Loading...

ZFA-Logo

van den Bussche H et al. Die ärztliche Versorgung von Pflegeheimbewohnern in Deutschland ... Z Allg Med 2009; 85: 240–246...

Barbara Christ, Werner Heyn, Manfred Lohnstein, Werner Wolf

van den Bussche H et al. Organisationsformen der hausärztlichen Versorgung von Pflegeheimbewohnern in Deutschland und im benachbarten Ausland. Z Allg Med 2009; 85: 296–301


Leserbrief zu beiden Artikeln von Dr. med. Barbara Christ, Dr. med. Werner Heyn, Dr. med. Manfred Lohnstein, Dr. med. Werner Wolf

Zu den beschriebenen Organisationsformen möchten wir ein in Augsburg praktiziertes Modell hinzufügen: AWO Hammerschmiede.

In diesem Modell versorgen die 4 unterzeichnenden Hausärzte insgesamt 25 schwer pflegebedürftige Patienten. Dies sind z. T. Wachkomapatienten, Patienten mit maschineller Beatmung, fast alle werden über Sonden ernährt. Die Zuweisung erfolgt überwiegend von drei Einrichtungen mit überregionalem Einzug: Therapie-Zentrum Burgau für Schädel-Hirnverletzte, Asklepios Klinik Gauting für maschinell beatmete Patienten, Klinikum Augsburg als Krankenhaus der maximalen Versorgungsstufe.

Bedingt durch den überregionalen Einzugsbereich ist eine personelle Kontinuität der hausärztlichen Versorgung fast nie gegeben.

Jeder Arzt führt an einem festgelegten Tag eine wöchentliche Visite durch, bei der er zunächst die von ihm betreuten Patienten versorgt aber auch als Ansprechpartner für die anderen Patienten zur Verfügung steht. Die Uhrzeit wird mit dem Pflegeteam vereinbart.

Diese generelle Vertretungsregelung bedurfte der Zustimmung der KV, da das geltende Recht Vertretung nur im Fall der Abwesenheit erlaubt. Am Wochenende muss der kassenärztliche Notdienst beansprucht werden.

Einmal im Vierteljahr findet eine gemeinsame klinische Visite statt. Diese wird vom Chefarzt des Therapiezentrums Burgau geleitet, für beatmete Patienten vom Oberarzt der Lungenabteilung der Asklepios Klinik Gauting. Neben den Ärzten nehmen Vertreter des gesamten therapeutischen Teams teil: Pflegekräfte, Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Logopädinnen, Sozialdienst und Medizin-Techniker. Die Angehörigen werden ebenfalls eingeladen und haben dadurch Gelegenheit zur Aussprache.

Durch diese gemeinsamen Visiten, die für die Ärzte als zertifizierte Fortbildung gelten, erhalten wir als betreuende Ärzte die erforderlichen Informationen über alle Patienten. Gleichzeitig können Erfahrungen über schwierige Krankheitsverläufe und spezielle Fragestellungen eingebracht werden. Der Lerneffekt bezüglich palliativer Fragestellungen, Möglichkeiten der Assistenzberufe, medikamentöser Therapie bei Krampfanfällen oder Spastik, um nur einige zu nennen, wirkt sich positiv auch bei der Versorgung andere Patienten außerhalb dieser Einrichtung aus. Diese Form der klinischen Kooperation ermöglicht dann z. B. auch die Versorgung von ALS-Patienten im Endstadium, eine Herausforderung, die der Einzelne nur schwer bewältigen könnte.

Von den Gebietsärzten ist ein Urologe regelmäßig in der Einrichtung, Neurologen nur nach spezieller Anforderung, wobei oft auch ein telefon. Konsil ausreichend ist.

Für die Ausformung dieses Modells ist wesentlich dem Management der AWO als Betreiber zu danken. Es zeigt aber auch, dass diese Einrichtungen über entsprechendes Wissen und Managementqualitäten verfügen.

Auf ärztlicher Seite geht es aktuell ohne ein gewisses Maß an Idealismus noch nicht. Die geltende Gebührenordnung, Hausarztverträge eingeschlossen, hat für diese intensive Versorgungsform keine entsprechenden Leistungslegenden. Ein Pflegenetzvertrag mit der AOK kann aber als erster Anfang gewertet werden.

Das Modell gemeinsamer Visiten halten wir auch für andere Pflegeeinrichtungen für geeignet. Als Moderatoren wären durchaus geschulte Hausärzte denkbar, ähnlich den Moderatoren der Qualitätszirkel. Die Träger der Einrichtungen sollten anstreben, zukünftig mit Ärzten, deren Verbänden und Krankenkassen entsprechende Verträge abzuschließen. Eine Anpassung der Vergütung ist zwingend.

Dr. med. Werner Heyn,

Dr. med. Manfred Lohnstein,

Dr. med. Werner Wolf,

alle Augsburg

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Manfred Lohnstein

Steinmetzstr. 2

86165 Augsburg

Tel.: 0821 / 79 37 46

E-Mail: lohnstein@t-online.de


(Stand: 31.05.2011)

Als Abonnent können Sie die vollständigen Artikel gezielt über das Inhaltsverzeichnis der jeweiligen Ausgabe aufrufen. Jeder Artikel lässt sich dann komplett auf der Webseite anzeigen oder als PDF herunterladen.