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Bericht der Arbeitsgruppe Psychosomatik in der Allgemeinmedizin 2014

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Iris Veit

Die AG versteht sich als ein Netzwerk aller, die den Aspekt der Beziehungsorientierung in Aus- und Weiterbildung, Versorgung und Forschung weiter verankern wollen.

Was ist psychosomatische Grundversorgung? Eine Beschreibung aus allgemeinmedizinischer Sicht ist erforderlich!

Eine Erfahrung der Aktivitäten des vergangenen Jahres ist, dass wir eine gemeinsame Beschreibung benötigen, was psychosomatische Grundversorgung für die Hausärzte/innen umfasst. Psychosomatische Grundversorgung ist keine additive, sondern eine konstitutive Aufgabe. Eine solche umfassende Beschreibung ist nicht nur erforderlich, um Anforderungen an die Weiterbildung zu definieren. Eine Positionierung unsererseits ist erforderlich, um auch nach außen hin, z.B. bei der Arbeit an Leitlinien und Versorgungsstrukturen, einer Reduzierung unserer Tätigkeit auf die Basisdiagnostik psychischer Erkrankungen, Psychoedukation und Koordination entgegen zu wirken. Damit haben wir im vergangenen Jahr begonnen und wollen uns in 2015 darauf konzentrieren; einem wichtigen Schritt der Erarbeitung soll die Preconference auf der kommenden Jahrestagung dienen.

Damit die Weiterbildung in Psychosomatischer Grundversorgung mit Beteiligung der Allgemeinmedizin stattfindet, haben Mitglieder der AG in Zusammenarbeit mit dem Institut für hausärztliche Fortbildung sehr erfolgreiche Weiterbildungskurse angeboten. Der Erfolg spricht für die Fortsetzung dieser Zusammenarbeit.

Inhaltliche Themen

Erfolgreiche Workshops zum Umgang mit depressiven Patienten/innen und solchen mit nicht spezifischen Körperbeschwerden wurden auf dem letzten Kongress durchgeführt. Zu Letzterem wurde ein Vier-Schritte-Modell für den Praxisalltag entwickelt, nachzulesen auf der Homepage.

Fünf Publikationen von Mitgliedern der AG sind in der ZFA erschienen, die theoretisch philosophische Aspekte, sprachliche Aspekte der Beziehungsgestaltung und ihre Evidenzbasierung z.B. im Umgang mit negativen Emotionen und im Umgang mit traumatisierten Patienten behandeln und Überlegungen, wie in Aus- und Weiterbildung Selbstreflexion gelernt und gelehrt werden kann, behandeln.

Die Hamlet-Gruppe arbeitet weiter an der Erfassung hausärztlicher Interventionen mit dem Ziel, ein Forschungsinstrumentarium für Lebenskunst/lebenseffektive Interventionen zu entwickeln.

Leitlinienarbeit

Nach dem die S1-Leitlinie „Hausärztliche Basisbehandlung depressiver Patienten“ vom Netz genommen wurde, zählen wir darauf, dass unsere Arbeit Einfluss auf die Überarbeitung der Nationalen Versorgungsleitlinie „Unipolare Depression“ nimmt.

Evidenzbasierung von Gesprächsführung ist in der DEGAM ein wichtiges Anliegen. Wir möchten uns auf den Gesprächstypus „Anamnese“ konzentrieren und auf der Basis des Wirkfaktors Arzt-Patient-Beziehung die Struktur des Ablaufs dieses Gesprächstyps und sprachliche Gestaltung evidenzbasiert erarbeiten. Dies kann in einer S1-Leitlinie und in der Unterstützung einer Leitlinie „Gesprächsführung“ münden. Ein Konzept dazu ist erstellt und auf der Homepage einsehbar.

Reform der Versorgungsstrukturen und unsere Haltung

Die Bundesärztekammer, gesetzliche Krankenkassen und die KBV diskutieren eine Strukturreform der ambulanten, psychotherapeutischen Versorgung. Sprechstunden zur Diagnostik und Beratung der Patienten/innen, Kurzzeittherapien im Rahmen einer gestuften Versorgung, Gruppenpsychotherapie sind wesentliche, neue Elemente der zukünftigen Planung. Die Aufgaben der primär somatisch tätigen Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie insbesondere in der Versorgung körperlich Kranker werden nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt. Dabei erbringen diese Ärzte/innen wichtige Versorgungsaufgaben, die sich allein aus ihrer Anzahl ergeben. 8.608 Ärzte mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie, davon 1.164 Allgemeinmediziner (Stand 12/2012) sind in der Versorgung in Deutschland tätig. Hausärzte/innen erbringen psychosomatisch/psychotherapeutische Versorgungsleistungen, für die Leistungsziffern kein Abbild geben. Diagnostik und Beratung von Patienten/innen und Kurzzeittherapien wurden unattraktiv gemacht durch die Budgetierung der Psychosomatischen Grundversorgung und der probatorischen ersten Gespräche und die Bindung an ein Gutachterverfahren für die ersten 30 Fälle. Viele Hausärzte sind daher unzufrieden. Wir haben dies im letzten Jahresbericht bereits festgestellt und eine Mitarbeit/Zusammenarbeit in der STÄKO (Ständige Kommission der Verbände psychotherapeutisch tätiger Ärzte) und mit dem Verband der niedergelassenen psychotherapeutisch tätigen Ärzte begonnen.

Eine Position aus hausärztlicher Sicht muss daher jetzt formuliert und öffentlich gemacht werden, die beinhalten sollte: bezahlte Sprechstunden für Diagnostik und Beratung, kleinere Therapiekontingente außerhalb eines Gutachterverfahrens und darüber hinaus ein Wegfall der Budgetierung, insbesondere der der psychosomatischen Grundversorgung. Dies wollen wir auf dem Treffen der AG Psychosomatik auf dem Jahreskongress in Hamburg tun.

Strukturen der AG und mehr Transparenz

Strukturen und Transparenz haben wir, wie im letzten Jahr angeregt, verbessert. Es erscheinen Rundbriefe an die interessierten Mitglieder, unsere Darstellung auf der Homepage der DEGAM wurde strukturiert und bietet allen einen Zugriff auf bisherige Workshops und eine Studienzusammenstellung zur Beziehungsorientierung in der Medizin. Projektgruppen zu verschiedenen Themen haben ihre Arbeit aufgenommen. Weitere Verbesserungen sollen auf dem Treffen/der Mitgliederversammlung der AG Psychosomatik in Hamburg erörtert werden.

Dazu und zur Preconference wie auch zu unseren Workshops in Hamburg möchte ich Sie herzliche einladen. Mitarbeit eines jeden ist erwünscht.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Iris Veit

Bahnhofstraße 204

44623 Herne

Tel.: 02323 24245

info@irisveit.de


(Stand: 13.05.2015)

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