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Allgemeinmedizin an deutschen Hochschulen: Herzlichen Glückwunsch!

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Michael M. Kochen

„Durch die wachsenden primärärztlichen Aufgaben kann die allgemeinmedizinische Forschung zu einer Vermittlung der Ergebnisse der medizinischen Grundlagenforschung in patientennahe Forschung beitragen. Voraussetzung dafür ist eine adäquate Verankerung der Allgemeinmedizin im Universitätsbereich, die durch den Auf- und Ausbau von Lehrstühlen bzw. selbstständigen Abteilungen in den medizinischen Fakultäten erreicht werden kann“.

Dieser Text ist fast auf den Tag genau 14 Jahre alt. Er stammt aus den Richtlinien des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur „Förderung der Forschung in der Allgemeinmedizin in den medizinischen Fakultäten und Hochschulen“ und wurde am 15.9.1999 veröffentlicht. Seither sind 14 Jahre vergangen und in diesem Zeitraum hat sich bemerkenswert viel getan.

Die Dynamik im Hochschulbereich können Sie beim Blick auf die umseitig gedruckte Deutschlandkarte erkennen. Dort ist der Status der Institutionalisierung unseres Faches an allen medizinischen Fakultäten eingetragen:

  • 19 Fakultäten haben ein Institut oder eine Abteilung etabliert (wobei die personelle Ausstattung an einigen Orten durchaus zu wünschen übrig lässt – siehe dazu auch den Sektionsbericht von Antje Bergmann auf Seite 375).
  • 4 Fakultäten sind dabei, nach erfolgter Berufung entsprechende Professuren zu besetzen.
  • 4 Fakultäten haben Professuren ausgeschrieben.
  • 9 Fakultäten verfügen über Lehrbereiche oder Lehraufträge.

Damit dürfte die Allgemeinmedizin am Ende dieses Jahres also an 27 Standorten (75 % der Fakultäten) einen mit anderen Fächern annähernd vergleichbaren Organisationsgrad erreicht haben. Zum Vergleich: 1999 betrug diese Zahl gerade einmal sieben, 2008 immerhin schon 16. Dennoch ist noch ausreichend Wegstrecke zu bewältigen, wenn man sich den Institutionalisierungsgrad in den meisten europäischen Ländern ansieht. Er beträgt jeweils 100 % in Belgien, Holland oder England, allen skandinavischen und vielen osteuropäischen Ländern wie z.B. Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn oder Litauen und Estland.

Ein ähnliches Bild wie bei den Institutionen ergibt sich bei den Habilitationen, die im deutschsprachigen Raum auch heute noch als Eintrittsticket für wissenschaftliche Führungspositionen angesehen werden:

  • Die ersten Allgemeinärzte habilitierten sich ab 1977;
  • 1999 betrug die Zahl der Habilitierten 9,
  • 2006: 17,
  • 2008: 21 und
  • am Ende des Jahres 2013 werden 30 Kolleg/innen habilitiert sein.

Abgesehen von den z.T. hohen Hürden, sich als (praktizierender) Hausarzt den Herausforderungen einer Habilitation zu stellen, reicht diese Zahl aber bei weitem nicht für den wachsenden Bedarf aus. Insbesondere wenn man bedenkt, dass – z.B. durch Eintritt in den Ruhestand oder andere berufliche Orientierung – nicht alle Habilitierten für eine Hochschulkarriere zur Verfügung stehen.

Parallel zur Entwicklung an den Universitäten sind etliche andere Ziele erfolgreich erreicht worden, von denen nur wenige erwähnt werden sollen.

So wurde Eva Hummers-Pradier (Institut für Allgemeinmedizin der Universität Göttingen) 2012 zur stellvertretenden Sprecherin einer der vier Sektionen des Fachkollegiums Medizin der Deutschen Forschungsgemeinschaft gewählt – ein wichtiger Durchbruch. [Die DFG ordnet dem „Fächerkombinat“ „Public Health, medizinische Versorgungsforschung, Sozialmedizin“ auch die Allgemeinmedizin zu].

Delegierte der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin sind inzwischen in allen akademischen (und nichtakademischen) europäischen Hausarztorganisationen vertreten (http://www.woncaeurope.org/networks):

  • EURACT (European Academy of Teachers in General Practice and Family Medicine),
  • EGPRN (European General Practice Research Network),
  • EQUIP (European Society for Quality and Safety in Family Practice),
  • EUROPREV (European Network for Prevention and Health Promotion in Family Medicine and General Practice),
  • EURIPA (European Rural and Isolated Practitioners Association);
  • Vasco da Gamma Movement (Junge Allgemeinmedizin)

Alle diese Meilensteine wären ohne die rasante Entwicklung der DEGAM nicht denkbar. Sie hat sich konsequent professionalisiert und konnte in den letzten neun Jahren ihre Mitgliedschaft mehr als vervierfachen ... vor allem aber auch verjüngen.

Der im Titel dieses Editorials ausgesprochene Glückwunsch gebührt also nicht nur der Entwicklung der Allgemeinmedizin an den Hochschulen, sondern auch der DEGAM als Fachgesellschaft aller deutschen Hausärzte.

Herzlich

Ihr


(Stand: 11.09.2013)

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