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Abschied

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Heinz Harald Abholz

Liebe Leser, heute möchte ich mich von Ihnen nach genau 24 Jahren Tätigkeit als Herausgeber der ZFA verabschieden. Diese Arbeit machte mir bis zum Schluss viel Spaß und Sie wissen, dass ich sie mit Leidenschaft gemacht habe.

Aber vor fast 2 Jahren – ein Jahr nach Aufhören meiner Universitätsarbeit – bat ich die anderen Herausgeber dennoch darum, „mich auf mittelfristige Sicht aus dem Kreis zu entlassen und einen Ersatzmann/-frau zu finden“. Es war damals ganz überwiegend die Vernunft, die ich wie folgt ausdrückte: „Man kann doch nicht immer weiter als Alter eine solche Zeitschrift bestimmen, Junge müssen da nun mal wieder ran.“

Über die fast zwei Jahre dauernde Suche nach dem/der jungen Nachfolger/in haben sich aber noch andere Gründe bei mir eingestellt, die meinen so vernünftig klingenden Satz mit der emotionalen Seite ergänzen lässt. Ich merkte durch mein Alter zunehmend etwas, was eine weitere Arbeit in der ZFA wirklich erschweren, ja deutlich behindern würde: Ich spreche hier von meinem Verlust der Zukunft und der Last durch die Vergangenheit.

Für mich ist das Schmerzliche im Alter, an dem ich das Alter überhaupt erlebe, dass ich immer dann, wenn ich an eine Neuanschaffung im Alltag (sei es ein Mantel oder ein Nachschlagwerk zu English Idioms etc.) oder gar an die Frage der Verlängerung von Medizinzeitschriften-Abos sowie die Planung einer vertiefenden Beschäftigung mit einem Thema denke, auch zugleich die Frage aufkommt: Lohnt sich denn dies noch? Solche, hier implizite, Antizipationen des Endes hatte ich immer meinen Patienten auszureden versucht; nun aber geschehen sie mir selbst. Und dabei geht es nicht um eine neutrale Frage, sondern um das diese begleitende Gefühl von Schmerz über einen erfolgten Verlust der Zukunft.

Und zugleich ist in mein Leben eingezogen, dass die Vergangenheit immer mehr Übergewicht in meiner Sicht auf Dinge und Entwicklungen bekommen hat. Wenn ich von mehr Prävention, von sozialer Schicht und Gesundheit, vom Entwurf eines neuen Honorierungssystems, was das Richtige honorieren soll, vom Lehren der Kommunikation als der befreienden Lösung höre oder lese, dann erlebe ich Vergeblichkeit. Denn ich kenne diese „neu“ entdeckten Themen alle aus früheren Zeiten, habe sie damals selbst vorangetrieben – und habe erlebt, dass sich damit wenig bis manchmal nichts zum Besseren geändert hat, es also vergeblich war. Und dies, obwohl damals, in der erlebten Vergangenheit, viele Umgebungsbedingungen für Verbesserungen mir deutlich günstiger erschienen als heute.

Beides, der Verlust der Zukunft und die Last der Vergangenheit, lassen nicht mehr wirklich ausreichend neugierig, begeistert – vielleicht auch naiv – an Dinge herangehen. Das aber ist schlecht für die Tätigkeit als Herausgeber, der ja ständig mit neuen Ideen in Form von Artikeln konfrontiert wird und mit über diese entscheiden soll.

Übrigens geht mir dies bei meiner Arbeit in der Praxis überhaupt nicht so: Die Zukunft liegt bei den Patienten, meine Vergangenheit stört nicht bei der Behandlung, im Gegenteil, hier wird sie Erfahrung genannt, und so manchmal verhindert diese, dass „Aggressiveres“ bei der Behandlung ausprobiert wird.

Der gesuchte Nachfolger für mich ist nun gefunden, es ist eine Nachfolgerin: Frau Prof. Hanna Kaduszkiewicz, die sich in der Novemberausgabe der ZFA für die, die sie noch nicht kennen, vorstellen wird.

Ihnen, den Leser/innen, und ihr, meiner Nachfolgerin, wünsche ich spannende Zeiten mit der ZFA und deren Artikel. Und lesen werde ich die ZFA weiter, selbst dann, wenn ich manchmal für mich brubbeln werde, alles Quatsch, das bringt doch eh nichts. Oder aber – da alles sehr viel ambivalenter als gesagt ist – dann doch wieder entfache und einen Artikel anbiete.

Ihr


(Stand: 05.10.2015)

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