Loading...

ZFA-Logo

Praktische Psychiatrie für den Hausarzt

Praktische Psychiatrie für den Hausarzt – Hilfen für Diagnostik und Therapie. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2009, 132 S., kart., ISBN 978–3–7691–0582–7. 29,95 Euro

Martin Sielk, Heinz Harald Abholz, B. Janssen

Das Buch hat bei erfahrenen Allgemeinmedizinern und solchen in Weiterbildung sehr unterschiedliche Beurteilungen gefunden. Deshalb finden Sie hier zwei Besprechungen zu diesem Werk:

1.) Rezension von Dr. Stefan Sachtleben

Die Rezension des Buches fällt mir schwer, da es mir nicht gefallen hat und ich es nicht für empfehlenswert halte – zumindest nicht für fertige Allgemeinmediziner.

Die Autoren betonen eingangs, dass es sich nur um ein Manual handele. Aber mehr als dies ist es wirklich nicht. Ein kompaktes Repetitorium für eine eventuelle Prüfungsvorbereitung. Aber selbst für diesen Zweck ist es kaum geeignet, denn Psychiatrie besteht nicht nur aus den im Buch genannten Psychosen, Depressionen, Angst, Alkokolkrankheit und Demenz. Was ist mit den häufigen Posttraumatischen Belastungsstörungen, den Persönlichkeitsstörungen, illegalen Suchtstoffen, juvenilen Störungen v. a. dem ADHS und dem jüngst sehr aktuellen Erwachsenen-ADHS?

Besonders enttäuschend ist das Kapitel über Angstprobleme. Angstpatienten sind so zahlreich in unseren Praxen. Werden als nervig, „psychisch" abgetan – konsumieren Kraft, Zeit und Geduld. Am Ende sind Arzt und Patient unglücklich. Das Angstkapitel würde niemandem hier wirklich weiterhelfen.

Psychiatrische Probleme sind in der Hausarztpraxis häufig. Wir Hausärzte wissen objektiv zu wenig darüber. Ein Psychiatriebuch für Hausärzte wäre ein großes Verdienst. Aber das Büchlein ist dieses Buch nicht.

Die hausärztliche Psychiatrie ist gekennzeichnet von leichter, jederzeitiger Zugänglichkeit und einer Patient-Arzt-Beziehung, die jahrelang zuverlässig hält. Einer Beziehung, die nicht die Diagnose, sondern den Menschen und sein Leid im Vordergrund hält. Jeden Patienten als autonomen Mensch akzeptiert und begleitet. Die psychiatrischen Probleme sind vorrangig – (wie viele andere medizinische Probleme in der Hausarztpraxis) – niedrig ausgeprägt; voll ausgebildete Bilder sind eher selten, wenig ausgeprägte Mischbilder zahlreich. Ein Psychiatrie-Buch für Hausärzte müsste von dieser Wirklichkeit ausgehend, das psychiatrische Denken hierfür überhaupt erst einmal entwickeln. Dies ist aber in diesem Buch nicht geschehen.

Einschränkend muss ich sagen: Möglicherweise ist das Buch aber für einen Berufsanfänger eine Hilfe, denn zumindest gibt es in knapper Weise Einblick in psychiatrisches Denken, was deutlich unterschiedlich zu dem ist, was in der „Psychosomatischen Grundversorgung“ vermittelt wird.

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Stefan Sachtleben

Arzt für Allgemeinmedizin

Hausarztpraxis

Kaiserstr. 2a

66955 Pirmasens

E-Mail: stefan.sachtleben@t-online.de


(Stand: 01.06.2011)

Als Abonnent können Sie die vollständigen Artikel gezielt über das Inhaltsverzeichnis der jeweiligen Ausgabe aufrufen. Jeder Artikel lässt sich dann komplett auf der Webseite anzeigen oder als PDF herunterladen.