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Subklinische Hyperthyreose: Wie hoch ist das Risiko eines neu auftretenden Vorhofflimmerns?

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Eine klinisch und laborchemisch eindeutige Überfunktion der Schilddrüse ist bekanntlich ein klarer Risikofaktor für die Entwicklung von Vorhofflimmern (VF): Nach vorliegenden Studien entwickeln hyperthyreote Patienten in rund 8 % innerhalb von 30 Tagen nach Diagnose ein VF. Höheres Alter, männliches Geschlecht und vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankungen sind dabei prädisponierende Faktoren.

Wie aber steht es um dieses Risiko bei subklinischen Situationen, die nicht so eindeutig als Hyper- oder Hypothyreose klassifiziert werden können?

Aus der dänischen Hauptstadt Kopenhagen (Dänemark gilt als Traumland für epidemiologische Fragestellungen, aber auch als Vorbild bezüglich seines hausärztlich geprägten Versorgungssystems) stammt eine Kohortenstudie, in der Hausärzte zehn Jahre lang die Schilddrüsenfunktion von 586.460 Patienten untersuchten. Das Durchschnittsalter betrug rund 50 Jahre, 61 % waren Frauen. Bei keinem der Patienten war anamnestisch eine abnorme Schilddrüsenfunktion oder Vorhofflimmern bekannt.

Von den Patienten hatten

  • 562.461 (96 %) eine normale Funktion,
  • 1.670 (0,3 %) eine offenkundige Hypothyreose,
  • 12.087 (2 %) eine subklinische Hypothyreose,
  • 3.966 (0,7 %) eine eindeutige Hyperthyreose und
  • 6.276 (1,0 %) eine subklinische* Hyperthyreose.

Erstmaliges Vorhofflimmern entwickelten während der mittleren Nachverfolgungszeit von 5,5 Jahren 17.154 Patienten (2,9 %), und zwar

  • 2,9 % bei Euthyreose,
  • 4,6 % bei Hyperthreose und
  • 2,5 % bei Hypothyreose.

Bei subklinisch hypothyreoten und euthyreoten Patienten war die VF-Inzidenz ähnlich; bei subklinisch hyperthyreoten Personen war sie deutlich höher. Grafisch lässt sich das über die Zeit wie in der Abbildung darstellen (Patienten 65 J).

Quintessenz

  • Schilddrüsenstörungen sind mit einer Häufigkeit von 4 % in der hausärztlichen Praxis keine Seltenheit.
  • Wer sich bei einem Patienten zur initialen Funktionsprüfung entscheidet, sollte – bis auf klinisch klare Fälle – nur TSH bestimmen lassen. Bei pathologischem Ausfall sollte man im Labor u.a. die Messung der peripheren Schilddrüsenhormone aus derselben Serumprobe nachfordern.
  • Nicht nur Patienten mit eindeutiger Hyperthyreose, sondern auch Personen mit subklinisch erhöhter Schilddrüsenfunktion haben ein deutlich vermehrtes Risiko, Vorhofflimmern zu entwickeln.
  • Liegt eine offenkundige oder subklinische Unterfunktion vor, sinkt das Risiko unter das von Euthyreoten.

Selmer C, Olesen JB, Hansen ML, et al. The spectrum of thyroid disease and risk of new onset atrial fibrillation: a large population cohort study. BMJ 2012;345:e7895 (frei unter www.bmj.com/content/345/bmj.e7895)

Abbildungen:

Abbildung Cumulative incidence of atrial fibrillation in relation to thyroid dysfunction at baseline thyroid screening (age 65 years). Values adjusted for competing risk of death from all causes [Selmer et al. 2012].

* Subklinisch war wie üblich so definiert, dass das TSH pathologisch ausfiel, die peripheren Schilddrüsenhormone jedoch im Normbereich lagen.


(Stand: 11.09.2013)

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