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Bericht der Arbeitsgruppe Psychosomatik 2016

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Iris Veit

Hausärztliche Behandlungskunst ist komplex und kontextabhängig. Diese Komplexität eines Beziehungsprozesses und dessen Verstehen müsste Eingang in Leitlinien finden. In der gegenwärtigen Praxis evidenzbasierter Medizin hat der Fokus auf externe Evidenz aber oft ein großes Übergewicht. Diese Problematik wird uns auf der diesjährigen Preconference beschäftigen, um Impulse für Forschung und Leitlinienarbeit zu geben.

Den Aspekt der „Beziehungsmedizin“ zu verankern, ist unser Leitmotiv. Im vergangenen Jahr haben sich Mitglieder der AG Psychosomatik mit einer Anwenderversion einer Leitlinie zu den Angststörungen auseinandergesetzt und erarbeitet, wie der Umgang mit ängstlichen Patienten in der hausärztlichen Praxis aussehen könnte. Denn Hausärzte haben es primär nicht mit definierten Angststörungen zu tun, sondern mit ängstlichen Patienten, die eine ängstliche Sicht auf den Verlauf ihrer Beschwerden, ihrer Verursachung und ihrer eigenen Kompetenz zur Bewältigung haben. Wir engagieren uns, dass diese Sichtweise Berücksichtigung in allen zukünftigen Leitlinien findet.

Wir haben uns ebenso mit dem Typus der Erstgesprächsanamnese beschäftigt und hierzu ein Manual entwickelt. Umstritten war, inwieweit eine solche umfassende Anamnese in der Realität der hausärztlichen Praxis umsetzbar ist. Wir sind dabei, dies in der Praxis zu überprüfen und die Ergebnisse allen Mitgliedern der DEGAM zur Verfügung zu stellen. Das bisherige Manual ist auf unserer Homepage einsehbar.

Außerdem arbeiten wir an der Leitlinie zum Umgang mit Traumafolgestörungen mit. Auf dem DEGAM-Kongress beschäftigt uns das Thema Flüchtlingsmedizin.

In den Musterweiterbildungsordnungen für alle Ärzte wird es wohl eine curriculare Weiterbildung „Kommunikation“ geben, während für Allgemeinmediziner die psychosomatische Grundversorgung als 80-stündiges Curriculum bleibt. Eine Kompetenz zur Beziehungsgestaltung sollte als zentrale Kompetenz für alle Ärzte gelten. Die Kooperation mit der Jade wurde stabilisiert.

Gestaltung der zukünftigen psychotherapeutischen Versorgung: Wichtige Wünsche von uns sind in der nun erfolgten Änderung der Psychotherapierichtlinie berücksichtigt. Diese Änderungen eröffnen die Möglichkeit für eine konsiliarische Beratung von Hausärzten und ihrer Patienten. Ein Bericht von Psychotherapeuten darüber, wie schwer eine psychische Störung einzustufen ist, ob und welche Psychotherapie überhaupt sinnvoll ist oder ob eine Behandlung in der psychosomatischen Grundversorgung ausreichend erscheint, kann für Hausärzte in ihrer Aufgabe als Generalisten hilfreich sein. Offen bleibt, ob Allgemeinmedizinern mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie Leistungen der konsiliarischen Beratung und der Akutbehandlung vergütet werden. Dies zu erreichen, wird die AG Psychosomatik in Kooperation mit dem Hausärzteverband und anderen Verbänden verfolgen.

Die Kooperation mit anderen Verbänden wurde im vergangenen Jahr verstärkt. Ein Ergebnis ist ein Themenheft zur hausärztlichen Psychosomatik in der Zeitschrift Ärztliche Psychotherapie und Psychosomatik, das in Frankfurt vorliegen wird. Die verbesserte Kooperation mit den Psychiatern zeigt sich in wechselseitiger Unterstützung der jeweiligen Kongresse der Fachverbände DGPPN und DEGAM.

Die Vermittlung psychosomatischer Grundversorgung in Kooperation mit dem IHF konnte weiter ausgebaut werden.

Verbesserungsbedürftig ist nach wie vor die Einbeziehung von mehr Mitgliedern. Ich hoffe, dass dies den neuen Sprechern der AG Psychosomatik gelingt. Ich werde diese Aufgabe nicht mehr wahrnehmen und bedanke mich für viele positive Resonanzen.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Iris Veit

Bahnhofstraße 204, 44623 Herne

Tel.: 02323 24245

info@irisveit.de


(Stand: 15.09.2016)

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