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Sektionsbericht Weiterbildung 2011

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Jean-François Chenot, Jost Steinhäuser

Die aus unserer Sicht wichtigste Entscheidung im Bereich Weiterbildung in diesem Jahr ist die Wiedereinführung des alten Facharztes für Allgemeinmedizin und damit das Ende des bundesweit und europarechtlich nie anerkannten Facharztes für Innere Medizin und Allgemeinmedizin.

Die Probleme der Dauerbaustelle Weiterbildung, die nicht nur die Allgemeinmedizin betreffen, bestehen weiterhin und sollen ein Schwerpunkt der Arbeit der Bundesärztekammer in den nächsten Jahren werden. Hier ist die DEGAM Gesprächspartner und setzt sich, zum Teil in Kooperation mit dem Hausärzteverband, aktiv für eine strukturelle und inhaltliche Verbesserung der Weiterbildung ein. Im Folgenden werden wir abgeschlossene und laufende Aktivitäten der Sektion des letzten Jahres vorgestellt.

Positionspapier Quereinstieg

Ein politisch schwieriges Papier war das dem Hausärztemangel und hohem externen Druck geschuldete Positionspapier zum Quereinstieg für den diesjährigen Ärztetag in Kiel. Das DEGAM-Papier benennt die Nachteile klar und versucht als Diskussionsgrundlage für die Entscheidungsträger in den Landesärztekammern Impulse für die praktische Umsetzung zu geben, die auch für die Regelweiterbildung zu Verbesserung führen können [1, 2].

Positionspapier gegen weitere Subspezialisierung von Basiskompetenzen

Die Schaffung einer Vielzahl von Subspezialitäten, Präventionsmedizin Schmerztherapie, Palliativmedizin, etc. in Verbindung mit Titeln, Zusatzbezeichnungen oder Abrechnungsprivilegien unterhöhlt und gefährdet die Allgemeinmedizin, in dem sie immer mehr Kernkompetenzen aus der Allgemeinmedizin herausschneidet. Basiskompetenzen für die Grundversorgung der Bevölkerung sollen integraler Bestandteil der Weiterbildung sein. Dazu ist unter Federführung der Sektion ein Positionspapier veröffentlicht worden [3].

Information zu Weiterbildungsverbünden

Im Moment wird die nach Anregung aus der Sektion heraus erstellte Zusammenstellung aller uns bekannten Weiterbildungsverbünde auf unserer Webpräsenz nach Bundesländern sortiert, um das Auffinden von Verbundprojekten zu erleichtern. Weiterbildungsverbünde und Links zu Webpages können gerne an die Sektionssprecher gemeldet werden.

Verbesserung der Webpage

Die Sektionssprecher erreichen immer wieder Anfragen von Weiterbildern und an Weiterbildung interessierten Ärzten. Dazu ist auf der Webpräsenz der Sektion eine neue Information für Weiterbilder aufgenommen worden. Ergänzungen zu dieser Sammlung sind sehr willkommen. Im Moment bereiten wir zudem eine ergänzende Seite zu häufigen Fragen von Ärzten in Weiterbildung vor.

Entwicklung eines Vorschlags für die neue Weiterbildungsordnung Allgemeinmedizin

Für den kommenden Ärztetag entwickelt die DEGAM einen Vorschlag für die notwendige neue Weiterbildungsordnung für Allgemeinmedizin. Der Vorschlag wird sich an Patientenbedürfnissen und internationalen Vorbildern orientieren und eine bessere Strukturierung und Evaluation der Weiterbildung fordern. Dazu sind auch Treffen in der Bundesärztekammer mit dem Hausärzteverband geplant. Interessierte, aktive Sektionsmitglieder werden über ein Umlaufverfahren an der Erstellung beteiligt werden.

Kompetenzbasiertes Curriculum Allgemeinmedizin

Als eine längst überfällige Konsequenz der Evaluation der Weiterbildung in Allgemeinmedizin durch internationale Experten und einer in Baden-Württemberg durchgeführten Bedarfsanfrage bei weiterbildungsbefugten Hausärzten wurde durch das Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin Baden-Württemberg 2009 ein deutschlandweiter Prozess angestoßen, ein kompetenzbasiertes Curriculum für die Allgemeinmedizin zu erarbeiten [3, 4]. Kompetenz wird hierbei verstanden als die Fähigkeit und die Bereitschaft zum Einsatz einer Kombination aus Wissen, Fertigkeit und Verhalten, die für die Durchführung einer spezifischen Tätigkeit erforderlich sind [3]. Das aus diesem Prozess resultierende Curriculum soll den Arzt in Weiterbildung und seinen Weiterbildungsbefugten vom ersten Tag der Weiterbildung eine Richtschnur an die Hand geben, welche Kompetenzen ein Facharzt für Allgemeinmedizin haben sollte und stellt eine inhaltliche und didaktische Ergänzung zur Weiterbildungsordnung dar. Eine strukturierte Weiterbildung zum Allgemeinarzt könnte so in der Zukunft zu Absolventen führen, deren Kompetenzen bekannt sind. Als Rahmen für das kompetenzbasierte Curriculum wurde das CanMEDS Modell genommen (s. Abbildung 1) [4].

Aktueller Stand

Bisher nehmen an diesem Prozess 44 Kolleginnen aus 11 unterschiedlichen Bundesländern teil. Unter ihnen sind Ärzte in Weiterbildung, Fachärzte und Weiterbildungsbefugte. Eine externe Finanzierung besteht nicht, sodass das Projekt auf das zusätzliche Engagement der am Prozess Beteiligten angewiesen ist.

Seit der Vorstellung des Projektes auf dem DEGAM-Kongress in Dresden 2010 wurden folgende Bereiche weiter vorangetrieben [5]:

  • Das Projekt wurde von der DEGAM in die Sektion Weiterbildung integriert.
  • Die medizinische Expertise, die in der ursprünglichen Version eng an die dänische Version angelehnt war, wurde in der Struktur verändert.
  • Die 100 häufigsten Diagnosen in der Allgemeinarztpraxis wurden mittels zugänglichen Angaben zu Beratungsanlässen definiert sowie zusammengetragen, welche Kompetenzen hierfür an welchem Abschnitt während der Weiterbildung erworben werden sollten.
  • Die nicht-medizinischen Kompetenzen wurden kulturell adaptiert und in einer weiteren Kommentierungsphase konsentiert.

Nächste Schritte

Für den Herbst 2011 werden 20 Kolleginnen und Kollegen, die bisher nicht am Prozess des kompetenzbasierten Curriculums beteiligt waren, gesucht, die im Sinne eines Paneltestes die finale Erstversion des kompetenzbasierten Curriculums Allgemeinmedizin kommentieren.

Interessenten können sich gerne direkt bei Jost Steinhäuser anmelden: jost.steinhäuser@med.uni-heidelberg.de

Organisatorisches und Einladung

Seit einigen Jahren können neue DEGAM-Mitglieder bei ihrem Eintritt eine Sektion angeben, in der sie mitarbeiten wollen. Die Idee, neue Mitglieder so für die Sektionsmitarbeit zu gewinnen, ist selbstverständlich grundsätzlich positiv. Unsere Erfahrung mit der Sektionsarbeit in diesem Jahr hat uns deutlich gezeigt, dass es für die konstruktive Mitarbeit und Beteiligung an Abstimmungsprozessen notwendig ist, den Kreis der aktiv Mitarbeitenden genauer zu definieren. Die Erarbeitung eines Vorschlags, wie das in Zukunft gelingen kann, ist der wichtigste Tagesordnungspunkt des Sektionstreffens am 22.09.2011 in Salzburg auf dem DEGAM-Kongress. Dazu laden wir alle Interessierten herzlich ein. Wer nicht teilnehmen kann und sich aktiv an der Sektionsarbeit beteiligen möchte, wird gebeten, die Sektionssprecher zu kontaktieren.

Danksagung

Wir möchten diese Stelle nutzen, um den vielen Kolleginnen und Kollegen, die ihre Freizeit für die Erarbeitung des kompetenzbasierten Curriculums investiert haben, herzlich zu danken! Ein besonderer Dank geht an Dr. Michael Rausch für die Mitarbeit bei der Verbesserung der Webpage.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Jean-François Chenot, MPH

Abteilung Allgemeinmedizin

Universitätsmedizin Göttingen

Humboldtallee 38, 37073 Göttingen

Tel.: 0551 396599

E-Mail: jchenot@gwdg.de

Quellen

1. Ferdinand Gerlach. Quereinstieg in die Allgemeinmedizin – ein Notnagel. (Interview) Ärzte Zeitung, 19.05.2011. www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/article/ 655206/quereinstieg-allgemeinmedizin-notnagel.html

2. DEGAM: Positionspapier Quereinstieghttp://www.degam.de/uploads/media/DEGAM-Positionspapier_ WBO_Quereinstieg.pdf

3. DEGAM: Position der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zur zunehmenden Subspezialisierung in der Medizinhttp://www.degam.de/dokumente/aktuell_2009/Report%20 German%20GP%20Vocl%20 Training%20Commission%20 July%20final-amalgamated%20 not%20confidential.pdf

4. Joos S, Roos M, Ledig T, Bilger S, Szecsenyi J, Steinhäuser J. Perspektiven und Erfahrungen weiterbildungsbefugter Ärzte für Allgemeinmedizin – eine Umfrage in Baden-Württemberg. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes 2011; 105(2): 97–104. Epub 2010 Dec 3. German

5. Vortrag Prof. Hahn, Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) zum Thema „Kompetenzbasiertes Curriculum“ am 9. Oktober 2009 auf dem Heidelberger Tag der Allgemeinmedizin

6. Frank, JR (Ed.) (2005) The CanMEDS 2005 physician competency framework. Better standards. Better physicians. Better care. Ottawa: The Royal College of Physicians and Surgeons of Canada.

7. Steinhäuser J, Roos M, Huenges B, Czujewicz K, Dörr C, Schröder F, Peters-Klimm F, Joos S. Ein Curriculum für die Weiterbildung Allgemeinmedizin – jetzt oder nie. Z Allg Med 2010; 86 (Sonderausgabe): 40

Abbildungen:

Abbildung 1 CanMEDS Rollen in der Übersetzung der AG Weiterbildung des KompetenzZentrums Allgemeinmedizin Baden-Württemberg.


(Stand: 14.09.2011)

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