Nachrichtenarchiv

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Ausgabe: 09/2017
Reduktion von Lungenembolien und Thrombosen bei hormoneller Kontrazeption?

Hintergrund: Kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK) der dritten und vierten Generation machen derzeit rund zwei Drittel der Pillenverordnungen bei Frauen bis zum 20. Geburtstag aus und weisen ein etwa zweifach so hohes Risiko auf, eine Thrombose zu verursachen, als KOK der ersten und zweiten Generation. Da rund die Hälfte aller Hausärzte in Deutschland KOK verordnen, wurden auf Basis der verfügbaren Evidenz Handlungsempfehlungen abgeleitet und Patienteninformationen entwickelt.

Methoden: Selektive Literaturrecherche in PubMed, der Cochrane Library, Auswertung der vorverarbeiteten Verordnungsdaten der AOK Baden-Württemberg (vom aQua-Institut) sowie bundesweiter Daten der Techniker Krankenkasse. Auf dieser Basis wurden Effekte eines Verzichts auf KOK Generation 3 und 4 auf symptomatische Thrombosen geschätzt. Der Effekt auf stationäre Aufnahmen aufgrund von Lungenembolien durch eine veränderte Verordnungsweise in Deutschland wurde auf Basis von Daten aus Frankreich abgeschätzt. Eine an medizinische Laien gerichtete Informationsschrift wurde entwickelt und mit einem modifizierten DISCERN-Fragebogen evaluiert.

Ergebnisse: In Deutschland könnten jedes Jahr geschätzt ca. 1.280–1.730 Thrombosen bzw. rund 700–900 stationäre Behandlungen aufgrund von Lungenembolien bei Frauen zwischen 15 und 49 Jahren vermieden werden, wenn auf kombinierte hormonelle Kontrazeptiva der dritten und vierten Generation verzichtet würde. Für medizinisches Personal, das mit Verordnungen von KOK befasst ist, wurde ein einfacher Algorithmus zur Identifikation derzeit nicht empfehlenswerter Präparate entwickelt. Die Informationsschrift wurde überwiegend als sehr gut bis gut evaluiert.

Schlussfolgerungen: Das entwickelte Material (Algorithmus, Laieninformationsschrift) kann in der Praxis eingesetzt werden, um die Verordnung von risikobehafteten KOK der dritten und vierten Generation zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Auf Basis der verfügbaren Evidenz sollten unnötig risikobehaftete hormonelle Kontrazeptiva aus der Erstattungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen werden.

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Ausgabe: 06/2017
Problemlösetraining in der Primärversorgung – eine evidenzbasierte Methode für den Versorgungsalltag

Zusammenfassung: Zur Behandlung psychischer Störungen in der hausärztlichen Praxis stellt das aus der Problemlösetherapie hervorgegangene „Problemlösetraining für die Primärversorgung“ (PLT-PV) eine ökonomisch umsetzbare evidenzbasierte Maßnahme dar. Das PLT-PV zielt auf die Reduktion von psychischen Belastungen, indem Patienten zum Erlernen und Anwenden einer Methode zur aktiven Problemlösung angeleitet werden. Dies soll zu einer verbesserten allgemeinen Problemlösefähigkeit der Patienten führen. Einem festen Schema folgend, wird die PLT-PV in vier bis acht Sitzungen umgesetzt. In Sitzung 1 werden zentrale Annahmen des PLT-PV – wie der Zusammenhang von Problemen und psychischen Störungen, körperlichen Symptomen und psychischen Belastungen sowie funktionale Problemlösestile und Problemlöseorientierung – erläutert und die sieben Ablaufschritte des PLT-PV eingeführt. Anschließend werden in der ersten sowie in allen weiteren Sitzungen die sieben Ablaufschritte des PLT-PV anhand konkreter Probleme der Patientinnen und Patienten umgesetzt und eingeübt. Schritt 1: Auswahl eines Problems; Schritt 2: Setzen eines realistischen und erreichbaren Zieles; Schritt 3: Entwickeln verschiedener Lösungswege; Schritt 4: Bewertung der Lösungswege; Schritt 5: Auswählen eines Lösungsweges; Schritt 6: Erstellen eines Handlungsplanes; Schritt 7: Bewerten des Lösungsversuches. Mit dem PLT-PV liegt eine einfach umsetzbare und leicht erlernbare effektive psychosoziale Intervention für die hausärztliche Versorgung vor, mit der leichte psychische Störungen vielversprechend behandelt werden können.

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EBM
Ausgabe: 02/2017 - Andreas Sönnichsen
Asthma-Akuttherapie: Stellenwert der inhalativen Anticholinergika

Frage

Inhalativen Anticholinergika wird eine „Renaissance“ in der Therapie des Asthmaanfalls nachgesagt. Gibt es dafür Evidenz?

Antwort

Tatsächlich belegen mehrere aktuelle Publikationen den Nutzen der inhalativen Anticholinergika in der Asthma-Notfall-Therapie. Laut aktuellen Leitlinien-Empfehlungen sollte die Gabe allerdings dem schweren Asthma-Anfall unter den Bedingungen einer Notfall-Überwachung vorbehalten bleiben.

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Ausgabe: 02/2017 - Andreas Sönnichsen
E-Zigaretten: Schaden oder Nutzen bei der Raucherentwöhnung?

Frage

Raucher suchen immer wieder ärztlichen Rat bei der Frage, ob sie vielleicht auf E-Zigaretten umsteigen sollten. Gibt es Evidenz zum gesundheitlichen Risiko dieser Geräte? Können sie die Zigarettenabstinenz unterstützen?

Antwort

Die Datenlage ist noch nicht ausreichend, um tragfähige Evidenz vorzulegen. Eine gewisse Gesundheitsschädigung ist bei langjährigem Gebrauch möglicherweise auch bei E-Zigaretten zu erwarten. Sie ist jedoch wahrscheinlich eher gering, insbesondere im Vergleich zum bekannten Schaden des konventionellen Tabakrauchens. Erste Studienergebnisse legen einen Nutzen von E-Zigaretten für die Raucherentwöhnung nahe.

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Ausgabe: 05/2017 - Barbara Plagg
Bildgebung in der Demenzdiagnostik

Frage

Welche Bildgebungsverfahren sind bei Patienten mit Verdacht auf demenzielle Erkrankungen generell indiziert?

Antwort

Der Nutzen der Bildgebung zeigt sich in der Diagnosesicherung, dem Ausschluss sekundärer Demenzursachen und der Identifikation einer eventuellen vaskulären Beteiligung. Die Fachgesellschaftsleitlinien der DGPPN/DGN (D), NICE-SCIE (UK) und EFNS-ENS (EU) empfehlen daher den regelhaften Einsatz von bildgebenden Verfahren bei Patienten mit Verdacht auf Demenz. Die Leitlinien der DEGAM (D), CCCDTD (CA) und NHS-DPERG (UK) differenzieren in der Indikationsstellung für bildgebende Verfahren und empfehlen die Bildgebung insbesondere bei jüngeren Patienten, atypischer Symptomatik, rascher Progredienz, fokalen Symptomen und einer Kopfverletzung in der Kurzzeitanamnese. Als Methode der Wahl werden die sog. strukturellen Verfahren MRT oder CT angegeben. Nach Studienlage ist nicht klar, ob eines der Verfahren in Bezug auf vaskuläre Veränderungen besser ist. Sog. funktionelle Verfahren (PET, SPECT) werden von sämtlichen Leitlinien nur in speziellen Fällen empfohlen.

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Ausgabe: 05/2017 - Heinz-Harald Abholz
Brüchige Fingernägel – was tun?

Frage

Eine 68-jährige Patientin mit Vorhofflimmern bei leichter Herzinsuffizienz und mit Bluthochdruck hat seit einigen Monaten Nägel, die vorn brechen. Sie hat longitudinale Rillungen an allen Fingernägeln und distal, also am Nagelende, lassen sich horizontale Lamellen erkennen. Der Nagel ist nicht wirklich dick oder verfärbt. Nach Ausschluss von anderen Erkrankungen komme ich zur Diagnose „Brüchige Fingernägel“ ohne benennbare Ursache. Was kann man therapeutisch tun?

Antwort

Brüchige Fingernägel kommen häufig vor, aber Studien zu Therapieverfahren gibt es kaum. Eine durch Studien gesicherte Behandlung gibt es nicht. Eine über drei Monate gehende Einnahme von Biotin, 3 bis 5 mg, kann versucht werden. Zudem sollten die Nägel von Belastungen – mechanisch als auch chemisch – bewahrt werden sowie kurz geschnitten sein. Weiterhin kann man einmal am Tag die Nägel für 15 Minuten in lauwarmes Wasser halten und regelmäßig Harnstoff- oder Milchsäuresalbe einmassieren.

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Ausgabe: 05/2017 - Heinz-Harald Abholz
Risiko eines Koloskopie-Screenings

Frage

Ein 60-jähriger Patient fragt, welches Risiko eine Koloskopie als Früherkennungsuntersuchung habe.

Antwort

Schwerwiegende Nebenwirkungen wie Tod, Darmperforation oder schwere Darmblutungen (mit Krankenhausaufnahme) treten in den folgenden Häufigkeiten pro Untersuchungen auf: Tod 0,1/1000 Untersuchungen; Darmperforation 1/1000 und schwere Blutung 2/1000. Dabei ist das Auftreten schwerer Komplikationen zu 60–85% auf die Personen bezogen, die eine Polypen-Entfernung benötigten. Diese aber betrifft bei einem Koloskopie-Screening etwa die Hälfte aller untersuchten Personen. Man hat diese Nebenwirkungsraten dem Nutzen der Untersuchung gegenüber zu stellen: Der beträgt hochgerechnet in Bezug auf „verhinderten Tod an Darmkrebs“ bzw. die Erkrankung daran 1–2/1000 respektive 6/1000 Untersuchten und 10 Jahren.

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Ausgabe: 07-08/2017 - Andreas Sönnichsen
Statintherapie in der Primärprävention bei Diabetes mellitus Typ 2

Frage

Sollen alle Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 in der kardiovaskulären Primärprävention mit einem Statin behandelt werden? Die Nationale Versorgungsleitlinie „Therapie des Typ-2-Diabetes“ bleibt hier vage. Welche Evidenz gibt es für den Einsatz von Statinen zur Primärprävention von kardiovaskulären Erkrankungen bei Typ-2-Diabetikern?

Antwort

Die aktuelle Studienevidenz zeigt eine Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse durch eine Statintherapie bei Patienten mit Diabetes mellitus in der Primärprävention um 20–25%. Der Nachweis wurde bisher nur für Patienten mit einem Ausgangsrisiko 20%/10 Jahre erbracht. Ein signifikanter Einfluss auf die Gesamtmortalität konnte bisher nicht gezeigt werden. Die Kalkulation des Ausgangsrisikos mit den derzeit verfügbaren Risikokalkulatoren ist für Diabetiker allerdings mit Unsicherheit behaftet. Die hausärztliche Betreuung beinhaltet daher eine individuelle partizipative Entscheidungsfindung.

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Ausgabe: 09/2017 - Anna Vögele
Magnesiumgabe bei Muskel- bzw. Wadenkrämpfen?

Frage

Ist bei Patienten, die unter idiopathischen Waden- bzw. Muskelkrämpfen leiden, eine orale Magnesiumtherapie sinnvoll?

Antwort

Ein Nutzen von oral eingenommenen Magnesiumsalzen bei idiopathischen Muskel- bzw. Wadenkrämpfen ist durch die derzeit verfügbare wissenschaftliche Evidenz nicht belegbar. Aufgrund des günstigen Nebenwirkungsprofils und in Ermangelung anderer effizienter medikamentöser Therapien kann jedoch ein Therapieversuch mit Magnesium unternommen werden. An erster Stelle sollte für Patienten mit idiopathischen Muskel- bzw. Wadenkrämpfen im Akutfall die Muskeldehnung stehen – also Aufstehen und Dehnen oder das Bein gegen die Bettwand drücken.

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Ausgabe: 11/2017 - Andreas Sönnichsen
Cranberry zur Therapie und Prophylaxe von Harnwegsinfekten – was bringt es wirklich?

Frage

Besonders zur Rezidivprophylaxe bei rezidivierenden Harnwegsinfekten werden immer wieder Cranberry-Produkte als natürliche, pflanzliche Heilmittel angepriesen. Gibt es Studien zu Wirkungen und Risiken dieser Therapie?

Antwort

Die Studienlage zur Effektivität von Cranberry-Präparaten in der Behandlung oder Prophylaxe von Harnwegsinfektionen ist uneinheitlich. Während die Behandlung akuter Infektionen wenig erfolgversprechend ist, zeigt sich in der Prophylaxe ein positiver Trend in zahlreichen RCTs, der allerdings durch Qualitätsmängel der Studien und möglichen Publikationsbias relativiert wird. Allerdings konnte in mehreren RCTs auch kein eindeutiger Vorteil einer Antibiotikaprophylaxe gegenüber Cranberry nachgewiesen werden, und wenn, dann zum Preis von unerwünschten Wirkungen und Begünstigung von Resistenzbildung, während durch Cranberry kaum unerwünschte Wirkungen zu erwarten sind. Aus diesem Grunde erscheint ein Therapieversuch mit Cranberry durchaus gerechtfertigt, besonders wenn der Patient eine natürliche pflanzliche Behandlung einer dauerhaften Antibiotikaeinnahme vorzieht und den Geschmack von Cranberry toleriert.

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