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JAHRGANG: 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 vor 2009
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Ausgabe: 06/2017
Problemlösetraining in der Primärversorgung – eine evidenzbasierte Methode für den Versorgungsalltag

Zusammenfassung: Zur Behandlung psychischer Störungen in der hausärztlichen Praxis stellt das aus der Problemlösetherapie hervorgegangene „Problemlösetraining für die Primärversorgung“ (PLT-PV) eine ökonomisch umsetzbare evidenzbasierte Maßnahme dar. Das PLT-PV zielt auf die Reduktion von psychischen Belastungen, indem Patienten zum Erlernen und Anwenden einer Methode zur aktiven Problemlösung angeleitet werden. Dies soll zu einer verbesserten allgemeinen Problemlösefähigkeit der Patienten führen. Einem festen Schema folgend, wird die PLT-PV in vier bis acht Sitzungen umgesetzt. In Sitzung 1 werden zentrale Annahmen des PLT-PV – wie der Zusammenhang von Problemen und psychischen Störungen, körperlichen Symptomen und psychischen Belastungen sowie funktionale Problemlösestile und Problemlöseorientierung – erläutert und die sieben Ablaufschritte des PLT-PV eingeführt. Anschließend werden in der ersten sowie in allen weiteren Sitzungen die sieben Ablaufschritte des PLT-PV anhand konkreter Probleme der Patientinnen und Patienten umgesetzt und eingeübt. Schritt 1: Auswahl eines Problems; Schritt 2: Setzen eines realistischen und erreichbaren Zieles; Schritt 3: Entwickeln verschiedener Lösungswege; Schritt 4: Bewertung der Lösungswege; Schritt 5: Auswählen eines Lösungsweges; Schritt 6: Erstellen eines Handlungsplanes; Schritt 7: Bewerten des Lösungsversuches. Mit dem PLT-PV liegt eine einfach umsetzbare und leicht erlernbare effektive psychosoziale Intervention für die hausärztliche Versorgung vor, mit der leichte psychische Störungen vielversprechend behandelt werden können.

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Ausgabe: 01/2017 - Mathias Koehler, Gunter Laux, Joachim Szecsenyi, Kayvan Bozorgmehr
Beratungsanlässe bei Asylsuchenden im Vergleich mit Routinedaten aus der primärärztlichen Versorgung

Hintergrund: 2015 sind in Deutschland über eine Million Asylsuchende aufgenommen worden. Für die Bedarfsplanung einer angemessenen gesundheitlichen Versorgung der Flüchtlinge ist eine detaillierte Betrachtung des spezifischen medizinischen Versorgungsbedarfs notwendig. Untersucht wurde, ob sich die Beratungsanlässe wesentlich von denen der einheimischen Bevölkerung unterscheiden.

Methoden: Für diese Querschnittsstudie wurden zwei Datenquellen genutzt. Die CONTENT-Datenbank der Universität Heidelberg liefert Routinedaten aus 44 Hausarztpraxen von insgesamt 207.253 Patienten (2005–2015). Verglichen wurden diese Daten mit den Ergebnissen des Bremer Modells zur Gesundheitsversorgung Asylsuchender. Hier versorgten die Ärzte des Gesundheitsprogramms 2.341 Flüchtlinge (2001–2008).

Ergebnisse: Schwerpunkte bilden in beiden Datenquellen Krankheiten des Atemsystems: J00–J99, Krankheiten des Muskel- und Skelettsystems: M00–M99, das Diagnosekapitel: Symptome und abnorme Befunde: R00–R99, sowie Gesundheit beeinflussende Faktoren und Allgemeinuntersuchungen: Z00–Z99. Die genannten ICD-Gruppen sind in beiden Datenquellen unter den vier häufigsten ICD-Gruppen. Die Plätze zwei und drei werden von den gleichen Diagnosegruppen, nämlich J00–J99 und Z00–Z99, besetzt.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass es sich bei den meisten Beratungsanlässen von Asylsuchenden um klassische primärärztliche Fragestellungen und Diagnosen handelt. Nicht abschließend geklärt werden konnte, ob psychische Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Flüchtlingen untererfasst werden, oder tatsächlich nicht vermehrt auftreten. Die hier vorgestellten Ergebnisse ermutigen zu weiteren Studien, um eine angemessene Bedarfsplanung der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen abschätzen zu können.

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Ausgabe: 01/2017 - Karen Voigt - Henna Riemenschneider - Antje Bergmann - Jeannine Schübel - Petra Spornraft-Ragaller
Sexuell übertragbare Infektionen – Thema für die Hausarztpraxis?

Hintergrund: Seit Mitte der 1990er Jahre werden in Europa (und weltweit) sexuell übertragbare Infektionen (STI) zunehmend als globales Gesundheitsproblem thematisiert. In Deutschland sind deutlich steigende STI-Inzidenzen seit einigen Jahren zu beobachten. Das Ausmaß des Nichtwissens um STI ist in der deutschen Bevölkerung groß. Ein Großteil der STI wäre durch konsequente Prävention vermeidbar. Der Artikel fokussiert auf die Einschätzung von STI-Kompetenz, -Beratung und -Testung in Hausarztpraxen.

Methoden: Im Rahmen einer Pilotstudie erfolgte eine schriftliche Befragung bei hausärztlich tätigen Teilnehmern des Jahreskongresses der Sächsischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin im Juni 2016. Der vierseitige Fragebogen fokussierte auf die Selbsteinschätzungen der STI-Beratungskompetenz, des STI-Beratungsverhaltens und des STI-Testungsverhaltens. Die Daten wurden mit SPSS 23.0 erfasst und mittels deskriptiver Analyseverfahren ausgewertet.

Ergebnisse: 47 (62% Frauen) von 63 hausärztlich tätigen Kongressteilnehmern beteiligten sich an der Befragung. Fast alle Befragten (98%) bestätigten, Patienten präventiv zum Thema Sexualverhalten/STI zu beraten, wobei 43% sich als unzureichend ausgebildet fühlten, um Patienten zu STI zu beraten. 36% gaben an, mehr als die Hälfte der Patienten mit STI-Diagnose oder -Verdacht an spezialfachärztliche Kollegen oder den Öffentlichen Gesundheitsdienst zu verweisen. In den letzten 12 Monaten führten 74% der Hausärzte mind. einen HIV-Test, 64% mind. einen Chlamydien-Test, 30% mind. einen Gonorrhö-Test und 11% mind. einen Syphilis-Test durch.

Schlussfolgerungen: Bei den Studienteilnehmern besteht Bedarf an hausärztlicher Fort-/Weiterbildung zum Thema Sexualverhalten/STI, die auf fachliche, aber auch kommunikative Beratungskompetenzen sowie auf patienten- und arztseitige Tabuisierung und Stigmatisierung fokussieren sollte. Aufgrund steigender STI-Inzidenzen ist es wichtig, dass Hausärzte risikogruppenspezifische Beratung, Testung und Therapie anbieten, um STI zu verhindern, früh zu erkennen, zu behandeln und dadurch Neuinfektionen zu vermeiden.

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Ausgabe: 01/2017 - Muzaffer Arkaç - Mohamed Elsheikh - Andreas Jähne
Cognitive Behavioral Analysis Systemof Psychotherapy versus Antidepressiva: eine systematische Übersichtsarbeit

Hintergrund: Die Depression ist in Deutschland noch vor anderen Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus oder koronarer Herzerkrankung als die gesellschaftlich belastendste Krankheitsgruppe einzuordnen und neigt in besonderem Maße zur Chronifizierung. Eine Depression wird dann als chronisch bezeichnet, wenn sie über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren besteht. Im Vergleich zu episodisch depressiv Erkrankten weisen chronisch depressive Patienten ein niedrigeres Ersterkrankungsalter auf, unternehmen häufiger Suizidversuche und reagieren schlechter auf Antidepressiva. Lediglich bei 12 % der chronisch depressiven Patienten werden neben Antidepressiva auch psychotherapeutische Interventionen eingesetzt. Das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) ist eine speziell zur Behandlung der chronischen Depression entwickelte Psychotherapieform. Ziel dieser Arbeit war es, die Psychotherapie mit CBASP und die Pharmakotherapie mit Antidepressiva bezüglich ihrer Effektivität bei chronisch depressiven Patienten einander gegenüberzustellen.

Methoden: Systematische Literatursuche (PubMed, Embase und Cochrane Library)

Ergebnisse: Es konnten insgesamt nur zwei randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) gefunden werden. Zudem konnte eine Re-Analyse identifiziert werden, in der eine Neuauswertung der Daten einer der oben genannten RCTs hinsichtlich des Vorliegens von Traumatisierungen in der Kindheit durchgeführt wurde. In diesen Studien stellt das CBASP zur Behandlung von Patienten mit einer chronischen Depression bezogen auf die Response- und Remissionsraten eine der Pharmakotherapie durchaus ebenbürtige (im Falle von komorbiden Frühtraumatisierungserlebnissen sogar überlegene) Option dar.

Schlussfolgerungen: Aufgrund der spärlichen Datenlage ist eine metaanalytische Auswertung der Fragestellung schwierig und besitzt nur eine stark eingeschränkte statistische Aussagekraft. Bei Frühtraumatisierungen kann das CBASP erfolgreich mit Pharmakotherapie kombiniert werden.

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Ausgabe: 02/2017 - Stefanie Joos, Rebekka Hertkorn, Dirk Moßhammer
Beitrag der Allgemeinmedizin zur Vermittlung körperlicher Untersuchungskompetenzen – eine Bestandsaufnahme

Hintergrund: Die körperliche Untersuchung ist eine wesentliche ärztliche Basiskompetenz. Untersuchungen aus Deutschland zeigen, dass selbst Studierende im Praktischen Jahr hierbei noch Defizite aufweisen. Ziel dieser Untersuchung war es, den Beitrag an Lehre in körperlicher Untersuchung durch die universitären allgemeinmedizinischen Einrichtungen in Deutschland zu erfassen.

Methoden: Querschnittbefragung unter allen 38 deutschen allgemeinmedizinischen universitären Einrichtungen mit deskriptiver Auswertung.

Ergebnisse: 25 der 38 Standorte beteiligen sich an Lehre in körperlicher Untersuchung mit verschiedenen Lehrveranstaltungen: Interdisziplinäre Untersuchungskurse, Vorbereitungen auf Praktika (z.B. Blockpraktikum, Famulatur), Vorlesungen, Wahlfachangebote und andere. 14 allgemeinmedizinische Einrichtungen gaben an, Ganzkörperuntersuchung (GKU) zu unterrichten, tendenziell im frühen klinischen Studienabschnitt sowie in Gruppen mit mehr als sechs Studierenden. Die Lernerfolgskontrolle erfolgt überwiegend in Form eines OSCE (Objective Structured Clinical Examination).

Schlussfolgerungen: Universitäre allgemeinmedizinische Einrichtungen in Deutschland sind in unterschiedlichem Maße an der Lehre körperlicher Untersuchung beteiligt. Im Zuge der Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020 ist anzunehmen, dass die Allgemeinmedizin ihre Rolle bei der Vermittlung von praktischen Fertigkeiten – auch in körperlicher Untersuchung – stärker herausstellen können wird. Durch Wahrnehmung dieser Schlüsselrolle wird sich für das Fach Allgemeinmedizin die Möglichkeit für einen weiteren Kontakt mit Studierenden sowie eine intensivere Zusammenarbeit mit den verschiedenen Fächern ergeben.

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Ausgabe: 02/2017 - Antonius Schneider - Jörg Schelling - Niklas Barth - Constanze Storr - Ulrike Bechtel
„Die sind hier Hausärzte mit Leib und Seele und das steckt an“

Hintergrund: Im Modellprojekt „AKADemie“ (Ausbildungskonzept Allgemeinmedizin Dillingen) untersuchen wir, ob ein integriertes Konzept im PJ Allgemeinmedizin in einer ländlichen Region stärker zur Motivation der Studierenden für eine spätere hausärztliche Tätigkeit beiträgt als eine Routineumsetzung. Im Zentrum dieses Beitrags stehen die Analyse idealtypischer Erzählmuster von PJ-Studierenden sowie der Vergleich der Motivstrukturen zwischen Studierenden eines regulären PJ-Programms und denen, die am integrierten Modell der AKADemie teilnehmen.

Methoden: Im Rahmen einer qualitativen Vorher-Nachher-Studie wurden bisher n = 46 problemzentrierte Telefoninterviews mit insgesamt 25 PJ-Studierenden geführt. Die Auswertung der Daten erfolgte nach den methodologischen Prinzipien der Grounded Theory und der systemtheoretischen Hermeneutik.

Ergebnisse: Wir konnten mit den „Unsicheren“, den „Überzeugten“, den „(selbst-)bewussten Generalisten“ sowie den „modernen Kritikern“ vier Idealtypen der narrativen Motivplausibilisierung identifizieren. In den Interviews bildet sich zudem die Tendenz ab, dass sich die Erzählungen der „Unsicheren“ eher bei Studierenden des „regulären PJ“ finden lassen. Umgekehrt fand sich keine der Erzählungen der „Unsicheren“ bei Studierenden aus dem Modellprojekt der AKADemie.

Schlussfolgerungen: Die Daten legen nahe, dass die enge Kooperation eines ländlichen Lehrkrankenhauses mit einem universitären Institut für Allgemeinmedizin erhebliche positive Effekte im Hinblick auf den ärztlichen Nachwuchs hat. Besonders in den Erzählungen des Typus des „Überzeugten“ evoziert das integrierte PJ tatsächlich motivationale Bindungseffekte in der Region.

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Ausgabe: 02/2017 - Josef Wöbkenberg
Ambulante Gesundheitszentren: ein Vergleich Deutschland – Schweiz

Hintergrund: Ambulante Gesundheitszentren nehmen einen zunehmend höheren Stellenwert in der ambulanten Patientenversorgung ein, wenngleich über das Pro und Contra vielfach diskutiert wird. Das Ziel der vorliegenden Studie ist es, einen Einblick in die Anzahl und Struktur ambulanter Versorgungszentren am Beispiel der Schweiz zu geben. Anhand eigener Daten soll zudem ein selektiver Vergleich mit bestehenden Einrichtungen in Deutschland vorgenommen werden.

Methoden: Internetrecherche (Oktober – Dezember 2015) unter Nutzung der Suchmaschinen Google Scholar, Yahoo, PubMed Health, Trip Database und Cochrane Library mit den Suchwörtern „Gesundheitszentrum/-en“, „Partnerpraxen“, „Ärztehaus“ und „ambulante Behandlungszentren“. Erfasst wurden die gefunden Gesundheitszentren der Schweiz mit haus- und/oder spezialistischer Versorgung sowie deren Charakteristika (z.B. Investorengruppe, Stadt – Land). Die Ergebnisse wurden mit eigenen, bereits publizierten Zahlen verglichen.

Ergebnisse: Die Suche ergab 59 vorhandene ambulante Gesundheitszentren in der Schweiz (49 städtische, 10 ländliche Versorgungsgebiete). Der überwiegende Teil der Gesundheitszentren wurde durch Investorenketten eingerichtet. Private Investoren bilden die Ausnahme und beschränken sich eher auf kleinere Einrichtungen in ländlichen Versorgungsregionen. Die durchschnittliche Anzahl der in den jeweiligen Gesundheitszentren tätigen Hausärzte betrug 3,22, die der rein fachärztlich tätigen Spezialisten 3,86). Es überwogen Internisten, gefolgt von Psychiatern, Orthopäden/Rheumatologen sowie Gynäkologen und Dermatologen (n = 44; 17; 15; 10). Die Anzahl der Hausärzte war im Vergleich zu den deutschen Einrichtungen etwas höher, die der Spezialisten etwas niedriger.

Schlussfolgerungen: Patienten, Leistungserbringer, Versicherer und politische Entscheidungsträger benötigen mehr und bessere Daten über ambulante Gesundheitszentren, um entsprechende Initiativen zu unterstützen.

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Ausgabe: 03/2017 - Jean-François Chenot - Joachim Szecsenyi - Jost Steinhäuser - Michael Freitag - Marco Roos - Stephan Fuchs - Susanne Sommer - Birgitta Weltermann - Christine Bruni - Dagmar Schneider - Elisabeth Flum - Julia Magez - Ulrike Bechtel - Sabine Marquard - Karin Burtscher - Odilo Schnabel
Akkreditierung von Weiterbildungsverbünden: Entwicklung von Qualitätsindikatoren für die DEGAM-Verbundweiterbildungplus

Hintergrund: International ist die Akkreditierung von Weiterbildungsstätten in vielen Ländern Standard. Für Deutschland existiert hierzu bisher noch keine Methodik. Ziel des hier vorgestellten Projektes war es, Qualitätsindikatoren für eine zukünftige Akkreditierung von Weiterbildungsverbünden der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM-Verbundweiterbildungplus) für Deutschland zu entwickeln.

Methoden: In einer systematischen Literaturrecherche wurden international etablierte Qualitätsindikatoren identifiziert. Diese Indikatoren wurden strukturiert aufgearbeitet und in einem mehrstufigen Prozess von einem Expertenpanel hinsichtlich Klarheit und Verständlichkeit, Relevanz, Praktikabilität und Eignung für öffentliche Berichterstattung bewertet.

Ergebnisse: Es wurden insgesamt 337 Qualitätsindikatoren identifiziert und zu 80 Indikatoren zusammengefasst. Indikatoren, die in Deutschland zum Beispiel durch die Gesetzgebung vollständig abgedeckt werden, wurden vorab durch eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe ausgeschlossen (n=52). Durch zwei Bewertungsrunden eines Panels wurde ein finales Indikatorenset, bestehend aus 19 Indikatoren, davon sechs Struktur- und 13 Prozessindikatoren, konsentiert.

Schlussfolgerungen: Für Deutschland liegt erstmalig ein Indikatorenset für eine zukünftige Akkreditierung von allgemeinmedizinischen Weiterbildungsverbünden vor. Es werden relevante Aspekte wie strukturelle Gegebenheiten, das begleitende Schulungsprogramm und die fachliche Betreuung von Ärzten in Weiterbildung thematisiert. Innerhalb eines Weiterbildungsverbundes kann somit situationsspezifisch Verbesserungspotenzial aufgezeigt und die Weiterbildungsqualität gefördert werden. Zukünftig könnten auch andere Fachgebiete die hier vorgestellten Indikatoren adaptiert in ihrem Gebiet anwenden.

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Ausgabe: 03/2017 - Axel Bartels, Sandra Lange, Jeannine Schübel, Karen Voigt, Antje Bergmann
Instant Aging – Empathieentwicklung durch Selbsterfahrung

Hintergrund: Für zukünftige Ärzte ist es essenziell, Haltungen und Einstellungen für einen respektvollen Umgang gegenüber allen Patienten zu entwickeln. Dafür wurde 2013 das Seminar „Instant Aging“ an der TU Dresden für das 4. Studienjahr der Humanmedizin eingeführt. Es stellte sich die Frage, ob das neue Lehrkonzept den Vorgaben des 2015 neu eingeführten Nationalen kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM) gerecht wird und ob die Lerninhalte abseits etablierter Lehrmethoden praxisnäher vermittelt werden können.

Methoden: Zur Simulation alterstypischer Erkrankungen und Gebrechen erhielten die Studierenden immobilisierende Instrumente. Von 2013 bis 2015 wurden die Evaluationsergebnisse des Seminars „Instant Aging“ untersucht. Insgesamt sollten 22 Fragen zur persönlichen Einstellung, zu den verschiedenen Stationen und Simulationen, zur Organisation, zum Gesamteindruck sowie zu Handlungskonsequenzen nach dem Seminar beantwortet werden. Die Fragen waren als sechsstufige Likertskalen (1 = „trifft voll zu“ bis 6 = „trifft gar nicht zu“) konstruiert. Eine Validierung wurde nicht durchgeführt, da es sich um eine reine Evaluation der Lehrveranstaltung handelte.

Ergebnisse: An der Evaluation nahmen 478 von 510 Studierenden (Rücklauf 93,7%) teil. Im Vergleich zu den Evaluationsergebnissen von 2013 zeigen sich 2015 signifikant bessere Bewertungen in sechs von neun Fragen, die auf die Arbeitsmittel zur Simulation und die Zufriedenheit mit dem Seminar abzielen. Die Studierenden beklagten 2015 stärker als 2013 einen Mangel an für das Seminar zur Verfügung stehender Zeit. Gleichzeitig stiegen die Anzahl der Stationen und die materielle Ausstattung, was diesen Zeitmangel erklären kann. Nach dem Seminar gaben die Studierenden des Jahrgangs 2015 im Vergleich zu 2013 an, dass sie sich nun besser in ältere Patienten hineinversetzen können (p? 0,05).

Schlussfolgerungen: Gute Lehre erfordert moderne Lehrformate, die sowohl eine solide personelle und materielle Ausstattung als auch eine angemessene zeitliche Abbildung im Curriculum benötigen. Das Seminar erfüllt die Forderungen des NKLM nach patientenbezogener Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten und ermöglicht darüber hinaus eigene Erfahrungen sowie die Entwicklung von Empathie.

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Ausgabe: 04/2017 - Gudrun Bayer - Claire Galanski - Lorena Dini - Isabel Micheel - Jasminko Novak - Christoph Heintze
Nutzerverhalten auf der hausärztlichen Online-Weiterbildungsplattform „KOLEGEA“

Hintergrund: Das erste deutsche Online-Portal zur Begleitung der Weiterbildung Allgemeinmedizin (WBA) wurde zwischen 2011 und 2014 in einem Verbundprojekt unterschiedlicher IT-Partner und dem Institut für Allgemeinmedizin der Charité entwickelt und kontinuierlich optimiert. Um das Nutzerverhalten der Zielgruppe der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung (AiW/ÄiW) zu beschreiben und Möglichkeiten zur Optimierung des bestehenden Angebotes zu identifizieren, wurden Daten der Plattform zwischen September 2013 und Dezember 2015 analysiert.

Methoden: Die Beschreibung der Nutzerprofile basiert auf dem anonymen Datenimport nutzerspezifischer Variablen: Nutzer-ID, Geschlecht, Bundesland, Wohnort/Stadt, aktuelle Tätigkeit, Berufserfahrung, Gruppenmitgliedschaft und Nutzeraktivitäten. Der Datenimport zur Fallanalyse berücksichtigt: Fall-ID, Fall-Erstellungsdatum, Fall-Titel, Fall-Frage, Fall-Status, Nutzer-ID, Nutzer-Eintrittsdatum und Anzahl der Fall- Kommentare. Die inhaltliche Fallanalyse wurde für jeden Fall einzeln vorgenommen.

Ergebnisse: Bis Dezember 2015 gab es auf der Plattform 298 Nutzer aus 16 Bundesländern. Angaben zur Berufserfahrung machten 15 %, davon waren ca. die Hälfte Berufsanfänger mit bis zu vier Jahren Berufserfahrung (49 %) und damit die Zielgruppe. Die meisten Nutzer kommen aus Berlin (28%), gefolgt von Bayern (16 %) und Baden-Württemberg (11 %). In der Nutzergemeinschaft gibt es 10 % aktive Nutzer, wie üblich bei Online-Plattformen. Von 104 bisher diskutierten Fällen sind ca. 20 % dem Bereich Stoffwechsel/Ernährung/Verdauung zuzuordnen, gefolgt von Bewegungsapparat/Schmerzen (12 %) und Herz-Kreislauf-System (10%).

Schlussfolgerungen: Das Nutzungsverhalten auf der KOLEGEA-Plattform zeigt, dass ÄiW das Konzept einer bundesweit vernetzenden Online-Plattform für kooperatives Lernen in beruflichen Gemeinschaften gut annehmen. Ob durch den virtuellen Austausch eigenes ärztliches Handeln beeinflusst wird, muss offen bleiben.

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