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Sektionsbericht Versorgungsaufgaben 2009

Peter Engeser, Stefan Hensler

Die Sektion Versorgungsaufgaben traf sich im Vergangenen Jahr in Berlin und mehrfach in der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung in Heidelberg. Die wichtigsten behandelten Versorgungsaufgaben waren:

  • Grundleistungskatalog Allgemeinmedizin
  • Pädiatrische Grundversorgung
  • Nationale Impfkonferenz
  • Diskreditierungsstudien
  • Wundversorgung und „modernes Wundmanagement“
  • Ernährungstherapie, Versorgung mit PEG-Sonden
  • Versorgung von Patienten mit akutem Schlaganfall/TIA

 

Grundleistungskatalog Allgemeinmedizin

Beim DEGAM-Kongress in Berlin im vergangenen Jahr wurde von der Sektion der sogenannte Grundleistungskatalog Allgemeinmedizin vorgestellt. Dieser Katalog ist eine Sammlung von grundlegenden, essentiellen Ausstattungsmerkmalen, die eine allgemeinmedizinische Praxis benötigt. Darüber hinaus ist es eine Darstellung wichtiger Fertigkeiten und Haltungen, die einen Arzt dazu befähigen, ausgehend von einem fundierten allgemeinmedizinischen Wissen, eine qualitativ hochstehende hausärztliche Versorgung durchzuführen. Diese Befähigung zur Ausübung des Berufes des Allgemeinmediziners sollte unabhängig von der umgebenden Versorgungslandschaft im Grundsatz in der Weiterbildungszeit erworben werden. Der Grundleistungskatalog wurde noch einmal gering überarbeitet und kann über die Webseite der Sektion eingesehen werden. Ein Fragebogen zu diesem Katalog ist ebenfalls auf der Sektionsseite zu finden. Wir möchten alle Interessierte auffordern, sich an der Diskussion über die notwendigen Inhalte hausärztlichen Handelns zu beteiligen und bitten um rege Benutzung des beiliegenden Fragebogens. Eine kurze Darstellung der bisherigen Beiträge wird im Rahmen der Sektionssitzung erfolgen.

Pädiatrische Grundversorgung

Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte verfolgte im letzten Jahr das Ziel, Hausärzte aus der Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu verdrängen. Dies soll durch Selektivverträge nach §73b erfolgen, die zur Teilnahme für Hausärzte inadäquate Qualitätsmerkmale voraussetzen. Ein erster Vertrag liegt in Bayern mit der AOK vor. Die Sektion Versorgungsaufgaben hat daher in Zusammenarbeit mit weiteren Kollegen ein Positionspapier zu diesem Thema erarbeitet. Die Kernaussage hierin ist, dass die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) für Deutschland ein gemischtes System der gemeinsamen ambulanten Grundversorgung von Kindern und Jugendlichen durch Allgemeinärzte und Pädiater befürwortet, wobei eine erweiterte ambulante Versorgung für schwerere Krankheitsverläufe durch Pädiater erfolgen sollte. Ziel der Grundversorgung durch beide Fachgruppen ist es, Kinder und Jugendliche möglichst ambulant zu versorgen und stationäre Aufenthalte zu vermeiden sowie chronisch kranke und behinderte Kinder, soweit als möglich, wohnortnah zu versorgen.

Nationale Impfkonferenz

Im Januar 2009 fand in Mainz die 1. Nationale Impfkonferenz in Mainz statt. Unter Moderation des Sozialministeriums Rheinland-Pfalz wurden verschiedene Gruppierungen eingeladen. Die Sektion bemühte sich intensiv um einen Platz bei der dortigen Podiumsdiskussion. Leider konnten die verantwortlichen Stellen nicht davon überzeugt werden, dass eine Vertretung der Arztgruppe, die am meisten impft, unabdingbar ist. Zu diesem brisanten Thema wurde dann ein eigenständiges Positionspapier in der Zeitschrift für Allgemeinmedizin veröffentlicht.

Diskreditierungsstudien

Im Rahmen der Beobachtung der sogenannten Diskreditierungsstudien hat die Sektion eine Stellungnahme zu einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 17.6.2009 verfasst, in dem erneut über die angeblich schlechte Versorgung der Hypertonie-Patienten in Deutschland in Anlehnung an Zahlen von Wittchen aus Dresden berichtet wurde.

Wundversorgung und „modernes Wundmanagement“

Wundversorgung ist eine wichtige Aufgabe im hausärztlichen Umfeld. Hierbei sind weniger die akuten Verletzungen problematisch, denn diese heilen nach adäquater chirurgischer Versorgung meist rasch vollständig aus. Sehr große Probleme bestehen aber häufig bei der Versorgung von chronischen, nicht heilenden Wunden. Durch die Einführung neuer Verbandmaterialien und dem Berufsbild der Wundmanager ist gerade die Versorgung dieser Patienten mittlerweile sehr aufwendig. Damit sind zunehmend hohe Kosten (Material und personeller Einsatz) verbunden. Die Studienlage zu diesem Thema ist allerdings sehr unbefriedigend. Die Sektion hat einem Workshop zu diesem Thema veranstaltet und beschlossen, einen praxisorientierten Leitfaden zur Wundversorgung zu erstellen. Dieser wird in den nächsten Wochen vorgestellt werden.

Ernährungstherapie, Versorgung mit PEG-Sonden

Die Sektion hat beschlossen, eine Umfrage zum Thema Ernährungstherapie im Alter unter spezieller Berücksichtigung der Anlage von PEG-Sonden durchzuführen. Hierdurch sollen die Umstände, die zu einer Ernährungstherapie führen, näher beleuchtet werden. Insbesondere soll hier auch der Einfluss von Vorgaben der öffentlichen Verwaltungen und Krankenkassen mit untersucht werden.

Versorgung von Patienten mit akutem Schlaganfall/TIA

Eine wichtige neuere Versorgungsform der Apoplex-Patienten ist die Lysetherapie. Ein ernster Vorwurf an die Allgemeinmedizin lautet, dass durch Verzögerungen der Rettungskette beim Hausarzt, zu wenig Patienten von dieser wirksamen Versorgungsform profitieren könnten. Eine Studie zu diesem Thema soll bis zum nächsten Jahr darstellen, welche verschiedenen Einflüsse zu Verzögerungen in der akuten Schlaganfallsituation führen können.

Eine weitere, neue Herausforderung wird im niedergelassenen Bereich die Öffnung der Krankenhäuser im Rahmen des Paragraphen 116 b (Versorgung onkologischer Patienten ambulant durch Tumorzentren) mit sich bringen. Die neuen Möglichkeiten werden mittelfristig zu einer deutlichen Veränderung der Versorgungslandschaft im gebietsärztlichen Bereich führen. Viele Patienten können und werden dann bis zu drei Jahre nach der Diagnosestellung einer bösartigen Krankheit direkt von Krankenhäusern ambulant behandelt werden. Hierzu wurden erste Diskussionen im Rahmen der Sektionssitzung geführt. Eine Bewertung dieser Möglichkeiten ist zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh. Da dieser Paragraph aber direkt auf die Versorgung der hausärztlichen Patienten einwirkt, wird in den kommenden Wochen eine intensive Beschäftigung mit dieser neuen Versorgungsform erfolgen.

Bericht des Arbeitskreises Palliativversorgung

Der Arbeitskreis Palliativmedizin traf sich ebenfalls in Berlin und in Heidelberg. Durch die Einführung der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung im GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz von 2007 wird sich eine Neuordnung in der Betreuung Schwerstkranker und Sterbender ergeben. Die Umsetzung dieses neuen Paragraphen 37b, SGB 5 verläuft allerdings sehr schleppend. Bis zum jetzigen Zeitpunkt (Stand Juli 2009) gibt es erst 20 Verträge bundesweit zur spezialisierten Palliativversorgung. Große Probleme bereiten hierbei vor allem auch die Abgrenzung der allgemeinen von der spezialisierten Palliativversorgung, und damit auch zwangsläufig die Abgrenzung der verschiedenen Finanzierungswege.

Der Arbeitskreis hat sich intensiv mit dem Aufbau der Strukturen in Baden-Württemberg befasst. Die Entwicklung der SAPV in den anderen Bundesländern wird genau beobachtet.

Der Arbeitskreis beteiligt sich an der von der Bundärztekammer gemeinsam mit dem Deutschen Hospiz- und Palliativverband und der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ins Leben gerufenen Charta – Prozess für die Versorgung Schwerstkranker und sterbender Menschen. Ziel hierbei ist die Verbesserung der Versorgung dieser Patienten und die Förderung der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Sterben sowie die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre in diesem Bereich. Die zunehmende Bedeutung der Palliativmedizin zeigt sich auch in der Schaffung eines neuen Querschnittfachs in der Approbationsordnung im Juni 2009.

Peter Engeser

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Peter Engeser

Abt. Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung

Voßstr. 2/37

69115 Heidelberg

E-Mail: PeterEngeser@web.de


(Stand: 31.05.2011)

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