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Sektionsbericht Fortbildung 2013

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Die DEGAM-Sektion Fortbildung ist inzwischen auf 232 Mitglieder angewachsen. Wie die DEGAM im Allgemeinen hat sich die Sektion auf dem Feld der Fortbildungen von und für hausärztliche Praxisteams für die Mitarbeit von Medizinischen Fachangestellten geöffnet.

Nach unserer Auffassung hat sich das CME-Fortbildungssystem überlebt. Das Sammeln von Fortbildungspunkten sagt kaum etwas über die Fähigkeit einer Hausarztpraxis aus, adäquat mit den gesundheitlichen Anliegen der Patienten umgehen zu können und auf dem Stand des medizinischen Wissens zu bleiben. Vielmehr sehen wir im problemorientierten Lernen in Qualitätszirkeln, ggfs. unter Hinzuziehung von spezialärztlichem Wissen, die Basis des hausärztlichen Wissensmanagements. Kollegiale Praxis-Hospitationen, ein Portfolio-Lernen mit Mentoren und perspektivisch sanktionsfreie Formen der kollegialen Rezertifizierung nach kanadischem Vorbild sind Ergänzungen, mit denen wir nach und nach eine moderne Lernkultur aufbauen wollen.

2011 und 2012 hatte die Sektion ein Manual über Hospitationen hausärztlicher Praxisteams erarbeitet. Ein entsprechendes Logo (Abb. 1) wurde ent-wickelt. Alle Praxen von DEGAM-Mitgliedern, die der DEGAM-Geschäftsstelle gegenüber ihr Einverständnis erklären, die im Hospitations-Manual niedergelegten Prinzipien einzuhalten, erhalten das Logo zur Verwendung auf ihrem Praxisbriefkopf und ihrer Homepage sowie eine entsprechende Urkunde. Die DEGAM-Geschäftsstelle führt eine – ständig anwachsende – Liste von DEGAM-Hospitationspraxen, die auf der Fortbildungs-Homepage übersichtlich dargestellt ist. Um nach und nach unser Vorbild der niederländischen „Visitatie“-Kampagne nachzuahmen, wurde kräftig für unsere Idee hausärztlicher Praxis-Hospitationen geworben: im allgemeinmedizinischen Listserver und mit Artikeln in ZFA, im „Hausarzt“, im „Allgemeinarzt“ und in der „Ärztezeitung“. Ausführliche Informationen zu DEGAM-Praxis-Hospitationen finden sich unter www.degam.de/index.php.

Das sind u.a.

  • ein Leitfaden zum Thema (http://www. degam.de/fileadmin/user_upload/ degam/Fortbildung/Hospitation/ Leitfaden_Praxishospitation.pdf)
  • ein etwas umfangreicheres Manual (http://www.degam.de/fileadmin/user_upload/degam/Fortbildung/Hospitation/DEGAM-Manual_ Hospitationen_final.pdf)
  • Checklisten für ÄrztInnen (http://www. degam.de/fileadmin/user_upload/ degam/Fortbildung/Hospitation/Checkliste_Praxishospitation_ Aerzte.pdf)
  • Checklisten für MFAs (http://www.degam.de/fileadmin/user_upload/ degam/Fortbildung/Hospitation/Checkliste_Praxishospitation_ MFAs.pdf)
  • sowie Formulare für die Anmeldung von Praxishospitationen bei der regionalen Landesärztekammer als Fortbildung (http://www.degam.de/fileadmin/user_upload/degam/ Fortbildung/Hospitation/Anmeldung_ DEGAM-Hospitation_01.pdf)
  • eine vorab auszufüllende Verschwiegenheitserklärung (http://www.degam. de/fileadmin/user_upload/degam/Fortbildung/Hospitation/ Verschwiegenheitserklaerung_ DEGAM-Hospitation.pdf)
  • eine entsprechende Fortbildungs-Bescheinigung (http://www.degam.de/fileadmin/user_upload/degam/Fortbildung/Hospitation/DEGAM-Hospitations-Bescheinigung.1.pdf)
  • Unter www.degam.de/index.php findet sich eine Übersicht nach Bundesländern, wo überall sich schon DEGAM-Hospitationspraxen gemeldet haben.

Wir planen, in Zusammenarbeit mit der Heidelberger Abteilung für Allgemeinmedizin das Projekt Hausärztliche Praxis-Hospitation zu evaluieren.

Unser Vorstoß beim Deutschen Senat für Ärztliche Fortbildung, dass nicht nur die Hospitierenden, sondern auch die Hospitierten CME-Punkte bekommen sollen, blieb bislang erfolglos. Erfahrungsberichte zeigen, dass es manchmal dennoch erfolgreich sein kann, frühzeitig einen Antrag auf eine Fortbildung der Kategorie G für zwei Personen bei der zuständigen Landesärztekammer zu stellen.

Man möchte beim Deutschen Senat für Ärztliche Fortbildung ein eigenes „Curriculum Ärztliches Peer-Review“ vorrangig fördern. Wir halten dieses sehr stark formalisierte Projekt, das eher an ein formales Assessment wie bei der Praxis-Visitation im Rahmen des QM erinnert, für die hausärztliche Praxis-Hospitation nicht für geeignet.

Neben Praxis-Hospitationen ist die kontinuierliche Arbeit in Qualitätszirkeln ein wesentlicher Bestandteil dessen, was wir unter hausärztlicher Fortbildung verstehen:

  • Interaktivität
  • Evidenzbasierung
  • Kontextrelevanz
  • Industrieunabhängigkeit
  • Orientierung an den Lernenden
  • Perspektivisch Einbezug der gesamten Praxisteams
  • Entsprechend Fortbildung von hausärztlichen Praxisteams für hausärztliche Praxisteams

Für die „Practica“ in Bad Orb, den größten deutschen Seminarkongress für hausärztliche Fortbildungen, wurde entsprechend den geschilderten Fortbildungskriterien ein „DEGAM-Fortbildungslabel für eine gute Medizin“ (Abb. 2) erstellt. Im Programm der „Practica“ ist erkennbar, welche ReferentInnen nach Selbstauskunft bereit und in der Lage sind, die Anforderungen dieses Labels zu erfüllen. Das DEGAM-Fortbildungs-Label kann bei der Sektion Fortbildung auch für alle anderen Fortbildungs-Veranstaltungen beantragt werden. Entsprechende Informationen finden sich unter www.degam.de/index.php.

Mit den Fortbildungen im Rahmen der Hausarztzentrierten Versorgung nach §73b SGB V ist in Baden-Württemberg eine neue unabhängige hausärztliche Fortbildungskultur entstanden. Daneben haben sich die „Tage der Allgemeinmedizin“ etabliert. Aktuell gibt es sie in 11 Städten. Einen Überblick über die Tage der Allgemeinmedizin gibt es unter www.degam.de/index.php.

Darüber hinaus arbeiten die Hausärztliche Fortbildung Hamburg (HFH), die Akademie für hausärztliche Fortbildung Bremen, das Institut für hausärztliche Fortbildung des deutschen Hausärzteverbandes sowie die Initiative für Online-Lernen ELA (E-Learning in der Allgemeinmedizin) konstant und erfolgreich.

Die Sektion erarbeitete eine Stellungnahme zur neuen Musterfortbildungsordnung der Bundesärztekammer. Wir sind der Auffassung, dass allein aufgrund der Anzahl der von den Landesärztekammern zertifizierten Fortbildungen von fremden Interessen dominierte Fortbildungen – realistisch gesehen – nicht völlig verhindert werden können, weil schlicht die Kontrollinstrumente fehlen. Zudem können Interessenkonflikte durchaus gegenüber verschiedenen Playern im Gesundheitswesen bestehen – nicht nur Pharmakonzernen gegenüber, sondern auch Krankenkassen, dem Staat etc. Etliche auch aus unseren Reihen haben solche Interessenkonflikte.

Die folgenden Konkretisierungen der Musterfortbildungsordnung zum Thema Interessenkonflikte schlugen wir der Bundesärztekammer vor:

  • Der DEGAM-/AWMF-Katalog zur Angabe von Interessenkonflikten sollte bereits bei der Anmeldung von Fortbildungen zugrunde gelegt werden.
  • Es soll nicht nur auf die Interessen Externer gezielt werden, sondern explizit auch danach gefragt werden, ob der/die Referierende Geld mit der Durchführung der diagnostischen oder therapeutischen Prozeduren verdient, über die er bzw. sie referiert.
  • Bereits auf den Einladungen zu Veranstaltungen muss vermerkt sein, wer die Veranstaltung finanziert.
  • In der 1. Vortragsfolie sollen möglicherweise konfligierende Interessen offen gelegt werden.

Die ernüchternde Antwort lautet, dass die Musterfortbildungsordnung hinsichtlich der Angabe von Interessenkonflikten nicht konkretisiert werden soll, und der DEGAM keine Vertretung im Deutschen Senat für ärztliche Fortbildung eingeräumt werden wird. Darüber hinaus wurde der DEGAM-Vorschlag abgelehnt, die Mitarbeit an der Entwicklung evidenzbasierter allgemeinmedizinischer Leitlinien mit CME-Fortbildungspunkten zu versehen.

Von Mitgliedern der Sektion wurde im zurückliegenden Jahr schließlich noch ein Entwurf für einen Kriterienkatalog für die Qualifikation allgemeinmedizinischer Weiterbilder erarbeitet und durch einen Praxistest hinsichtlich seiner Praktikabilität und Akzeptanz begründet. Eine Veröffentlichung wird bald in der Zeitschrift der Gesellschaft für medizinische Ausbildung (GMA) erscheinen.

Auf dem diesjährigen DEGAM-Kongress in München soll gemeinsam mit der Sektion Weiterbildung in einem Workshop erarbeitet werden, wie inhaltliche und organisatorische Standards für ein allgemeinmedizinisches Mentoring aussehen könnten.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Günther Egidi

Arzt für Allgemeinmedizin

Huchtinger Heerstraße 41

28259 Bremen

familie-egidi@nord-com.net

Abbildungen:

Abbildung 1 Logo Hospitationspraxis

Abbildung 2 DEGAM-Fortbildungslabel für eine gute Medizin


(Stand: 11.09.2013)

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