Loading...

ZFA-Logo

Sektionsbericht Studium und Hochschule 2010

PDF

Erika Baum, Maren Ehrhardt

Bewegung in der Hochschullandschaft

Der vor allem auf dem Land und in unterprivilegierten Wohngebieten immer deutlicher werdende Hausärztemangel hat inzwischen die Politiker auf den Plan gerufen, sodass auch Änderungen bei der Ausbildung der Ärzte mit stärkerer Gewichtung der Allgemeinmedizin auf verschiedenen Ebenen ernsthaft diskutiert werden und auch zu Planung oder Ausschreibungen von neuen Professuren für Allgemeinmedizin sowie punktueller Förderung des PJ in Hausarztpraxen geführt hat. Auch unsere Initiativen zur Mitgliederwerbung für die DEGAM ergaben eine größere Zahl neuer Mitglieder in dieser Sektion, für die nach wie vor folgende Aufgaben gelten.

Aufgaben der Sektion

Hauptaufgabe ist die Förderung optimaler Arbeitsbedingungen in Forschung und Lehre der Allgemeinmedizin an Deutschen Universitäten und Hochschulen. Die Sektion ist ein Ansprechpartner in organisatorischen und inhaltlichen Fragestellungen. Wir leisten lokale Unterstützungen beziehungsweise Argumentationshilfen, wo dies erforderlich ist und angefordert wird. Ferner vermitteln wir kompetente Ansprechpartner und unterstützen den Austausch der Standorte untereinander sowie spezifischer Gruppen wie Lehrbeauftragter und Lehrärzte, des wissenschaftlichen Mittelbaus und der Habilitanden. Letzteres wird von der Sektion Forschung organisiert.

Mit der Gesellschaft für medizinische Ausbildung GMA bestehen enge personelle Verbindungen – insbesondere über den dortigen Ausschuss Primärversorgung und das Vorstandsmitglied Dr. Markus Gulich; ebenso pflegen wir eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin GHA und ihrem Vorsitzenden Prof. Wilhelm Niebling.

Entwicklung der Abteilungen, Institute und Lehrgebiete an den Hochschulen:

Die positive Entwicklung der letzten Jahre hat sich fortgesetzt. Insbesondere in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gibt es jetzt neue Lehrstühle beziehungsweise Ausschreibungen solcher Einrichtungen. Bewirkt wurde dies durch nachdrückliche Einflussnahme der entsprechenden Landesregierungen aber auch anderer Förderer wie Krankenkassen sowie lokaler KVen.

An 12 Standorten gibt es C4/ W3-Professuren, davon einmal als Äquivalent mit BAT-Vertrag und zweimal als halbe Stelle, zusätzlich ist einmal die Stelle geteilt mit formaler Verlagerung einer halben Stelle von Halle nach Magdeburg. Neu ausgeschrieben ist Greifswald, und Erlangen bereitet eine Ausschreibung vor. Zur Wiederbesetzung sind die Professuren in Düsseldorf und Hamburg ausgeschrieben beziehungsweise im Berufungsverfahren, demnächst wird Göttingen folgen. An einem Standort ist die Aufwertung der vorhandenen W2-Professur nach W3 geplant. 10 Standorte verfügen über C3/W2-Professuren, dabei dreimal 2 halbe Professuren (davon ist eine derzeit vakant) und zweimal Professuren an Hochschulen, die auch eine C4-Professur aufweisen. In einem Fall ist die halbe Professur des Standortes analog besetzt. 3 weitere W2-Professuren befinden sich derzeit im Besetzungsverfahren, davon eine durch Aufwertung einer W1-Professur an einer Universität mit weiterhin bestehender C3-Professur.

Somit haben 21 (17 im Jahr 2008, 20 in 2009) der 36 Hochschulstandorte mindestens eine institutionalisierte (Teilzeit-)Professur, die derzeit an 19 Hochschulen auch besetzt ist. An 2 weiteren Standorten steht die Einrichtung einer Professur bevor, an einem die Gründung eines Instituts anstelle eines Lehrbereiches.

29 Standorte verfügen darüber hinaus über mindestens 2/5 wissenschaftliche Mitarbeiter/innen-Stellen (max. 6,5), darunter 9 ohne institutionalisierte oder im Besetzungsverfahren befindliche Professuren. Somit verbleiben 5 Universitäten (Bonn, Erlangen, Homburg/Saar, Kiel, Regensburg), die derzeit über keine festen wissenschaftlichen Personalstellen verfügen können; dabei ist in Erlangen und Bonn eine Änderung fest geplant.

5 Hochschulen haben keinerlei eigenes Sekretariatspersonal – die übrigen haben 1/5 bis 4 Stellen für nichtwissenschaftliches Personal – an 3 dieser Hochschulen gibt es nicht einmal eine Unterstützung durch wissenschaftliche Hilfskräfte, einmal übernimmt dabei das Dekanat diese Funktionen.

An 4 Standorten gibt es keine eigenen Räume für die Allgemeinmedizin.

Auch die Aktivitäten bei der Einwerbung von Drittmitteln sind zunehmend erfolgreich. 13 Abteilungen haben in den letzten 5 bis 10 Jahren Drittmittel in Höhe von jeweils 100 000 bis 6,5 Millionen € eingeworben, d. h. hier findet auch extern geförderte Forschungsaktivität statt. 6 weitere Standorte konnten kleinere externe Förderungen einwerben. Insgesamt verfügen 17 universitäre Einrichtungen der Allgemeinmedizin über extern finanzierte Stellen.

Somit setzt sich der Aufwärtstrend der letzen Jahre fort, aber die Zahl der oben benannten noch immer völlig unzureichend ausgestatteten Lehrbereiche der Allgemeinmedizin ist konstant geblieben. Die Details der einzelnen Standorte werden nicht mehr publiziert, können aber intern und spezifisch nach Bedarf und Fragestellung in der Sektion abgerufen werden. Die Angaben sind dann absolut vertraulich zu behandeln.

Lehre

Lehrangebote in der Allgemeinmedizin

Das Pflichtblockpraktikum in der Allgemeinmedizin wird in den Regelstudiengängen an 18 Universitäten einwöchig (davon an 3 Fakultäten nur halbtags), an 15 zweiwöchig und länger an 3 Hochschulen im Regelstudiengang durchgeführt. Außerdem bieten alle Hochschulen neben dem Blockpraktikum zusätzlichen Unterricht in Seminarform bzw. als Vorlesung an. Auch hier schwankt der Umfang je nach Standort erheblich. Darüber hinaus sind 25 Standorte in erheblichem Umfang an der Durchführung der Querschnittsfächer und interdisziplinären Unterrichtsveranstaltungen im klinischen Studienabschnitt (POL, Kommunikationstraining, Untersuchungskurse) sowie weiteren Lehrveranstaltungen wie beispielsweise der Einführung in die klinische Medizin und der Berufsfelderkundung in der Vorklinik beteiligt oder haben einen sehr großen eigenen Anteil an der Lehre. 4 weitere Standorte haben kleinere Anteile an interdisziplinären Veranstaltungen oder bieten Wahlfächer an. Bei den verbliebenen Reformstudiengängen gibt es ein verstärktes Lehrangebot durch die Allgemeinmedizin, z. B. in Form von regelmäßigen Praxistagen.

Evaluationen zeigen, dass die allgemeinmedizinische Lehre in aller Regel deutlich überdurchschnittlich bewertet wird, dazu kommt der erhebliche Umfang der Lehre durch die Allgemeinmedizin. Bedauerlicherweise spiegelt sich dies häufig nicht in der Ausstattung wider. Eine Übernahme von weiteren Lehrveranstaltungen kann sicher die Position an der eigenen Fakultät stärken, wenn sie mit einer adäquaten Gegenleistung verbunden ist, sonst schwächt sie unter Umständen die eigene Position.

Lehrpraxen und Lehraufträge

Die Zahl der Lehrpraxen variiert an den einzelnen Fakultäten zwischen 42 und 350, insgesamt sind es 4565. 2 Hochschulen verfügen nach eigenen Angaben über keinerlei bezahlte, 2 haben weit mehr als 10 unbezahlte Lehraufträge. Dem stehen 491 bezahlte Lehraufträge in der Summe aller Fakultäten / Fachbereiche gegenüber.

PJ-Wahltertial Allgemeinmedizin:

Aktuell wird an 33 Standorten ein allgemeinmedizinisches PJ-Tertial durchgeführt. Düsseldorf, Homburg und Münster bieten es derzeit mangels finanzieller Ausstattung nicht an. In Westfalen-Lippe und Niedersachsen wird es eine externe Förderung durch die KV beziehungsweise das Sozialministerium geben. Insgesamt haben bisher über 600 Studierende ihr PJ-Wahltertial in der Allgemeinmedizin abgeleistet und dieses meist hervorragend bewertet. In Westfalen-Lippe wird dieses Tertial auf die Weiterbildung Allgemeinmedizin angerechnet.

Diskutiert wird derzeit die Einführung eines Pflicht-Tertials Allgemeinmedizin neben Innere, Chirurgie und einem Wahlfach für je 3 Monate im Praktischen Jahr. Hierzu gab es ein Gespräch mit Vertretern der Studentenschaft, die zunächst sehr skeptisch waren, aber nun doch aufgeschlossener reagieren.

Qualifizierung:

Die Sektion organisiert auf den DEGAM-Kongressen Workshops oder Sitzungen mit dem Schwerpunk Lehre und kooperiert bei der Qualifizierung von Lehrpraxen, wie sie z. B. durch die Gesellschaft der Hochschullehrer in der Allgemeinmedizin (GHA) oder an einzelnen Hochschulstandorten angeboten wird.

Fazit

Trotz positiver Entwicklungen bleibt noch viel für unser Fach zu tun. Wir müssen weiterhin durch exzellente Leistungen in der Lehre, zunehmende Qualität und Außenwirkung von Forschungsprojekten und insbesondere die Förderung unseres wissenschaftlichen Nachwuchses die Voraussetzungen für die Anerkennung der Allgemeinmedizin als gleichwertiges Fach an allen Universitäten erkämpfen. Insbesondere benötigen wir bei den anstehenden Ausschreibungen genügend geeignete Bewerber/innen, um auch innerhalb der Hochschulen unsere Gleichrangigkeit nachweisen zu können.

Der Medizinische Fakultätentag hat sich jetzt mit der Stärkung der hausärztlichen Versorgung befasst und dabei eine überwiegend defensive Haltung eingenommen. Hierzu gibt es eine Stellungnahme der DEGAM, ebenso eine Resolution zur geplanten Schließung der Medizinischen Fakultät in Lübeck und ein Positionspapier zum Bedarf an Studienplätzen im Fach Humanmedizin und zur Förderung des hausärztlichen Nachwuchses an deutschen Universitäten. Letzteres ist zum Zeitpunkt der Manuskripteinreichung dieses Sektionsberichtes noch im Diskussionsprozess. Alles ist auf der Homepage der DEGAM nachzulesen (www.degam.de).

Wer uns bei unseren Aktivitäten unterstützen möchte, ist herzlich zur Kooperation in unserer Sektion eingeladen. Außerdem freuen wir uns auf unverzügliche Mitteilungen über neue Entwicklungen an der eigenen Abteilung / Lehrbereich – dies kommt letztlich allen in unserem Fach zugute.

Korrespondenzadresse:

Prof. Dr. med. Erika Baum

Dresdener Str. 34, 35444 Biebertal

E-Mail: Baum064092007@t-online.de


(Stand: 14.09.2010)

Als Abonnent können Sie die vollständigen Artikel gezielt über das Inhaltsverzeichnis der jeweiligen Ausgabe aufrufen. Jeder Artikel lässt sich dann komplett auf der Webseite anzeigen oder als PDF herunterladen.