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Sektionsbericht 2010 – Ständige Leitlinienkommission der DEGAM

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Martin Scherer

Leitlinienentwicklungsstelle Lübeck neu besetzt

Auf Grundlage des Beschlusses der DEGAM-Mitgliederversammlung, die Leitlinienarbeit strukturell zu fördern, wurde im April dieses Jahres die DEGAM-Leitlinienentwicklungsstelle mit Dr. Michaela Hänsel, MPH, Fachärztin für Allgemeinmedizin, besetzt. Die Leitlinienentwicklungsstelle ist am Institut für Sozialmedizin der Universität Lübeck angesiedelt. Zu den Aufgaben von Frau Hänsel gehören zum einen die inhaltliche Betreuung von Leitlinien und Unterstützung der Autoren, zum anderen aber auch die konzeptionelle Weiterentwicklung des DEGAM-Leitlinienkonzepts. Hauptaufgaben von Frau Hänsel sind derzeit das Update der DEGAM-Leitlinie Ohrenschmerz sowie das Priorisierungsprojekt zur Findung von Leitlinienthemen (siehe unten). Die Leitlinienentwicklungsstelle ist mit ihrer inhaltlichen Ausrichtung eine wich- tige Ergänzung zur DEGAM-Leitliniengeschäftsstelle, die von Anja Wollny, Institut für Allgemeinmedizin, Universität Rostock, geleitet wird und für administrative und koordinative Aufgaben zuständig ist.

Priorisierungsprojekt und neue Leitlinien-Agenda

Titel von DEGAM-Leitlinien wurden bislang mehr oder weniger auf „Zuruf“ gewählt, je nach Interessen- und Kompetenzlage der Mitglieder des (damals noch) Arbeitskreises Leitlinien, heute SLK. Wir haben nach gut zehn Jahren DEGAM-Leitlinien nun fast alle der initial beschlossenen Themen abgearbeitet. Wie geht es nun weiter? Wie könnte das Leitlinienpaket für die nächsten zehn Jahre aussehen?

Mit der systematischen Auswahl und der Priorisierung von LL-Themen haben sich in Deutschland noch nicht allzu viele Akteure befasst. Ausnahmen sind das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), Berlin sowie das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), Köln. Insbesondere für hausärztliche Leitlinien sind folgende Fragen bislang ungeklärt: Nach welchen Kriterien wählt man Leitlinienthemen aus:

  • Nach der Prävalenz des Beratungsanlasses?
  • Nach dem Schweregrad des Versorgungsproblems?
  • Nach der Verfügbarkeit der vorhandenen Evidenz für einen bestimmten Beratungsanlass?

Viele weitere potenzielle Priorisierungskriterien sind denkbar. Wie gewichtet man diese Kriterien, wie wägt man sie gegeneinander ab? Dies ist der theoretische Teil einer derzeit laufenden Mitgliederbefragung der DEGAM, der auf qualitativen Vorarbeiten der internationalen Literatur aufbaut. Die Umfrage wird von der DEGAM-Entwicklungsstelle Leitlinien in Lübeck durchgeführt, ihre Ergebnisse werden auf dem DEGAM-Kongress präsentiert und anschließend in der ZFA publiziert werden.

Der „praktische“ Teil der Umfrage bezieht sich auf konkrete Leitlinientitel:

  • Welche Themen halten DEGAM-Mitglieder selbst für relevant?
  • Wie könnte die Leitlinien-Agenda der Zukunft aussehen?

Derzeit haben sich rund 300 DEGAM-Mitglieder am Survey beteiligt, diese Zahl wird durch einen erneuten E-Mail-Aufruf im August noch gesteigert werden. Mit einer derartigen empirischen Untermauerung ihrer Leitlinienarbeit kann sonst keine Deutsche Medizinische Fachgesellschaft aufwarten. Zum anderen geben uns die Ergebnisse der Umfrage „Planungssicherheit“ und die Möglichkeit, die Leitlinienarbeit prospektiv zu gestalten (im Sinne einer Leitlinienagenda) – dies ist besonders vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen wichtig – die Sicherheit, die Leitlinien-Produktivität der DEGAM auch in Zukunft zu gestalten.

DEGAM Leitlinie bildet Basis für neue Internetseite zum Thema Demenz (Kooperation mit Leuchtturmprojekt Demenz)

Seit März 2010 ist die Internetseite www.demenz-leitlinie.de für alle am Thema Demenz Interessierten frei verfügbar. Ziel der Internetseite ist es, Angehörige, Pflegekräfte und Ärzte/Ärztinnen über das Thema Demenz auf höchstem wissenschaftlichen Niveau verständlich und übersichtlich zu informieren. Es werden evidenzbasierte Empfehlungen zu Diagnostik und Behandlung von demenziellen Erkrankungen sowie Hilfen im Umgang mit Demenz-Erkrankten zur Verfügung gestellt.

Die aufgeführten Empfehlungen sind der „DEGAM-Leitlinie Nr.12 Demenz“ (2008) entnommen. Auf diese Weise soll die Versorgung der erkrankten Menschen verbessert, die Kooperation von Angehörigen, Pflegenden und Ärzten/Ärztinnen gefördert und alle Beteiligten im Umgang mit den Krankheitsbelastungen unterstützt werden.

Die Internetseite stellt darüber hinaus weitere nützliche Informationen (z. B. zum Thema Kommunikation mit Demenzkranken, Entscheidungshilfen, technische Alltagshilfen, Autofahren, Finanzielles und Rechtliches) für den Praxisalltag zur Verfügung, die an Patienten/innen und Angehörige weitergegeben werden können, und verweist mit zahlreichen Links auf Anlauf- und Beratungsstellen.

Die Internetseite, die im Rahmen eines vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) von 2008 bis 2010 geförderten „Leuchtturmprojekts“ durch das Universitätsklinikum Freiburg in Zusammenarbeit mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und weiteren Partnern entwickelt wurde, enthält auch ein interaktives Fortbildungsangebot (CME).

Kooperationsvereinbarung mit Hausärzteverband und IhF auf dem Weg

Der bevorstehende Abschluss eines Vertrags zwischen der DEGAM und dem Deutschen Hausärzteverband bzw. dem IhF dient ganz zentral auch der Verbreitung der DEGAM-Leitlinien. Vorgesehen sind u. a. der Einsatz von Leitlinien in den Verträgen zur hausarztzentrierten Versorgung sowie die Erstellung von Fortbildungsmodulen auf der Basis von DEGAM-Leitlinien. Die DEGAM und die Leitlinienautoren sollen auf diesem Wege zusätzliche Einnahmen erzielen.

Neue Leitlinienthemen und Updates bereits bestehender Leitlinien

Im kommenden Jahr wird die Leitlinie Brustschmerz fertiggestellt werden. Die Leitlinien Schwindel und Schilddrüse haben den Paneltest durchlaufen und werden nun überarbeitet.

Die Leitlinienthemen Gesprächsführung und Zeckenbiss sind in Planung.

Für die Updates von DEGAM-Leitlinien wurden ähnlich wie für die Neuentwicklungen ein einheitliches Vorgehen bzgl. des Überarbeitungsprozesses beschlossen. Dieses umfasst nach dem festgelegten Priorisierungsbedarf durch die Autoren sowohl eine transparente systematische Literaturrecherche (für den Zeitraum seit Erscheinen der LL mit ggf. Neubewertung der Evidenzen in der LL) als auch ein Konsensusverfahren mit Fachgesellschaften und Berufsverbänden, die ebenfalls mit der Betreuung des jeweiligen Beratungsanlasses befasst sind.

Folgende Leitlinien befinden sich momentan im Updateprozess:

Neben der Entwicklung und dem Updateprozess von DEGAM-Leitlinien hat die Ständige Leitlinienkommission der DEGAM darüber hinaus auch die Organisation der Mitarbeit der DEGAM an interdisziplinären S3-Leitlinien anderer Fachgesellschaften und Nationalen Versorgungsleitlinien übernommen.

Kooperation mit der Leitliniengruppe Hessen

Nach gemeinsamer Sitzung von Vertretern der Ständigen Leitlinien-Kommission der DEGAM und der Leitliniengruppe Hessen wurde vor dem Hintergrund verschiedenster Probleme und Anforderungen (fehlende Ressourcen für Updates, Neuentwicklung von LL), die zukünftig auf beiden Seiten bewältigt werden müssen, eine Kooperation beider Gruppen vereinbart.

Im Einzelnen wurde beschlossen, dass die Leitliniengruppe Hessen in die SLK kooptiert wird und eine Stimme für die Gruppe erhält. Jedes Mitglied kann darüber hinaus auch seine individuelle Mitgliedschaft in der SLK beantragen. Die Kooptierung soll wechselseitig erfolgen. Vonseiten der SLK sollen sowohl die Anmeldung der gemeinsam geplanten Leitlinien bei der AWMF als auch die Organisation der für eine S3-Leitlinie notwendigen methodischen Anforderungen übernommen werden.

Als erste gemeinsame Projekte sollen die Themen „Geriatrie“ und „Gesprächsführung“ zusammen bearbeitet werden.

Anja Wollny, DEGAM-Leitliniengeschäftsstelle

Korrespondenzadresse:

Prof. Dr. med. Martin Scherer

Institut für Sozialmedizin

Beckergrube 43–47

23552 Lübeck

E-Mail: martin.scherer@uk-sh.de


(Stand: 14.09.2010)

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