Loading...

ZFA-Logo

Listserver Allgemeinmedizin in der ZFA – eine Premiere

Michael M. Kochen

Liebe Kolleginnen,

liebe Kollegen,

das vorliegende Heft der ZFA – Zeitschrift für Allgemeinmedizin enthält – neben vielen guten Texten – auch eine Premiere: Zum ersten Mal werden Beiträge des Listservers Allgemeinmedizin (einer Art offener „Chatroom“, in dem Hausärzte Probleme und Ansichten austauschen) in gedruckter Form präsentiert. Burkhard Sonntag hat sich die Mühe gemacht, Meinungen zum Thema Unterschiede in Philosophie und Praxis der Allgemeinmedizin zwischen Deutschland und Großbritannien zu sammeln und aufzubereiten.

Konkret geht es in Sonntags Artikel (Titel „Rezept statt Gespräch: Läuft da etwas falsch in diesem Land? Über Risiken und Nebenwirkungen von pflanzlichem Hustensaft und homöopathischen Schleimlösern“; S. 321) um einen Fallbericht aus seiner Sprechstunde: Eine besorgte junge Mutter erscheint mit ihrer sechsjährigen Tochter, die seit zwei Tagen über Husten, Halsweh und Fieber bis zu 38,5 Grad klagt. Als die Frau die Praxis nach gründlicher Untersuchung des Kindes mit einer beruhigenden Erklärung aber – oh weh – ohne Rezept verlässt, beschwert sie sich am folgenden Tag bei einem Kollegen mit der Aussage, der erste Arzt habe „nur geredet und mehr oder weniger gute Ratschläge gegeben“, aber ansonsten „gar nichts für sie getan.“ Sie fühlte sich daher nicht ernst genommen und hätte sich diesen Arztbesuch auch sparen können.

Aus einer solchen zusammenfassenden Darstellung, in die Ansichten von vielen Kolleginnen und Kollegen einfließen, kann man m. E. viel über den Alltag in unseren hausärztlichen Praxen lernen. Wir brauchen mehr von dieser Sorte lebendiger und reflektierter Fortbildung! Wer Burkhard Sonntags couragierter Vorreiterrolle folgen will, ist herzlich eingeladen, nach Vorabstimmung mit einem der Herausgeber einen Beitrag für die ZFA zu schreiben – wir sind dabei gerne behilflich. Für Leser, die wissen wollen, wo man die Beiträge aus dem Listserver findet, hier die Adresse: www.listserv.dfn.de/archives/ allgmed-l.html.

Noch ein ungewöhnlicher Artikel (S. 325) verdient Ihre Aufmerksamkeit, liebe Leserinnen und Leser. Ungewöhnlich wegen seiner sachlichen Schärfe und der Berufstätigkeit des Autors: Bernd Hontschik ist niedergelassener Chirurg in Frankfurt und nicht zuletzt aufgrund seiner wöchentlichen Kolumne in der Frankfurter Rundschau bekannt (den Namen der Zeitung wollte er – in aller Bescheidenheit – selbst nicht nennen).

Hontschik stellt den Sinn der elektronischen Gesundheitskarte in ihrer jetzigen Form infrage und prognostiziert, dass „abgesehen von potenziellen Milliardenprofiten für bestimmte „Mitspieler“ kein Arzt besser arbeiten können und kein Patient gesünder oder länger leben wird“. Er beklagt auch, dass – trotz eindeutiger Beschlüsse von Ärztetagen – Funktionäre der deutschen Ärzteschaft inzwischen so weit in das Projekt eingestiegen und eingebunden seien, dass sie diese Beschlüsse entweder einfach ignorieren oder entnervt das Handtuch werfen.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit schließlich auch noch auf einen Text lenken, der für Hausärzte ganz besondere Relevanz hat. Es geht um die in der Europäischen Union intensiv diskutierte Frage, ob Hersteller künftig Patienten direkt über rezeptpflichtige Arzneimittel informieren dürfen (S. 329). Welche desaströsen Folgen eine solche Entscheidung für Patienten, Ärzte, aber auch Krankenkassen und Politik haben würde, beschreiben Hedwig Diekwisch und Jörg Schaaber von der BUKO Pharmakampagne in Bielefeld am Beispiel der USA, neben Neuseeland das einzige Land, das Direktwerbung für rezeptpflichtige Medikamente bei Laien ausdrücklich erlaubt. Dort wird seit über 20 Jahren intensiv für rezeptpflichtige Medikamente geworben – mit dem Ergebnis, dass Verbraucher über den Nutzen von Arzneimitteln keineswegs besser informiert sind. Die Nutznießer sind ausschließlich pharmazeutische Unternehmen, denen jeder in die Werbung investierte Dollar im Schnitt 2,20 US-Dollar Umsatzwachstum brachte.

Zu guter Letzt noch ein kurzer Hinweis auf das schöne neue DEGAM-Logo, das die Graphik-Designerin Benedikta von Schorlemer entworfen hat (S. 320). DEGAM-Mitglieder, die unser neues Markenzeichen z. B. für Publikationen oder Präsentationen verwenden möchten, wenden sich bitte an die DEGAM-Bundesgeschäftsstelle. Die ist übrigens auch neu. Seit April residiert sie am Frankfurter Institut für Allgemeinmedizin (Geschäftsführer Edmund Fröhlich [froehlich@degam.de]; Assistentin der Geschäftsführung Nadia Walther [walther@ degam.de]; Tel.: 069 / 65 00 72 45).

Herzliche Grüße

Ihr


(Stand: 01.06.2011)

Als Abonnent können Sie die vollständigen Artikel gezielt über das Inhaltsverzeichnis der jeweiligen Ausgabe aufrufen. Jeder Artikel lässt sich dann komplett auf der Webseite anzeigen oder als PDF herunterladen.