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Systematische Reviews nahe gebracht – Einführung in die Reihe

DOI: 10.3238/zfa.2017.0349–0350

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Schlüsselwörter: Schlüsselwörter: Hausärzte Systematischer Review Metaanalyse Informationsmanagement evidenzbasierte Medizin


Zusammenfassung: Die Cochrane Reviewgruppe für Metabolische und Endokrinologische Erkrankungen am Institut für Allgemeinmedizin in Düsseldorf betreut seit 2000 weltweit über 1000 Reviewautoren in der Erstellung Systematischer Reviews. Ziel der Reihe „Systematische Reviews nahe gebracht“ ist, deutschsprachigen Hausärzten das Verständnis dieser immer wichtiger werdenden Publikationen zu erleichtern. Begriffe wie Metaanalyse werden entmystifiziert und auf ihre praktische Relevanz geprüft. Wir wollen insbesondere erreichen, dass der praktisch tätige Arzt in die Lage versetzt wird, Systematische Reviews kritisch zu evaluieren. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist, Hilfestellungen für ein verbessertes persönliches Informationsmanagement anzubieten. Ohne eine schnelle und effiziente Integration relevanter, qualitativ hochwertiger Information in den Praxisalltag ist eine evidenzbasierte Gesundheitsversorgung heutzutage undenkbar.

Cochrane-Organisation

Die seit dem Jahre 2000 bestehende Cochrane-Reviewgruppe für Metabolische und Endokrinologische Erkrankungen (CMED) am Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf ist die erste von zwei deutschen Cochrane-Reviewgruppen. Sie ist weltweit für diesen Erkrankungskomplex zuständig [1]. Insgesamt existieren 53 über den Globus verteilte Reviewgruppen, die sich bestimmten Krankheitsbildern widmen. Die zweite deutsche Reviewgruppe, die hämatologische Erkrankungen betreut, hat ihren Sitz in Köln. Das Deutsche Cochrane-Zentrum in Freiburg repräsentiert Cochrane auf nationaler Ebene, organisiert Workshops, entwickelt Methoden und fördert allgemein die Reviewaktivitäten in Deutschland [2].

Cochrane (ehemals als Cochrane Collaboration bezeichnet) ist nach dem schottischen Arzt und Epidemiologen Sir Archibald Leman Cochrane benannt [3], der als einer der Wegbereiter der evidenzbasierten Medizin angesehen werden kann. Er forderte stets eine Überprüfung postulierter therapeutischer Effekte mittels adäquater Studien und die Aufarbeitung mehrerer Studien zu einer spezifischen Frage in Form von systematischen Reviews. Diese Überlegungen führten 1993 zur Gründung von Cochrane. Mittlerweile ist daraus ein globales und vor allem unabhängiges Netzwerk in über 130 Ländern entstanden. Es besteht aus mehr als 37.000 in den Gesundheitssystemen arbeitenden Menschen, Patienten, Methodikern, klinischen Forschern und vielen anderen Aktiven. Hauptziel ist die Erstellung und kontinuierliche Aktualisierung hochwertiger systematischer Reviews, die alle relevanten Bereiche der Gesundheitsversorgung adressieren. Warum Systematische Reviews so wichtig sind und was einen qualitativ hochstehenden Review auszeichnet, werden wir in Folge 1 und weiteren Beiträgen dieser Reihe genauer betrachten.

Worum geht es bei der Reihe „Systematische Reviews nahe gebracht“?

Warum haben sich die vier Mitarbeiter/-innen von CMED entschlossen, eine Reihe über Systematische Reviews in dieser Zeitschrift zu veröffentlichen? Es gibt doch bereits etliche hervorragende, vor allem englischsprachige Publikationen dieses Thema betreffend!

Zum einen geht es uns um die Entmystifizierung bestimmter Begrifflichkeiten (wie z.B. Metaanalyse). Terminologie macht häufig Eingeweihte zu „Spezialisten“ und erschwert anderen den Zugang zu wesentlichen Erkenntnissen in der Humanmedizin, was Herrschaftswissen fördert. Wie der geneigte Leser im Laufe der Reihe erkennen wird, ist vieles deshalb so schwer zu verstehen, weil die Sender der Information sich oft nicht genügend Mühe geben, dem Empfänger in verständlicher Art und Weise den Kerninhalt ihrer Botschaft zu verdeutlichen.

Zum anderen sind wir der festen Überzeugung, dass gerade der Allgemeinmedizin unbedingt und zeitnah alle für die Versorgung wichtigen Informationen, Techniken und Fertigkeiten angeboten werden sollten. Hier finden entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft der erkrankten und hilfesuchenden Menschen statt. Die langjährige Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen am Institut für Allgemeinmedizin in Düsseldorf haben uns für die Belange der Hausärzte sensibilisiert und unser Interesse an einer verbesserten Kommunikation geweckt.

Wert der Information

Wir sind der Überzeugung, dass der Wert der Information und das Informationsmanagement allgemein eine zentrale Stellung in allen Bereichen der Humanmedizin einnehmen, da ansonsten eine gute Versorgung undenkbar ist. Andererseits findet bis dato leider keine systematische Vermittlung eben dieser essenziellen Fähigkeiten statt, sodass einige wichtige Tipps und Tricks wie der Informationsflut zu begegnen ist, ebenfalls in dieser Reihe gegeben werden.

Was wir nicht wollen, ist den Leser zu einem systematischen Reviewer auszubilden – dies ist anderen Medien und Institutionen vorbehalten. Allerdings werden wir für Interessierte einige Hinweise zur Vertiefung geben.

Als Konsequenz möchten wir Allgemeinmedizinern und anderen Lesern dieser Zeitschrift einen Zugang zur selbstständigen kritischen Evaluation von Systematischen Reviews und Metaanalysen ermöglichen. Dies wird eine Balance zwischen unmittelbarer praktischer Anwendungsmöglichkeit und einer gleichzeitig notwendigen wissenschaftlichen Seriosität erfordern.

Einige Schwerpunkte dieser Reihe werden sein:

Warum sind Systematische Reviews unverzichtbar?

Wo sind Systematische Reviews und klinische Studien zu finden? Wie halte ich mich auf dem Laufenden?

Was macht einen Systematischen Review aus?

Wie erkenne ich einen guten Systematischen Review?

Was sind Metaanalysen und wie sind diese zu deuten?

Welche Spezialfälle gibt es außerhalb von systematischen Reviews zur Therapie (diagnostische und prognostische Fragestellungen, Netzwerk Metaanalysen und indirekte Vergleiche)?

Wie wird das Problem der Aktualisierung angegangen und was ist zukünftig von der Evidenzsynthese zu erwarten?

Wir haben Erfahrungen mit mehr als 1000 Reviewautoren weltweit und kooperieren unter anderem mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Wir glauben zu wissen, wie das Herz von Reviewautoren tickt und wo spezifische Probleme im Informationstransfer auftauchen. Lassen Sie uns gemeinsam die Herzkammer aller evidenzbasierter Leitlinien und deren Sinusknoten Systematische Reviews besuchen – es lohnt sich!

Interessenkonflikte: keine angegeben.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. Bernd Richter

Institut für Allgemeinmedizin (ifam)

Medizinische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Werdener Straße 4

40227 Düsseldorf

Tel.: 0211 811 8773

richterb@uni-duesseldorf.de

Literatur

1. Webseite der Cochrane Metabolic and Endocrine Disorders Group: www.endoc.cochrane.org (letzter Zugriff am 30.06.2017)

2. Webseite von Cochrane Deutschland: www.cochrane.de (letzter Zugriff am 30.06.2017)

3. Webseite über Archibald Cochrane: www.cochrane.de/de/entstehung (letzter Zugriff am 02.08.2017)

Institut für Allgemeinmedizin, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf DOI 10.3238/zfa.2017.0349–0350


(Stand: 15.09.2017)

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