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Höhentraining Allgemeinmedizin

2. Schwarzwälder Winterschool Allgemeinmedizin in Hinterzarten

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Antonia Bien

„Vor der Winterschool war ich an der Allgemeinmedizin interessiert – jetzt nach der Winterschool kann ich behaupten, mir fast sicher zu sein, dass die Allgemeinmedizin die richtige Fachrichtung für mich ist.“ (Ann-Kathrin, Teilnehmerin der 2. Winterschool 2015)

Das scheinen ungewöhnliche und motivierende Worte zu sein, anlässlich der allseits präsenten Debatten über Hausärztemangel, ländliche Versorgungsengpässe und fehlende Attraktivität der Allgemeinmedizin aus Sicht junger Kolleg/innen.

Wie kam es zu dieser positiven Einstellung gegenüber der Allgemeinmedizin? Vermutlich standen die Studierenden, die sich am 25. Februar gespannt zur 2. Schwarzwälder Winterschool Allgemeinmedizin in Hinterzarten versammelt hatten, der Allgemeinmedizin bereits im Vorfeld aufgeschlossener gegenüber als „durchschnittliche“ Medizinstudentinnen (18 Frauen, sechs Männer, s. Bild).

Viele Fragen, viele Antworten

Die Studierenden aus den unterschiedlichsten Semestern und Universitäten Deutschlands kamen mit vielen offenen Fragen zur Winterschool. Manche hatten bereits konkrete Vorstellungen zu ihrer späteren Facharztwahl, andere waren mit einer generellen Neugier in Bezug auf die Allgemeinmedizin angereist.

Im Rahmen dieser fünf intensiven Tage gab es zahlreiche Gelegenheiten, diese Fragen zu stellen – sei es während und nach den Seminaren, beim gemeinsamen Abendessen, Wandern, Langlaufen oder bei der Podiumsdiskussion mit zahlreichen HausärztInnen und Vertretern der Niederlassungsberatung der Kassenärztlichen Vereinigung. Auch der Austausch der Studenten untereinander konnte viele Unsicherheiten klären: „Es fühlt sich toll an, mit Gleichgesinnten über die Allgemeinmedizin sprechen zu können und sich mit der Wunschfachrichtung Allgemeinmedizin nicht verstecken zu müssen.“ (Ann-Kathrin)

Interessanterweise war der Informationsbedarf unter den Studierenden hinsichtlich Praxisgründung/-übernahme, Weiterbildung und Work-Life-Balance sehr ähnlich. Die Winterschool bot nun „die Möglichkeit, Antworten auf Fragen zu erhalten, die an der Uni nicht thematisiert werden, wie beispielsweise zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ (Julia)

Ungezwungene Begegnung auf Augenhöhe

Die Dozenten in den unterschiedlichsten Phasen des Berufsalltags von Assistenzarzt bis „alter Hase“ beantworteten alle aufkommenden Fragen mit großer Offenheit und Geduld, sodass „die Atmosphäre bei der Winterschool äußerst angenehm und ungezwungen war. Hier gab es nicht den großen Professor und den kleinen Studenten, sondern zwei Generationen von Medizinern, die sich auf Augenhöhe begegneten in dem Bewusstsein, dass sie sich gegenseitig brauchen.“ (Julia)

Besonders interessant und inspirierend fanden die Studierenden auch die Vorstellung unterschiedlicher Berufs-und Lebenskonzepte – von der Einzelkämpferpraxis auf dem Land bis hin zur großen Gemeinschaftspraxis mit zahlreichen angestellten Ärzt/innen.

Begeisterung für den Beruf

„Toll war vor allem, zu erleben, wie begeistert die referierenden Hausärzte von ihrem Beruf sind, auch noch nach vielen Jahren und trotz allem Stress“ (Julia).

„Außerdem fühlte ich mich sehr umsorgt bei der Anzahl an Ärzten, die zudem immer einen anderen Schwerpunkt in ihrer Tätigkeit hatten“ (Florian). Den Lehrenden gelang es offensichtlich, die enorme Vielfalt des Faches Allgemeinmedizin aufzuzeigen und die Studierenden damit für ihr Fach zu begeistern. So wurde deutlich, dass die unterschiedlichsten Teilzeitkonzepte in einer Gemeinschaftspraxis mit guter Aufgabenverteilung sowie die unterschiedlichsten beruflichen Schwerpunkte, wie Palliativ- und Flugmedizin oder auch Naturheilkunde, umsetzbar sind.

Inhaltlicher Schwerpunkt auf alltagsrelevanten Themen

Neben dem „Löchern“ der Dozenten stand aber auch die Vermittlung von für Hausärzt/innen relevantem Wissen und Fertigkeiten im Mittelpunkt. „Wir haben in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf Inhalte gesetzt, die möglichst gut auf die Alltagsrealität vorbereiten“ (Dr. Claudia Schneyinck, Dozentin). So erhielten die Studierenden einen vertiefenden Einblick in die Themenfelder Palliativmedizin, Management chronischer Krankheiten, akute Beratungsanlässe in der Praxis sowie gynäkologische Untersuchung, EKG und Sonografie. Doch auch in bereits bekannten Themenfeldern wie Blickdiagnosen oder Gesprächsführung konnten die Ärzte den Studierenden noch einiges Neues beibringen.

„Eine Einheit zur professionellen Gesprächsführung war uns wichtig, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass unsere Profession eine hauptsächlich sprechende Medizin ist“ (Dr. Claudia Schneyinck). Die Kurse waren dabei immer interaktiv und die Studenten durch die entspannte Atmosphäre konzentriert bei der Sache. Ein durchweg respektvoller Umgang miteinander ermöglichte es allen, sich einzubringen und somit viel zu profitieren. „Lehre auf diesem Niveau hätte man sich als Studierender öfter im Laufe des Studiums gewünscht “(Antonia).

… und auch Freizeit

Doch auch freizeittechnisch hatten sich die Organisatoren der Winterschool einiges einfallen lassen, um die Zeit so schön wie möglich zu gestalten. „Man hat deutlich gespürt, wie viel Mühe und welch große Motivation seitens der Organisatoren hinter der urigen Atmosphäre und dem netten Rahmenprogramm stecken“ (Ann-Kathrin).

So wurde man in den gemütlichen Räumlichkeiten des Hotels Imbery bei köstlichem Essen schnell miteinander vertraut, tauschte sich aus und unterhielt bei einem gemeinsamen Spieleabend im Restaurant des Hotels auch mal die anderen Hotelgäste mit den absonderlichsten Tierlauten.

Ende Februar zeigte sich der Schwarzwald in diesem Jahr noch von seiner winterlichen Seite und so „war das Rahmenprogramm sehr stimmig dem Ort und der Jahreszeit angemessen mit abenteuerlichem nächtlichem Fackellauf durch die verschneite Winterlandschaft“ (Florian). Doch auch wenn es wegen der Wetterverhältnisse mit dem Alpinskifahren leider nicht geklappt hat, „war ein Highlight natürlich auch das Skilanglaufen“ (Marte).

Als dann am letzten Abend die Winterschool mit einem leckeren 4-Gänge-Menü und dem Besuch der Improvisationstheatergruppe „Die Spontanellen“ einen würdigen Ausklang fand, verabschiedete man sich doch mit Wehmut voneinander.

Fazit

Insgesamt kam die Winterschool 2015 bei allen Teilnehmern, Lehrenden wie Studierenden, sehr gut an: „Eintauchen in eine gemeinsame Zeit mit vielen jungen, kreativen und hochmotivierten angehenden Ärztinnen und Ärzten. Es bereichert mich, ein wenig davon mitzubekommen, was sie antreibt, was sie für Fragen und Sorgen haben. Und auch die eine oder andere Erinnerung an die eigene Studienzeit wurde wieder lebendig“ (Dr. Claudia Schneyinck).

Die Winterschool bot den Studierenden „eine gute Mischung aus Lehre, Austausch und Freizeit“ (Florian) sowie die Möglichkeit, viele Kontakte zu knüpfen, Einblick in die unterschiedlichen Konzepte der Hausarztmedizin zu erhalten, Vorurteile auszuräumen und die Allgemeinmedizin durch die Augen erfahrener und leidenschaftlicher Allgemeinmediziner zu entdecken. Ann-Kathrin formulierte diese Erfahrung folgendermaßen: „Das Großartigste an der Winterschool war für mich die Erfahrung, dass die Fachrichtung Allgemeinmedizin, entgegen allen Stimmen von Kommilitonen oder anderen Ärzten, genauso Anerkennung verdient hat wie andere Fachrichtungen und sogar eher als die Medizin am Menschen verstanden werden kann.“ Durch die Zeit in Hinterzarten wurde wohl nicht nur die eine Studentin von der Attraktivität des Faches Allgemeinmedizin überzeugt.

Und wie es die Studentin Hannah stellvertretend für den Großteil der Teilnehmer ausdrückte: „Mir hat die Winterschool supergut gefallen, nichts kam zu kurz!“

In diesem Sinne gilt der Dank aller Teilnehmenden der Winterschool 2015 den vielen motivierten Dozenten, Veranstaltern und Organisatoren für eine wundervolle und bereichernde Erfahrung!

mit herzlichem Dank für die Unterstützung an Frau Dr. Claudia Schneyinck, Ann-Kathrin Ruelius, Marte Bumann, Julia Braun, Hannah Berlet und Florian Glatt

Abbildungen:

Abbildung 1 Die Teilnehmer der Winterschool


(Stand: 05.10.2015)

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