Loading...

ZFA-Logo

Sektionsbericht Fortbildung 2010

PDF

Günther Egidi

Nachdem die Sektion Fortbildung im Jahr zuvor ein eindeutig definiertes Markenzeichen „Tag der Allgemeinmedizin“ (TdA) erarbeitet hatte, wurde im zurückliegenden Jahr dieses Angebot an interaktiver, industriefreier und wissenschaftlicher Fortbildung für Hausärzte auf einer eigenen Homepage dargestellt: www.tag-der-allgemeinmedizin.de

Mit Hilfe einer Google-Suche zu Angeboten an Tagen der Allgemeinmedizin fanden wir 3 neue Treffer: Der TdA Aachen wird mittlerweile nach den von der DEGAM festgesetzten Kriterien durchgeführt.

In Greifswald und Berlin musste interveniert werden, dass nach anfänglicher Unkenntnis der DEGAM-Kriterien die bislang angebotenen Seminarformate nicht unter diesem Namen weitergeführt werden dürfen – in Greifswald waren nicht Hausärzte die Initiatoren, und in Berlin handelte es sich um einen gemeinsamen Workshop mit der Landesärztekammer, der nur aus Vorträgen bestand.

In der kommenden Zeit sollen die allgemeinmedizinischen Abteilungen und Institute aller medizinischen Fakultäten mit der Bitte angeschrieben werden, ggf. in Zusammenarbeit mit dem regionalen Hausärzteverband einen „Tag der Allgemeinmedizin“ anzubieten.

Kritisch wurden kommerzielle Fortbildungsaktivitäten wie beispielsweise das „Praxis-Update Allgemeinmedizin“ durch die Sektion kommentiert. In diesen Fortbildungen herrscht überwiegend das Fortbildungsformat „Spezialisten unterrichten Hausärzte“ vor. Zudem lassen die hierbei vermittelten Inhalte den Rückschluss zu, dass indirekt für pharmazeutische Produkte geworben werden soll. Mit den von der DEGAM erarbeiteten Kriterien für eine hausärztliche Fortbildung vertragen sich solche Veranstaltungen nicht. Alle Mitglieder der DEGAM sind aufgerufen, sich weder als Organisatoren noch als Teilnehmende am „Praxis-Update Allgemeinmedizin“ zu beteiligen.

Ebenfalls kritisch, wenngleich auch nicht mit der Kritik zu großer Industrienähe, wurden die Veranstaltungen der Kaiserin-Friedrich-Stiftung in Berlin beurteilt – auch hier sind die Referierenden nahezu ausnahmslos Spezialisten, ohne dass ihnen hausärztliche Co-Referenten zur Seite gestellt worden wären.

Einige Mitglieder der Sektion Fortbildung nahmen im Herbst letzten Jahres an einer Tagung der Bundesärztekammer zum Thema „Evidenz didaktischer Methoden in der ärztlichen Fortbildung“ teil. Wir fühlten uns in unserer Kritik an einem rein quantitativ orientierten CME-Fortbildungssystem bestätigt. Unsere Kritik wurde dabei von den meisten Anwesenden geteilt. Die teilnehmenden Mitglieder der Sektion nahmen dabei die Idee einer interkollegialen und interprofessionellen Rezertifizierung unter Einbeziehung von Patienten-Rückmeldungen mit, wie sie in Kanada praktiziert wird. Das Absolvieren dieses Rezertifizierungs-Prozesses ist in Kanada verpflichtend – auf eine sanktionierende Beurteilung wird dabei aber verzichtet, um nicht die intrinsische Motivation der Teilnehmenden durch externe Anreize zu stören.

Wesentlicher Schwerpunkt der Sektionsarbeit war die Überarbeitung der DEGAM-Stellungnahme zur Fortbildung von 2001, die also noch vor Einführung der CME-Pflicht 2004 erstellt worden war. Ein (zu) ausführliches Hintergrund-Papier (http://www.degam.de/fortbildung/dokumente/DEGAM-Fortbildungspapier2009-Langversion-Hintergrund-Papier.pdf) wurde in einem intensiven Diskussionsprozess auf einen kurzen und damit leicht verwendbaren Text zusammengefasst: degam. de/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u= 0&file=fileadmin/user_upload/degam/Fortbildung/Position_der_DEGAM_zur_ hausaerztlichen_Fortbildung2010.pdf& t=1275643547&hash=257701cbf54fdfa1065eae4cfaf246aa

Die Sektion Fortbildung ist – sicherlich wesentlich bedingt durch die DEGAM-Kampagne zur Mitgliederwerbung im zurück liegenden Jahr rasant von 21 auf 97 Mitglieder angewachsen. Dieses Potenzial gilt es nun zu nutzen.

In der Sektionssitzung am Rande des Heidelberger DEGAM-Kongresses 2009 war noch über eine Reihe von Irritationen im Verhältnis zum Institut für hausärztliche Fortbildung (IhF) des Deutschen Hausärzteverbandes berichtet worden. Mittlerweile hat mit Michael Mühlenfeld ein Mitglied der Sektion die Leitung des IhF übernommen. Noch während des Heidelberger Kongresses fand ein erstes reflektierendes Gespräch statt. Inzwischen hat sich eine sehr erfreuliche, atmosphärisch hervorragende Kooperation entwickelt.

Der Hausärzteverband steht im Rahmen der Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung nach § 73b SGB V in der Pflicht, seine Fortbildungen nach evidenzbasierten Leitlinien auszurichten. Die DEGAM mit ihren wissenschaftlichen Ressourcen unterstützt dabei das Institut für hausärztliche Fortbildung (IhF) des Deutschen Hausärzteverbandes in seinem Bestreben, gute Fortbildungsformate flächendeckend zu implementieren. Die Tendenz zur Zentralisierung und zur Organisation von Großveranstaltungen wird von der DEGAM allerdings nicht befürwortet. Stattdessen sollte die Reflexion des eigenen Handelns und ggf. die Erarbeitung alternativer Handlungsstrategien in den Mittelpunkt gerückt werden. Diese Methodik wird bereits erfolgreich in zahlreichen Qualitätszirkeln praktiziert.

Die DEGAM wiederum braucht, obwohl selbst deutlich größer geworden, weiterhin die organisatorische Kraft des Hausärzteverbandes, um die Resultate ihrer Recherchen auch in die Fläche zu implementieren.

Mittlerweile wurden die beiden Sektionssprecher zu den Sitzungen von Beirat und Vorstand des IhF eingeladen. Das IhF verzichtet auf Fortbildung eigener regionaler Veranstaltungen, wenn zeitgleich Tage der Allgemeinmedizin stattfinden.

Inzwischen wurden die tendenziell zusammenlaufenden Interessen beider Organisationen in einem Vertragsentwurf zur Zusammenarbeit niedergelegt.

Es bleiben Differenzen, die sich möglicherweise aus den unterschiedlichen Sichtweisen einer an Wissenschaftlichkeit orientierten Fachgesellschaft und einem nicht unwesentlich an interner Effektivität orientierten Berufsverband erklären. Die DEGAM kritisiert dabei eine Tendenz zur Zentralisierung der Fortbildungsangebote beim IhF (Stichwort IhF-Kompakt-Tage). Unter Interaktivität versteht die DEGAM etwas anderes als den Einsatz von TED-Umfragen bei solchen Großveranstaltungen. Ein vom IhF zur Begründung dieser Formate herangezogenes Cochrane-Review wurde durch die Sektion einer kritischen Analyse unterzogen. Die in das Review einbezogenen Studien untersuchten allerdings echte interaktive Formate und nicht solche Veranstaltungen wie die IhF-Kompakt-Tage.

Unterm Strich hat sich aber die Kooperation beider Institutionen ganz erheblich verbessert.

Das nächste Sektionstreffen findet am Donnerstag 23. September um 19 Uhr am Rand des DEGAM-Kongresses in Dresden statt.

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Günther Egidi

Arzt für Allgemeinmedizin

Huchtinger Heerstr. 41

28259 Bremen

E-Mail: familie-egidi@nord-com.net


(Stand: 14.09.2010)

Als Abonnent können Sie die vollständigen Artikel gezielt über das Inhaltsverzeichnis der jeweiligen Ausgabe aufrufen. Jeder Artikel lässt sich dann komplett auf der Webseite anzeigen oder als PDF herunterladen.