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Chance: „Masterplan Medizinstudium 2020“

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Anfang dieses Jahres veröffentlichte der Marburger Bund die Ergebnisse einer bundesweiten Online-Umfrage, an der knapp 1.800 seiner studentischen Mitglieder teilgenommen hatten. Knapp die Hälfte der Befragten gab darin an, sich nach dem Studium eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin vorstellen zu können. Tatsächlich entscheiden sich zuletzt aber nur etwa zehn Prozent der Medizinstudierenden für diese Weiterbildung. Die Befragten begründeten dies unter anderem mit Ängsten vor der Niederlassung. So gaben sie beispielsweise an, sich vor einem zu geringen Gehalt oder zu langen Arbeitszeiten zu sorgen. Lässt man einmal außer Acht, dass die Studie weder repräsentativ ist noch wissenschaftlichen Standards entspricht, dann wird darin aber doch ein wichtiges Argument bestärkt: nämlich, dass die Studierenden im Studium oft gar keine oder kaum Gelegenheit haben, mit dem Beruf des Hausarztes in Kontakt zu kommen. So wird in der Umfrage deutlich, dass sich 40 Prozent der Studierenden im Laufe ihres Studiums gegen eine Weiterbildung in der Allgemeinmedizin entscheiden. Dies würde den Handlungsbedarf nur bestätigen – dafür braucht es allerdings keine Umfrage. Schon ein Blick an die Universitäten reicht aus. So gibt es beispielsweise noch immer nicht an allen Universitäten Lehrstühle für Allgemeinmedizin. Zudem kann in einer vierwöchigen Famulatur – das würden erfahrene Hausärzte sicher unterschreiben – ein so komplexer und umfassender Beruf nicht kennengelernt werden. Die zielführende Behandlung bei komplexen medizinischen Beschwerden, das vertrauensvolle Gespräch mit den Patienten, die Zusammenarbeit in einem festen Team – all das macht den Hausarztberuf so spannend, braucht aber auch Zeit.

Fokus Nachwuchsförderung

Das hat auch die Politik schon vor Längerem erkannt und so rückte das Thema Nachwuchsförderung in ihren Fokus. Mit dem „Masterplan Medizinstudium 2020“ wird nun die Reform des Studiums angestrebt. Erste Beschlüsse hat die Gesundheitsministerkonferenz der Länder im Juni vorgestellt. Darunter wurde auch die Quartalisierung des Praktischen Jahres (PJ), verbunden mit der Einführung eines verpflichtenden Quartals in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung, genannt. Zudem soll die Allgemeinmedizin verpflichtendes Prüfungsfach im dritten Staatsexamen werden. In einem nächsten Schritt werden diese Konzepte dann mit der Kultusministerkonferenz der Länder beraten.

Kritik daran kommt nun insbesondere vom Marburger Bund. Er betont, dass das bisherige Wahl-Tertial bereits die Möglichkeit bietet, sich für einen ambulanten PJ-Abschnitt, beispielsweise in einer Hausarztpraxis, zu entscheiden. Auch viele Studierende teilen diese Kritik. Es ist wichtig, dass sie in dieser Frage zu Wort kommen, denn die Reform betrifft die zukünftigen Studentinnen und Studenten. Dennoch dürfen zwei wesentliche Punkte dabei nicht außer Acht gelassen werden: Zum einen sind die Chirurgie wie auch die Innere Medizin bereits Pflichtfächer im Praktischen Jahr und verpflichtende mündliche Prüfungsfächer. Aus diesem Grund ist es nicht nachvollziehbar, warum die Allgemeinmedizin, als das wichtigste Fach der Primärversorgung, noch immer nicht zum festen Bestandteil jedes Medizinstudiums zählt. Dies ist umso fraglicher, weil ein so hoher gesellschaftlicher Bedarf nach hausärztlicher Versorgung besteht. Zum anderen erklärt sich die Sorge vieler Studierender auch damit, dass sie noch keine Gelegenheit hatten, das gesamte Spektrum der hausärztlichen Tätigkeit kennenzulernen. Dazu muss die Allgemeinmedizin unbedingt im Studium besser verankert werden.

Die Stärkung der hausärztlichen Versorgung ist – und das wurde auch vonseiten der Studierenden betont – eine zentrale Aufgabe und muss auf unterschiedlichen Ebenen angegangen werden. Einerseits müssen die Rahmenbedingungen für Hausärzte weiter verbessert werden. Hier ist schon viel passiert, auch durch die gesetzliche Verankerung der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV). Zugleich muss der Ruf des Hausarztberufes wieder mehr dem entsprechen, was das Hausarztsein tatsächlich ist: eine spannende, wertvolle und herausfordernde Tätigkeit. Zuletzt muss aber auch beim Nachwuchs angesetzt werden, denn dieser sichert die hausärztliche Versorgung auch in Zukunft. Der „Masterplan Medizinstudium 2020“ ist hier ein erster wichtiger Schritt.


(Stand: 15.09.2016)

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