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„Medicine is a science of uncertainty and an art of probability”

William Osler (1849–1919)

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W. Niebling

William Osler war einer der berühmtesten Ärzte des ausgehenden 19. Jahrhunderts und in Vielem, was er dachte und forderte, seiner Zeit weit voraus. Nach seinem Medizinstudium in Toronto und Montreal ging Osler nach Europa. Berlin (bei R. von Virchow), Leipzig, Wien und London waren Stationen seiner klinischen Tätigkeit. Zurück in Kanada übernahm Osler eine Professur an der McGill-Universität in Montreal. 1883 wurde er – als einer von damals zwei kanadischen Ärzten – Mitglied des British Royal College of Physicians. Ein Jahr später folgte Osler einem Ruf an die Universität von Pennsylvania in Philadelphia und 1888 an die neu gegründete Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. Osler revolutionierte das nordamerikanische Medizinstudium durch ein obligates Lernen am Krankenbett und wissenschaftliche Tätigkeiten im Labor. Das „postgraduate training system“ übernahm Osler aus Deutschland (!). 1905 wurde William Osler auf den Königlichen Lehrstuhl für Medizin an der Universität Oxford berufen, damals die einflussreichste Position der englischsprachigen Medizinwelt. Sein noch in Baltimore 1892 erschienenes und in viele Sprachen übersetztes Werk „The Principles and Practice of Medicine“ war über Jahrzehnte das medizinische Standardlehrbuch. Osler war ein glänzender Kliniker und Verfechter einer ganzheitlichen Medizin. Berühmt ist seine Forderung „Sage mir nicht, welche Krankheit der Patient hat, sondern erkläre mir, welche Art von Patient diese Krankheit hat!“ William Osler lehrte bis zu seinem Tod 1919 in Oxford.

Oslers Definition der Medizin als Wissenschaft der Unsicherheit und der Kunst (im Umgang mit) der Wahrscheinlichkeit ist von unveränderter Aktualität für die Allgemeinmedizin. Die Tätigkeit von Hausärztinnen und Hausärzten im „Niedrigprävalenz“-Bereich bedingt ein hohes Maß an Unsicherheit bei diagnostischen, therapeutischen und prognostischen Festlegungen. Diese Unsicherheit täglich zu erleben, sie auszuhalten, sie mit den Patienten zu teilen, erfordert kommunikative Kompetenz und Empathie. Hilfreich sind die meist langjährige „erlebte Anamnese“ und die Fähigkeit mit begrenzten Informationen und oft weichen Daten in kurzer Zeit zu guten/richtigen Lösungen zu kommen. Empirie und heuristische Techniken müssen jedoch durch evidenzbasierte, wissenschaftlich belegte Entscheidungshilfen unterstützt und ergänzt werden: Da, wo diese für den hausärztlichen Bereich noch nicht zur Verfügung stehen, brauchen wir intensivierte Denkansätze und Forschungsideen, so auch die Forderung der Autoren des Beitrages „Nur ein Virusinfekt“ – schicksalhafter oder abwendbar gefährlicher Verlauf?

Vom 17. bis 19. September findet in Bozen der 49. DEGAM-Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin statt, diesmal wieder als Drei-Länder-Kongress mit den Kolleginnen und Kollegen aus Südtirol und Österreich. „Bedeutung der Allgemeinmedizin: für Patient, Familie und Gesellschaft“ ist das diesjährige Motto. Das Programm bietet interessante Vorträge, Workshops und Posterbeiträge und ein ideales Forum für Diskussionen und den Gedankenaustausch mit Kolleginnen und Kollegen aus Österreich, Italien und Deutschland.

Themen und Probleme gibt es genug:

Welchen Stellenwert haben die Allgemeinmedizin und die hausärztliche Versorgung in den jeweiligen Ländern?

Wie ist die Allgemeinmedizin an den Universitäten vertreten?

Welchen Beitrag leistet sie in Forschung und Lehre?

Soll sich die Allgemeinmedizin im universitätsklinischen Bereich an der Krankenversorgung beteiligen – und wenn ja, in welchem Setting (MVZ, Notfallpraxis, Vorschaltpraxis, Aufnahme- und Entlassungsmanagement)?

Speziell für Deutschland: Welche Chancen bietet das GKV-Versorgungsstrukturgesetz für eine flächendeckende Implementierung universitärer Kompetenzzentren?

Und schließlich für alle: Wohin steuert unser Versorgungssystem, welchen Stellenwert werden Hausärzte in 20–30 Jahren haben?

Eigentlich reichen dafür drei Tage in Bozen gar nicht aus und darum möchte ich Sie schon jetzt auf den DEGAM-Kongress 2016 hinweisen. Er findet vom 29. September bis 1. Oktober 2016 in Frankfurt/M. statt. Unsere Fachgesellschaft feiert dann ihren 50. Geburtstag und Sie sind alle herzlich eingeladen!

Herzlich Ihr


(Stand: 05.10.2015)

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