84: 348–362 CME-Fortbildung CME 353 a Abb. 2 a Klassi?kation der Riechstörungen nach Quantität und Qualität. b Klassi?kation der Riechstörungen nach der Entstehungsursache. b sinunasal konduktivrespiratorisch entzündlich nicht entzündlich . chronische Nasennebenhöhlenentzündungen . Allergien anatomisch . Septumdeviation . posttraumatische Nasenveränderungen . Nasen-/Nasennebenhöhlentumoren . Adenoide .. Stenosen (z. B. Choanalatresie) . Laryngektomie nicht . nasale Hyperreaktivität im Rahmen einer anatomisch Arzneimittelnebenwirkung (kongestiv) . nerval-reflektorisch bedingt . im Rahmen eines Kopftraumas . im Anschluss an akute Infekte der oberen Luftwege . infolge akuter oder chronischer Noxenexposition (Nikotinabusus, Medikamente) Riechstörung zeitlebens Riechstoff erreicht Rezeptorzelle nicht nichtsinunasal, sensorineural posttraumatisch post-viral toxisch angeboren (kongenital) Störung von der Rezeptorzelle zum Cortex .. Kallmann-Syndrom (Aplasie / Hypoplasie des Bulbus olfactorius bei hypogonadalem Hypogonadismus) .. isolierte kongenitale Anosmien neurologisch . Morbus Alzheimer .. Morbus Parkinson . Encephalomyelitis disseminata . Hirntumoren, z. B. Meningeome .. zentrale Blutungen internistisch . Diabetes mellitus . Hypothyreoidismus .. Leber- und Nierenerkrankungen Riechstörung ohne herauszufindende Ursache, Ausschluss aller oben genannten Ursachen von Riechstörungen idiopathisch Toxisch 2% Angeboren 1% Iatrogen 3% Schädelhirntrauma 5% Idiopathish 6% Abb. 3 Häu?gkeitsverteilung der Riechstörungen. Postviral 11% Entzündungen der Nase / Nebenhchlen 53% Respiratorisch 19% Posttraumatische Riechstörungen Es gibt 3 grundlegende Mechanismen für eine Riechstörung infolge eines Traumas. Erstens kann durch eine Mittelgesichts-, oder Schädelbasisfraktur eine direkte Verletzung des Riechepithels vorliegen oder durch eine behinderte Nasenatmung und Verlegung der Riechspalte eine Riechstörung vorliegen (z. B. Hämatom, Ödem, Vernarbungen, Frakturfragmente). Zweitens können vor allem bei einem Sturz auf den Hinterkopf möglicherweise die Filae olfactoriae durch Scherbewegungen überdehnt werden oder sogar abreißen [38]. Drittens kann es zu einer Blutung oder Kontusion im Bereich des Riechkortex kommen. Posttraumatische Riechstörungen werden in relativ engem zeitlichen Zusammenhang mit dem Trauma, häu?g aber auch erst nach einem gewissen Intervall im häuslichen Umfeld bemerkt (aufgrund einer Bewusstlosigkeit, parenteraler Ernährung usw.). Eine Riechstörung tritt in bis zu 14–27 % der Kopftraumata ein [39] und korreliert zur Schwere des Unfalls und der Glasgower Komaskala [40]. Die Möglichkeit einer Spontanverbesserung ist innerhalb der ersten 6–12 Monate am größten; nach 2 Jahren liegt die Besserungswahrscheinlichkeit bei 10 % [39, 41]. Neben der operativen Versor- Eine Riechstörung tritt in bis zu 14–27 % der Kopftraumata ein. Eine Spontanverbesserung ist innerhalb der ersten 6–12 Monate am größten. Steinbach S et al. Der Riechsinn im alltäglichen … CME 2008; 84: 348–362 354 CME CME-Fortbildung Abb. 4 Mekkastellung. Neben der operativen Versorgung kann Cortison oder ein Riechtraining über 4 Monate hilfreich sein. Jeder akute Infekt der oberen Atemwege kann nachfolgend zu einer Riechstörung führen. Bei 2 Drittel der Betroffenen kommt es innerhalb der ersten 2 Jahre zu einer Spontanerholung. Therapeutisch kann neben Cortison ein Riechtraining über 4 Monate hilfreich sein. gung kann möglicherweise der Einsatz von Cortison [42, 43] oder ein intensives Riechtraining über 4 Monate von Nutzen sein [44]. Postvirale Riechstörungen Jeder akute Infekt der oberen Atemwege kann nachfolgend zu einer Riechstörung führen. Die höchste Inzidenz hierfür liegt zwischen den Monaten März bis Mai [45]. Die Viren führen zu einer Schädigung des olfaktorischen Epithels. Da im Alter die Regenerationsfähigkeit der olfaktorischen Rezeptorneurone nachlässt, sind vor allem ältere Menschen (>50 Jahre, Frauen >Männer) durch diese Art der Riechstörung gefährdet. Bei 2 Drittel der Betroffenen kommt es innerhalb der ersten 2 Jahre zu einer Spontanerholung und Regeneration; diese ist jedoch meist unvollständig [46]. Hilfreich kann die Gabe von Cortison [47] und ebenfalls das intensive Riechtraining über 4 Monate sein [44]. Ouint et al. [48] konnten bei der Gabe von Zinksulfat (400 mg täglich) für 4 Wochen bei 26 Patienten keinerlei signi?kante Effekte auf die Riechfunktion nachweisen. Auch Henkin et al. [49] konnten bei einer randomisierten Doppelblindstudie an 106 Patienten keinen Unterschied zwischen Zinktherapie und Placebo feststellen. Alpha-Liponsäure (600 mg tgl. oral, 4,5 Monate) schien zunächst eine vielversprechende Therapieoption [50], welche sich in einer Doppelblindstudie mit nahezu 140 Patienten nicht bestätigen ließ [Hummel T, persönliche Mitteilung]. Quint et al. [48] gaben 51 Patienten Carvoverin (NMDA-Antagonist) oral 120 mg tgl. über 4 Wochen und stellten eine Verbesserung des Riechvermögens bei Hyposmikern als auch bei Anosmikern fest; eine placebokontrollierte Doppelblindstudie steht noch aus. Der Wirkstoff ist in Deutschland nicht zugelassen. Toxische Riechstörungen Nikotinabusus kann sich dosisabhängig negativ auf das Riechvermögen auswirken [51, 52], der Effekt wird allerdings häu?g überschätzt (z. B. ?ndet sich nach dem Rauchen einer Schachtel Zigaretten pro Tag über 10 Jahre praktisch keine Änderung in einem Dufterkennungstest). Ein herabgesetztes Riechvermögen durch Rauchen kann sich beim Absetzen des Nikotinabusus im Laufe der Zeit wieder erholen [51]. Riechstörungen durch gewerbliche Gase, Dämpfe und Stäube sind wahrscheinlich nicht selten. Eine berufsbedingte Riechstörung ist allerdings derzeit nicht in der Liste der Berufskrankheiten aufgeführt. Falls die Substanz bereits wegen anderer toxischer Schädigungen in der Liste der Berufskrankheiten aufgeführt ist, dann kann die Riechstörung unter anderem als Berufskrankheit anerkannt werden. Ist dies nicht der Falle, kann im Einzelfall verhandelt werden. Eine Verp?ichtung zur Meldung einer durch beru?iche Noxen verursachten Riechstörung liegt im Ermessen des behandelnden Arztes [53]. Im Regelfall wird eine Anosmie nur mit einer MdE von 10 % bewertet, bei abstrakter Bewertung ist eine MdE von 15 % angemessen. In bestimmten Branchen wie z. B. der Nahrungsmittelbranche bedeutet die Anosmie ein besonderes berufliches Betroffensein – in solchen Fällen kann eine MdE von 20 % angemessen sein. Bei spezialisierten Berufen wie z. B. Kaffee- oder Tabakprüfern sowie Köchen kann eine Anosmie eine Berufsunfähigkeit bedingen [53]. Als Nebenwirkungen eines Medikaments wird sehr oft eine Riech-, und Schmeckstörung angegeben. In der Tat können eine Reihe von Medikamenten Schmeckstörungen auslösen, Riechstörungen jedoch sind eher selten [54]. Beispiele sind: Methotrexat, Antibiotika wie Penicillin, Nikotinabusus, gewerbliche Noxen oder Medikamente können Riechstörungen verursachen. Steinbach S et al. Der Riechsinn im alltäglichen … CME 2008; 84: 348–362 CME-Fortbildung CME 355 Nifedipin, Diltiazem, Lidocain, Clo?brate, Nasensprays mit Zinksulfat, Morphin, Amitryptilin oder Amphetamin. Riechstörungen bei internistischen Erkrankungen Internistische Erkrankungen wie Diabetes, Leber-, und Nierenerkrankungen sowie Hypo-, und Hyperthyreoidismus können das Riechvermögen herabsetzen [11]. Kardiovaskuläre Probleme oder eine Hypertension scheinen sich jedoch nicht auf das Riechvermögen auszuwirken [11]. Neben der Behandlung der Grunderkrankung kann bei einer alkoholischen Leberzirrhose möglicherweise die Gabe von Vitamin A helfen [55]. Internistische Erkrankungen können Riechstörungen verursachen. Riechstörungen bei neurologischen Erkrankungen Ein vermindertes Riechvermögen kann einen ersten Hinweis für eine Erkrankung an Morbus Alzheimer liefern. Gerade in der Frühphase des Morbus Alzheimer ?nden sich neuropathologische Veränderungen (Amyloid-Plaques, Neuro?brillenbündel) im entorhinalen Cortex [56]. Subjektiv geben Patienten mit Morbus Alzheimer im Frühstadium nur in 6 % eine Riechminderung an; wird jedoch ein Riechtest bei diesen Patienten durchgeführt, zeigen sich in 90 % erniedrigte Testwerte [57]. Die Riechstörung nimmt mit der Schwere der Erkrankung zu. Patienten mit einer leichten kognitiven Störung (LKS) haben wesentlich bessere Testwerte im Riechtest als Patienten mit zunehmender Erkrankung an Morbus Alzheimer [58]. Die Frühdiagnose einer Demenz bzw. die frühzeitige Erkennung von Risikopatienten ist aufgrund der ursächlichen Behandlung sekundärer Demenzen, der Inanspruchnahme beratender Angebote und des möglichst frühen Einsatzes von pharmakologischen und nichtpharmakologischen Präventions- und Therapiemaßnahmen wichtig. Risikogruppen für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz sind Patienten mit einer LKS und Patienten aus Familien mit mehreren Betroffenen. Gerade in diesen Risikogruppen könnte ein Riechtest einen nichtinvasiven Beitrag zur Früherkennung leisten. Die Depression als Differentialdiagnose ist oft schwer von einer Alzheimer-Erkrankung abzugrenzen. Hier könnte ein Riechtest weiterhelfen, der bei depressiven Patienten am ehesten altersentsprechend ausfallen sollte [59]. Beim Morbus Parkinson ?ndet sich eine Riechstörung oft Jahre vor den motorischen Symptomen, da die ersten Veränderungen bei dieser Erkrankung im Bulbus olfactorius und in der dorsalen Medulla eintreten [60]. Wie beim Morbus Alzheimer bemerken die Patienten subjektiv kaum eine Riechminderung; im Riechtest zeigt sich allerdings eine ausgeprägte Riechstörung. Im Gegensatz zum Morbus Alzheimer besteht beim Morbus Parkinson kaum eine Progression der Riechstörung im Verlauf der Erkrankung [61]. Eine Antiparkinsonmedikation verbessert die Riechleistung der Patienten nicht. Bei der Encephalomyelitis disseminata sind Entmarkungen innerhalb der Riechbahn für das Riechde?zit entscheidend [62]. Ebenso muss bei einer Hirnblutung oder Hirnischämie die Riechbahn betroffen sein. Ein vermindertes Riechvermögen kann einen ersten Hinweis für eine Erkrankung an Morbus Alzheimer oder Morbus Parkinson liefern. Angeborene Riechstörungen Yousem et al. [63] zeigten, dass bei den meisten Menschen mit angeborener Anosmie im MRT eine Agenesie oder Dysgenesie des Bulbus olfactorius vorliegt, meistens vererbt und oft mit endokrinen Begleiterscheinungen kombiniert, wie beim Kallmann-Syndrom. Dieses Syndrom zeigt sich klinisch durch Anosmie, ggf. gekoppelt mit hypogonadotropem Hypogonadismus, Mittelgesichtsabnormalitäten, fehlenden Zahnanlagen, Taubheit und Nierenfehlern. Männer sind häu?ger betroffen und die Vererbung scheint autosomal dominant zu sein. Die frühzeitige Erkennung der Anosmie kann eine Therapie mit Gonadotropin einleiten, wodurch die hormonellen Auswirkungen rechtzeitig behandelt werden können [64]. Angeborene Riechstörungen sind selten und gehen meist mit einer Agenesie oder Dysgenesie des Bulbus olfactorius einher. Allgemeine Empfehlungen an Patientinnen und Patienten mit vermindertem Riechvermögen Patienten mit Riechverlust wird die Installation eines Gas- und Feuermelders in der Wohnung empfohlen [4]. Noxen wie Zigarettenrauchen, Tabakschnupfen, hoher Alkoholkonsum oder Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz sollten vermieden werden. Auf die Hygiene im persönlichen Bereich und in der Wohnung sollte geachtet werden (z. B. regelmäßiges Duschen, regelmäßiges Lüften der Wohnung). Bei der Verwendung von Parfüm oder Rasierwasser sollte die applizierte Menge mit einer gut riechenden Hilfsperson standardisiert werden. Lebensmittel sollten optimal gelagert und optisch sowie nach Verfallsdatum kontrolliert werden. Die Wahrnehmung von Nahrung besteht aus einem Zusammenspiel mehrerer Sinne. Lebensmittel werden angeschaut und evtl. betastet, ebenso besteht ein charakteristisches Abbeißgeräusch [65]. Gerade bei älteren Personen spielt daher die Versorgung mit einer guten Seh- und Hörhilfe Steinbach S et al. Der Riechsinn im alltäglichen … CME 2008; 84: 348–362 356 CME CME-Fortbildung eine Rolle sowie die Vermeidung von passierter Kost [66]. Rauhe und kantige Ober?ächen an der Nahrung fördern den trigeminalen Sinn in der Mundhöhle. Gut befestigte und gesäuberte Zahnprothesen verbessern die Nahrungsaufnahme und verhindern einen evtl. Missgeschmack. Das Zusetzten von mehr Gewürzen, natürlichen oder künstlichen Aromen [67, 68] sowie einer geringen Menge an Glutamat [69, 70] fördert die Freude am Essen. Auf ein vermehrtes Salzen oder Süßen sollte verzichtet werden, um Risiken wie erhöhten Blutdruck, Karies, Übergewicht oder Diabetes zu vermeiden. Das Abschmecken von gekochten Speisen in Gesellschaft sollte eine Hilfsperson übernehmen. Bei Berufen wie Koch oder Konditor ist eine Umschulung oder innerbetriebliche Umsetzung zu erwägen. Fazit & Riechstörungen sind kein seltenes Problem. Gerade durch die wachsende Alterung der Bevölkerung werden sie immer häu?ger beklagt werden. Wichtig ist es, die Entstehungsursache einzuordnen und die Betroffenen nach erfolgter Anamnese und evtl. nach Durchführung eines Screening-Tests ggf. neurologisch, HNO-ärztlich oder internistisch weiter abklären zu lassen. Dieses Vorgehen lohnt, wenn man die Folgen der Riechminderung für die Gesundheit und das Wohlbe?nden bedenkt. Patienten mit einer sinunasalen Riechstörung können von einer NNHOP oder einer Cortisontherapie pro?tieren. Patienten mit einer postviralen Riechstörung können aufgrund der hohen Spontanremission zunächst beruhigt werden. Wenn eine Riechstörung bleibt, kann durch die im Text genannten Maßnahmen (z. B. Gefahren meiden, Geschmacksverstärkung, Riechtraining) die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden. Die Möglichkeit der Früherkennung von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen mittels Riechtests könnte in Zukunft Einzug in die Praxis halten. Interessenskon?ikte: keine angegeben. Literatur 1 Spehr M, Gisselmann G, Poplawski A, et al. Identi?cation of a testicular odorant receptor mediating human sperm chemotaxis. Science 2003; 299: 2054–2058 2 Hatt H. Molecular and cellular basis of human olfaction. Chemistry Biodiversity 2004; 1: 1857–1869 3 Santos PS, Schinemann JA, Gabardo J, et al. New evidence that the MHC in?uences odor perception in humans: a study with 58 Southern Brazilian students. Horm Behav 2005; 47: 384–388 4 Santos DV, Reiter ER, DiNardo LJ, et al. Hazardous events associated with impaired olfactory function. Arch Otolaryngol Head Neck Surg 2004; 130: 317–319 5 Temmel AFP, Quint C, Schickinger-Fischer B, et al. 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Silke Steinbach, Medizinstudium an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg von 1991–1999; Promotion am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ) von 1994–1996; Facharztweiterbildung zur HNOÄrztin und Betreuung der Riechsprechstunde am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München von 2000–2007; Seit 2008 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hals-Nasen-Ohrenklinik und Poliklinik der Medizinischen Fakultät „Carl Gustav Carus“ der Technischen Universität Dresden Steinbach S et al. Der Riechsinn im alltäglichen … CME 2008; 84: 348–362 CME-Fortbildung CME 359 CME-Fragen Der Riechsinn im... A) B) C) D) E) 1 ? Welche Aussage trifft für Duftmoleküle nicht zu? Sie brauchen einen Luftstrom für den Transport. Beim Einatmen durch die Nase können sie zum Riechepithel gelangen. Beim Ausatmen können sie aus der Nahrung zum Riechepithel gelangen. Sie müssen den nasalen Schleim passieren. Hydrophobe Duftmoleküle passieren den Mukus leicht. 1 7 ? Welche Aussage trifft für postvirale Riechstörungen zu? Ein akuter Infekt der oberen Atemwege kann nachfolgend zu einer Riechstörung führen. Es trifft vor allem junge Leute. Es kommt selten zu einer Spontanerholung und Regeneration. Ein intensives Riechtraining über 4 Monate kann hilfreich sein. Alpha-Liponsäure ist das Mittel der ersten Wahl. Nur Antwort 1 und 2 sind richtig. Nur Antwort 1 und 4 sind richtig. Nur Antwort 2, 4 und 5 sind richtig. Nur Antwort 2, 3 und 5 sind richtig. Alle Antworten sind richtig. 2. 3. 4. 5. 2 ? A) B) C) D) E) Olfaktorische Rezeptorneurone haben eine Lebensdauer von Jahren, weil sie nicht aus Basalzellen regeneriert werden können Beide Aussagen und die Verknüpfung sind richtig. Beide Aussagen sind richtig, die Verknüpfung ist falsch. Nur die erste Aussage ist richtig. Nur die zweite Aussage ist richtig. Keine der beiden Aussagen ist richtig. A) B) C) D) E) 8 ? A) B) C) D) E) 3 ? Welcher Riechtest ist kein reiner Identi?kationstest? UPSIT Züricher Riechdisketten B-SIT Aachener Rhinotest Snif?n‘ Sticks A) B) C) D) E) Patienten mit Morbus Alzheimer im Frühstadium klagen sehr häu?g über eine Riechstörung, weil gerade in der Frühphase des Morbus Alzheimer sich neuropathologische Veränderungen im entorhinalen Kortex ?nden. Beide Aussagen und die Verknüpfung sind richtig. Beide Aussagen sind richtig, die Verknüpfung ist falsch. Nur die erste Aussage ist richtig. Nur die zweite Aussage ist richtig. Keine der beiden Aussagen ist richtig. 4 ? A) B) C) D) E) Ein Gesamtscore von 0 in allen 3 Tests des Snif?n’-SticksVerfahren bedeutet: Anosmie Hyposmie Phantosmie Simulationsverdacht Parosmie A) B) C) 9 ? Welche Aussagen zu Morbus Parkinson ist richtig? Patienten bemerken subjektiv kaum eine Riechminderung. Im Riechtest zeigt sich selten eine ausgeprägte Riechstörung. Es kommt zu einer Progression der Riechstörung im Verlauf der Erkrankung. Die Riechstörung beginnt immer erst mit den motorischen Symptomen. Eine Antiparkinsonmedikation verbessert die Riechleistung der Patienten. D) E) ? 5 A) B) C) D) E) Bei sinunasalen Erkrankungen zeigt sich ein verminderter Schwellenwert bei annähernd normalen Werten für die Identi?kation und Diskrimination, weil die Schwellenmessung eher die Funktion des peripheren olfaktorischen Systems wiederspiegelt. Beide Aussagen und die Verknüpfung sind richtig. Beide Aussagen sind richtig, die Verknüpfung ist falsch. Nur die erste Aussage ist richtig. Nur die zweite Aussage ist richtig. Keine der beiden Aussagen ist richtig. 10 ? A) B) C) D) E) Was kann aus ärztlicher Sicht einem Anosmiker nicht empfohlen werden? Verwendung von Nahrung, die mit kleinen Mengen an Glutamat versetzt ist Anreicherung der Speisen mit viel Salz und Zucker zur Stimulation des Geschmacksinns Verwendung von Gewürzen Verwendung von natürlichen oder künstlichen Aromastoffen Speisen mit fester Ober?ächenstruktur ? 6 A) B) C) D) E) Topische Steroide in der Form von Sprays bei Riechstörungen sollten in der Mekkastellung verabreicht werden, weil bei der Mekkastellung die Ausrichtung nach Osten statt?ndet Beide Aussagen und die Verknüpfung sind richtig. Beide Aussagen sind richtig, die Verknüpfung ist falsch. Nur die erste Aussage ist richtig. Nur die zweite Aussage ist richtig. Keine der beiden Aussagen ist richtig. Steinbach S et al. Der Riechsinn im alltäglichen … CME 2008; 84: 348–362 360 CME CME-Fortbildung Steinbach S et al. Der Riechsinn im alltäglichen … CME 2008; 84: 348–362 CME-Fortbildung CME 361 Steinbach S et al. Der Riechsinn im alltäglichen … CME 2008; 84: 348–362 362 CME CME-Fortbildung CME-Fortbildung mit der ZFA Zerti?zierte Fortbildung Hinter der Abkürzung CME verbirgt sich „continuing medical education“, also kontinuierliche medizinische Fort- und Weiterbildung. Zur Dokumentation der kontinuierlichen Fortbildung der Ärzte wurde das Fortbildungszerti?kat der Ärztekammern etabliert. Hauptzielgruppe für das Fortbildungszerti?kat sind Ärzte mit abgeschlossener Facharztausbildung, die im 5-jährigen Turnus einen Fortbildungsnachweis erbringen müssen. Es ist jedoch auch für Ärzte im Praktikum bzw. in der Facharztweiterbildung gedacht. Die Fortbildungseinheit In den einheitlichen Bewertungskriterien der Bundesärztekammer ist festgelegt: „Die Grundeinheit der Fortbildungsaktivitäten ist der Fortbildungspunkt. Dieser entspricht in der Regel einer abgeschlossenen Fortbildungsstunde (45 Minuten)“. Für die erworbenen Fortbildungspunkte muss ein Nachweis erbracht werden. Hat man die erforderliche Anzahl von 250 Punkten gesammelt, kann man das Fortbildungszerti?kat bei seiner Ärztekammer beantragen, welches man wiederum bei der KV (niedergelassene Ärzte) oder bei seinem Klinikträger (Klinikärzte) vorlegen muss. Anerkennung der CME-Beiträge Die Fortbildung in der ZFA wurde von der Nordrheinischen Akademie für Ärztliche Fortund Weiterbildung für das Fortbildungszerti?kat anerkannt, das heißt, die Vergabe der Punkte kann direkt durch die Thieme Verlagsgruppe erfolgen. Die Fortbildung in der ZFA gehört zur Kategorie „strukturierte interaktive Fortbildung“. Entsprechend einer Absprache der Ärztekammern werden die von der Nordrheinischen Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung anerkannten Fortbildungsveranstaltungen auch von den anderen zerti?zierenden Ärztekammern anerkannt. Datenschutz Ihre Daten werden ausschließlich für die Bearbeitung dieser Fortbildungseinheit verwendet. Es erfolgt keine Speicherung der Ergebnisse über die für die Bearbeitung der Fortbildungseinheit notwendige Zeit hinaus. Die Daten werden nach Versand der Testate anonymisiert. Namens- und Adressangaben dienen nur dem Versand der Testate. Die Angaben zur Person dienen nur statistischen Zwecken und werden von den Adressangaben getrennt und anonymisiert verarbeitet. Teilnahme Jede Ärztin und jeder Arzt soll das Fortbildungszerti?kat erlangen können. Deshalb ist die Teilnahme am CME-Programm der ZFA nicht an ein Abonnement geknäpft! Die Teilnahme ist sowohl im Internet (http://cme.thieme.de) als auch postalisch möglich. Im Internet muss man sich registrieren, wobei die Teilnahme an Fortbildungen abonnierter Zeitschriften ohne Zusatzkosten möglich ist. Alle Teilnehmer, die auf dem Postweg teilnehmen, benötigen für die Teilnahme den CME-Beitrag, den CME-Fragebogen, den CME-Antwortbogen, Briefumschläge und Briefmarken. Auch hier fallen bei Angabe der Abonummer für die Teilnahme keine zusätzliche Kosten an. Teilnahmebedingungen Für eine Fortbildungseinheit erhalten Sie 3 Fortbildungspunkte im Rahmen des Fortbildungszerti?kates. Hierfür § müssen 70% der Fragen richtig beantwortet sein. § müssen die Fragen der Einheiten A bis D des CME-Antwortbogens vollständig ausgefüllt sein. Unvollständig ausgefüllte Bögen können nicht berücksichtigt werden! § muss Ihre Abonnentennummer im entsprechenden Feld des CME-Antwortbogens angegeben oder eine CME-Wertmarke im dafür vorgesehenen Feld aufgeklebt sein. CME-Wertmarke für Nicht-Abonnenten Teilnehmer, die nicht Abonnenten der ZFA sind, können für die Internet-Teilnahme dort direkt ein Guthaben einrichten, von dem pro Teilnahme ein Unkostenbeitrag abgebucht wird. Für die postalische Teilnahme können Nicht-Abonnenten Thieme-CME-Wertmarken erwerben. Bitte richten Sie Bestellungen an: Georg Thieme Verlag KG Kundenservice Rüdigerstraße 14 70469 Stuttgart Tel.: 0711/8931-900 E-Mail: kundenservice@thieme.de Teilnahme auch online möglich unter cme.thieme.de Steinbach S et al. Der Riechsinn im alltäglichen … CME 2008; 84: 348–362


(Stand: 08.08.2008)

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