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Sektionsbericht Weiterbildung 2014

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Jost Steinhäuser

Novelle der Muster- weiterbildungsordnung

Bereits im letzten Jahr wurde der Entwurf der DEGAM für die neue Musterweiterbildungsordnung (MWBO) vorgestellt. Unser Entwurf und ein Kommentar dazu sind auf den Webseiten der Sektion öffentlich einsehbar [1, 2]. Der Entwurf und die Erläuterung wurden in der Akademie für Allgemeinmedizin, dem Gremium der Allgemeinärzte in der Bundesärztekammer, vorgestellt und diskutiert. Ebenfalls dort wurde von Pieter van den Hombergh von der Landelijke Huisartsen Vereniging aus den Niederlanden die dortige Weiterbildung Allgemeinmedizin vorgestellt. Es wurde einmal mehr klar, wie weit wir in Deutschland von der Professionalisierung der Weiterbildung entfernt sind. Kern des Problems der ungenügenden Professionalisierung ist die mangelnde Finanzierung von Strukturelementen in der Weiterbildung, wie sie in anderen Industriestaaten bereits Standard ist. Dies war auch Gegenstand mehrerer Beschlüsse des Deutschen Ärztetags 2014 [3]. Dabei wurde unter der Überschrift Qualität erfordert Qualifikation die Weiterbildung als zentrales Element der Qualitätssicherung beschrieben. Erwartungsgemäß konnte der straffe Zeitplan für die Novelle der MWBO nicht eingehalten werden und eine erneute Diskussion musste auf den Ärztetag 2017 verschoben werden. Die Strukturvorgaben wurden abgelehnt und der MWBO-Entwurf befindet sich in den Landesärztekammern zur Diskussion. Nach Rücksprache mit der Bundesärztekammer wird die DEGAM erneut Gelegenheit bekommen, den Entwurf zu kommentieren.

Beispielhaft für die vielen, lokalen Diskussionen im Zusammenhang mit unserem Entwurf möchten wir zu einem Antrag des baden-württembergischen Hausärzteverbands, die Schilddrüsensonografie verpflichtend in der Weiterbildung Allgemeinmedizin zu erhalten, Stellung nehmen. Die Schilddrüsensonografie soll aus Sicht der DEGAM nur ein fakultativer Bestandteil der Weiterbildung Allgemeinmedizin sein, damit sie bei entsprechender Qualifikation später abgerechnet werden kann. Dafür sprechen aus unserer Sicht zwei starke Gründe. Erstens ist die Schilddrüsensonografie ein Nadelöhr in der Weiterbildung und wird nur von einer Minderheit der Allgemeinärzte angeboten. Sie obligatorisch festzuschreiben, schürt die Unzufriedenheit der Ärzte in Weiterbildung und befördert die unbefriedigende Situation, dass geschönte Zahlen im Logbuch bescheinigt werden. Zweitens ist der tatsächliche Nutzen der Schilddrüsensonografie wenig belegt, dazu sei auf die sich im Entstehen befindliche DEGAM-Leitlinie „Schilddrüsenerkrankungen in der Hausarztpraxis“ [4] verwiesen und auf die kontroverse Diskussion der Beiträge zu Schilddrüsenerkrankungen im Deutschen Ärzteblatt in den letzten Jahren.

Akkreditierung Verbundweiterbildung

plus

Im vergangenen Sommer wurden die DEGAM-Anforderungen, die an eine zeitgemäße, qualitativ hochwertige Weiterbildung zum/r Facharzt/ärztin für Allgemeinmedizin anzulegen sind, definiert. Diese Form der Weiterbildung bezeichnen wir als „DEGAM-Verbundweiterbildungplus“. Auf diese Weise wird das Ziel verfolgt, bundesweit eine einheitliche, hochwertige und verlässliche Qualität für Initiativen zur Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin zu erreichen. Dadurch soll die Attraktivität und Qualität der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin gesteigert werden.

Auf dem letzten DEGAM Kongress 2013 wurde innerhalb der Sektion Weiterbildung eine Arbeitsgruppe gegründet, die zukünftige Akkreditierungskriterien von DEGAM-Verbundweiterbildungplus-Weiterbildungsverbünden erarbeiten soll. Der Arbeitsplan dieser AG sieht vor, eine systematische Literaturrecherche, eine systematische Durchsicht von Indikatorendatenbanken sowie von „grauer“ Literatur/Befragung von Experten zum Thema Akkreditierung von allgemeinmedizinischer Weiterbildung durchzuführen. Die so identifizierten Qualitätsindikatoren werden aufbereitet und in einem Panel im Oktober und Dezember dieses Jahres strukturiert bewertet. Für diese Schritte wurde eine Doktorarbeit an eine Studierende aus der Nachwuchsakademie vergeben. Diese Indikatoren werden dann im Rahmen von Pilot-Akkreditierungen erprobt. Als Leiterin dieser AG konnte Elisabeth Flum gewonnen werden. Um in der Zwischenzeit praktische Erfahrungen für die Situation einer Akkreditierung zu gewinnen, wurde ein Verbundweiterbildungsprojekt in Bayern visitiert. Einer der wesentlichen Lehren aus diesem Besuch war, dass die bisherige Checkliste allein nicht ausreichend ist, um eine Akkreditierung durchzuführen.

Finanzierung der Weiterbildung Allgemeinmedizin

Die Zahl der geförderten Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin ist von 2010 bis 2012 im ambulanten Bereich zwar um 18 % und im stationären Bereich um 14 % gestiegen [5], aber trotzdem ist der nach wie vor völlig unzureichende Anteil der Facharztprüfungen im Fach Allgemeinmedizin auch 2013 (auf zuletzt nur noch 9,97 % aller Facharztprüfungen) leicht gefallen (Abb. 1). Probleme mit im ambulanten Bereich vorzeitig ausgeschöpften Fördertöpfen sind wiederholt in Berlin, Bremen, Hessen und Nordrhein aufgetaucht. Die beabsichtigte Erhöhung der Förderung für die Weiterbildung Allgemeinmedizin um 50 % ist auch daher so im aktuellen Koalitionsvertrag festgehalten worden [6]. Bei der Ausgestaltung der Finanzierung, insbesondere für wichtige Strukturelemente der Verbundweiterbildung, wie regionale Weiterbildungsverbünde und die für Attraktivität und Qualität unverzichtbaren, universitär angebundenen Kompetenzzentren, wurde von der DEGAM u.a. die sogenannte „Rucksacklösung“ vorgeschlagen [7]. In der Kassenärztlichen Bundesvereinigung fanden mit dem Präsidenten Prof. Ferdinand Gerlach dazu gemeinsam mit Bundesärztekammer und der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem GKV-Spitzenverband Gespräche statt. Ein mögliches Modell ist die an den Niederlanden orientierte Lösung einer Förderstiftung für Aus- und Weiterbildung. Gegner dieser Lösung befürchten – zu Unrecht – ein Bürokratiemonster, haben aber keine Alternativlösung, um die sich gegenwärtig weiter verschärfenden Probleme in der Finanzierung der Aus- und Weiterbildung zu beheben. Da sich bei diesem wichtigen Zukunftsthema der DEGAM-Präsident persönlich engagiert, werden zu diesem Thema auch weiterhin intensive Gespräche mit den o.g. Beteiligten und darüber hinaus auch mit dem Bundesministerium für Gesundheit, den Ländern, dem Deutschen Hausärzteverband etc. geführt.

Danksagung: Wir möchten an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, um den vielen Kolleginnen und Kollegen, die ihre Freizeit für die Sektionsarbeit investiert haben, herzlich zu danken!

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Jean-François Chenot, MPH

Abt. Allgemeinmedizin

Institut für Community Medicine

Universitätsmedizin Greifswald

Ellernholzstraße 1–2

17487 Greifswald

jchenot@uni-greifswald.de

Literatur

1. www.degam.de/files/Inhalte/Degam-Inhalte/Sektionen_und_Arbeitsgruppen/Sektion_Weiterbildung/DEGAM_MWBO_AM_2013.pdf

2. www.degam.de/files/Inhalte/Degam-Inhalte/Sektionen_und_Arbeitsgruppen/Sektion_Weiterbildung/Erlaeuterungen_zum__Vorschlag_zur_neuen_Musterweiterbildungsordnung_der_DEGAM_20130908.pdf

3. www.bundesaerztekammer.de/downloads/117DAETBeschlussprotokoll20140613.pdf

4. www.degam.de/leitlinien-51.html

5. Gemeinsame Pressemitteilung von BÄK und KBV, GKV-Spitzenverband, DKG und PKV vom 20.12.2013. www.bundesaerztekammer.de/page.asp

6. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD www.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/2013/2013–12–17-koalitionsvertrag.pdf;jsessionid=EA3616A8BBD5ED5F898FDCA2D038B342.s1t2

7. www.degam.de/files/Inhalte/Degam-Inhalte/Presse/Presseordner_2013/PM_DEGAM_Finanzierung_der_Weiterbildung.pdf

Abbildungen:

Abbildung 1 Entwicklung der Zahl der Facharztanerkennungen [Quelle: www.bundesaerztekammer.de/downloads/Stat13Abb08.pdf]


(Stand: 13.05.2015)

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